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Anorthosit


Zusammenfassung     english summary

Lagekarte

Anorthosite sind magmatische Gesteine, die zu 90 % oder mehr aus Plagioklas bestehen. Sie sind überwiegend grau, seltener braun oder schwarz gefärbt und meist mittel- bis grobkörnig. Manche Anorthosite enthalten einzelne, blau schillernde Kristalle. Um das Gestein zu bestimmen, müssen die Zwillingsstreifen der Plagioklase erkannt werden, was in der Regel eine frische Bruchfläche und eine Lupe erfordert.

Bild 1: Mittel- und gleichkörniger Anorthosit aus dem Rogaland in Südwestnorwegen.

Bild 2: Die für Plagioklas typischen Zwillingsstreifen
(rechts der Mitte)
sind nur mit einer Lupe erkennbar.

Anorthosite kommen weltweit vor. In Skandinavien gibt es viele kleine Vorkommen, so dass diese Gesteine zwar als Geschiebe in Mitteleuropa gefunden werden, ihre genaue Herkunft aber nicht bestimmbar ist. Anorthosite sind keine Leitgeschiebe. Graue Anorthosite können mit Larvikit verwechselt werden.


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Ausführliche Beschreibung

Inhalt:

1. Beschreibung
2. Gefüge
3. Alteration
4. schwarzer Anorthosit
5. Schiller
5. Anorthosit oder Larvikit?
7. Politur?
8. Leukogabbros
9. Literatur und Proben

Druckfassung (PDF)

Ein Gestein aus purem Feldspat zeigt auf seiner Bruchfläche naturgemäß viele spiegelnde Spaltflächen. Sie sind der Schlüssel zur Bestimmung, da nur auf den Spaltflächen die für Plagioklas typische, enge und streng parallele Streifung zu finden ist. Bei der Suche nach diesen Zwillingen kommt es entscheidend auf eine gute Beleuchtung an. Die Größe der Kristalle ist sekundär, denn die Zwillingsstreifung findet man auch auf kleinen Feldspäten, sofern man die Probe langsam bewegt und jede reflektierende Spaltfläche mit der Lupe absucht. Es genügt dann völlig, bei einigen Feldspäten die Zwillingsstreifung zu finden, um den Anorthosit zu erkennen, sofern das Gestein zu mindestens 90 % aus diesem Feldspat besteht.

Plagioklaszwillinge
Bild 3: Polysynthetische Verzwilligungen auf einer reflektierenden Spaltfläche.
Anorthosit
Bild 4: Gleiches Gestein, anderer Blickwinkel.
(grauer Anorthosit von Västersten, Åland)

Bei der Untersuchung einer Bruchfläche findet man neben den spiegelnden Spaltflächen immer auch unebenen, rau gebrochenen Feldspat. Diese Flächen können an Quarz erinnern, ohne allerdings dessen Glasglanz zu besitzen – siehe Bild 5 unten links. (Die Pfeile am Ende der Animation zeigen auf die Plagioklaszwillinge.)

Animation Plagioklas im Anorthosit
Bild 5: Bruchfläche eines Anorthosits.

Anorthositvorkommen können ganze Landschaften und Gebirgszüge umfassen. Europas größtes Vorkommen dieser Art befindet sich im Rogaland an der Südwestküste Norwegens.

Anorthosit im Rogaland, Norwegen
Bild 6: Anorthosit im Rogaland, Südnorwegen
Anorthosite in Rogaland, Norway
Bild 7: Hier bestehen ganze Berge nur aus Plagioklas.

Dieser Anorthosit bietet auf über 60 km Länge eine beeindruckende Landschaft, die fast nur aus Plagioklas besteht. Dazu kommt ein wenig Orthopyroxen oder Ilmenit sowie in der Nachbarschaft Gesteine wie Charnockit (Granit mit Orthopyroxen) oder Mangerit (Monzonit mit Orthopyroxen).

Die meisten Anorthosite Skandinaviens aber stammen aus kleinen Vorkommen, die selten mehr als einige Kilometer groß sind. Manche davon sind geologisch mit den Rapakiwigraniten verbunden.

Anorthosit aus Aland, Finnland
Bild 8: Anorthosit auf Västersten, Åland
anorthosite at Aland, Finland
Bild 9: porphyrischer Anorthosit, Västersten

Die Inseln Västersten und Höggrund im Åland-Archipel sind Beispiele für solche, an Rapakiwis gebundene Anorthosite. Weitere befinden sich im schwedischen Nordingrå-Gebiet, südlich von Laitila und im Wiborgpluton bei Lappeenranta (schwed.: Willmanstrand) in Finnland.


Gefüge

Anorthosite sind entweder gleichkörnig oder haben grobkörnig porphyrische Gefüge. Letztere enthalten hin und wieder so große Plagioklase, dass man deren Zwillingsstreifen schon aus einigen Metern Entfernung erkennen kann.

porphyrischer Anorthosit auf der Insel Västersten, Aland
Bild 10: porphyrischer Anorthosit, Insel Västersten, Åland
Anorthosite, Höggrund, Aland
Bild 11: Anorthosit, Insel Höggrund, Åland

Anorthosite zeigen im Gelände das typische Aussehen massiger Tiefengesteine und verwittern zu metergroßen, kantigen Blöcken. Es gibt also auch entsprechend große Glazialgeschiebe.

Anorthosit Hohe Küste, Schweden
Bild 12: Anorthosit, südlich Bönhamn, Nordingrå
Anorthosite, High Coast, Sweden
Bild 13: grobkörniger Anorthosit bei Bönhamn, Nordingrå

Anorthosite dürfen bis zu 10 % dunkle Minerale enthalten. Meist ist das Pyroxen, Magnetit oder Ilmenit. Steigt deren Anteil über 10 %, wird das Gestein zum Leukogabbro.

Anorthosit, Schweden
Bild 14: Anorthosit von Nordingrå, Schweden
Bild
Bild 15: Nahaufnahme, gleiche Probe.

Dieses Gestein (Bild 14/15) ist noch ein Anorthosit. Enthielte es mehr dunkle Minerale und weniger Plagioklas, würde es zu einem Leukogabbro, der sich durch einen Plagioklasgehalt von 65 % bis 90 % auszeichnet (Le Maitre 2002). Bei weniger als 65 % Plagioklas ist das Gestein ein Gabbro.

Die Form der Plagioklaskristalle fällt in den verschiedenen Anorthositen ganz unterschiedlich aus. Teils sind sie langgestreckt-tafelig (Bild 15), gedrungen-kompakt (Bild 13) oder eng miteinander verzahnt sein (Bild 5).

 

Alteration

Alteration ist die Umwandlung von Mineralen, hervorgerufen durch die lang andauernde Einwirkung heißer Fluide. Dieser Prozess setzt häufig bereits in der Abkühlungsphase der magmatischen Gesteine ein. Bei Anorthositen sind mir zwei Arten von Alteration begegnet: Einerseits als schwache Grünfärbung, für die neu gebildeter Epidot verantwortlich sein dürfte und andererseits, allerdings sehr viel seltener, als weißer Anorthosit. *

white anorthosite
Bild 16: weißer Anorthosit, Rogaland, Norwegen
weißer Anorthosit
Bild 17: fleckiger alterierter Anorthosit, Rogaland

In der Nahaufnahme erkennt man weißen Plagioklas und Reste des ehemals braunvioletten Feldspats nebeneinander. In der Nachbarschaft, wo der Anorthosit makellos weiß ist, wird er im Steinbruch abgebaut und als weißer Split auch nach Deutschland verkauft. Das Material wird zur Aufhellung von Asphalt oder direkt als Wegbelag verwendet. (Die Ameise im Bild ist etwa 1 cm lang.)

Anorthosit
Bild 18: grünliche Plagioklase mit weißer Zwickelfüllung (Nordingrå, Schweden)
Anorthosite
Bild 19: Nahaufnahme der polierten Schnittfläche.

Das Handstück im Bild 18/19 stammt von Helene von der Heide und zeigt beide Phänomene gleichzeitig: Grünfärbung der Plagioklaskristalle sowie eine weiße Zwickelmasse. Diese Gefügevariante ist selten und kommt im Nordingrågebiet nur an wenigen Stellen vor. In anderen Gebieten habe ich so einen grün-weißen Anorthosit nirgends gefunden.

 

Schwarzer Anorthosit

Eine Grundregel für die Gesteinsbestimmung besagt, dass es keine schwarzen Feldspäte gibt. Hier folgt die einzige Ausnahme: Schwarzer Plagioklas im schwarzen Anorthosit.

schwarzer Anorthosit aus Finnland
Bild 20: schwarzer Anorthosit aus Südostfinnland
black anorthosite from Finland
Bild 21: gleiche Probe mit spiegelnden Feldspäten

Beide Bilder zeigen die gleiche Probe aus dem ostfinnischen Ylämaa, unten mit spiegelnden Feldspäten und Zwillingsstreifen. Das Gestein ist tiefschwarz und besteht zu nahezu 100 % aus Plagioklas. In den Zwickeln zwischen den größeren Plagioklaskristallen steckt etwas hellerer Plagioklas, der aber den tiefdunklen Gesamteindruck nicht beeinflusst.
Bild 22 zeigt den Steinbruch, aus dem dieser Anorthosit stammt.

quarry, anorthosite
Bild 22: Anorthositsteinbruch, Ylämaa

Die unten zu sehende, fast identisch aussehende Probe kommt aus dem Süden des etwa 200 km weiter westlich liegenden Laitilaplutons. Die Oberfläche im Bild 23 ist poliert und zeigt den hellen Plagioklas zwischen den größeren schwarzen Feldspäten. Das Gestein aus Ylämaa ist poliert noch dunkler.

Anorthosite south of Laitila
Bild 23: Anorthosit, südlich d. Laitilaplutons, Finnland

 

Schiller

In manchen Anorthositen stecken einzelne, intensiv blau schillernde Plagioklaskristalle.

Anorthosit aus Kanada
Bild 24: Anorthosit mit Blauschiller (vermutlich Nain, Kanada)
Schiller in Anorthosit, blue shiller in anorthosite from Canada
Bild 25: blau schillernder Plagioklas

Da dieser Effekt zuerst von den Anorthositen der Halbinsel Labrador im Osten Kanadas beschrieben wurde, wird der Blauschiller auch als „labradorisieren“ bezeichnet. Allerdings gibt es diesen Blauschiller auch in Anorthositen anderer Vorkommen und auch in Gesteinen, die nichts mit Anorthosit zu tun haben. (Wegen dieser Mehrdeutigkeit empfiehlt es sich, auf Begriffe wie „Labrador“ oder „labradoriseren“ ganz zu verzichten.)

Anorthosite mit Blauschiller werden als Werkstein in diversen Vorkommen abgebaut, wobei deren Grundfarbe meist schwarz, gelegentlich auch braun ist. Immer sind es eindrucksvolle Gesteine, so wie das folgende Beispiel aus der Ukraine.

Anorthosit aus der Ukraine
Bild 26: Dunkler Anorthosit mit Blauschiller aus der Ukraine (Shitomir)
anorthosite, Shitomir, Ukraine
Bild 27: Blau schillernder Plagioklaskristall im ukrainischen Anorthosit aus Shitomir.

Die Probe aus der Ukraine wurde im Natursteinarchiv in Wunsiedel fotografiert.

In diesem Zusammenhang kommt erneut das Vorkommen bei Ylämaa in Südostfinnland in den Blick, denn dort gibt es einen besonders eindrucksvollen Schiller, der sich nicht auf Blau beschränkt, sondern je nach Lichteinfall ganz verschiedene Farben zeigt. Deshalb hat man das Gestein „Spektrolith“ genannt – nach dem Spektrum des Lichts.

Anorthosit - Spektolith
Bild 28: Spektrolith aus Ylämaa, SO-Finnland
anorthosite spectrolite from Finland
Bild 29: Spektrolith aus Ylämaa (nass fotografiert)
Anorthosit - Spektolith
Bild 30: Spektrolith aus Ylämaa
blue schiller in Anorthosite - Spectolithe
Bild 31: Ausschnitt vom Plagioklaskristall

Immer sind es einzelne, im schwarzen Anorthosit steckende Plagioklase, die dieses bemerkenswerte Farbspiel zeigen. Den Schiller findet man dabei nur auf den großen Seitenflächen der Kristalle und auch nur dann, wenn das Licht richtig fällt. Man muss also Geduld mitbringen, wenn man große schillernde Kristalle sucht oder man muss viel Gestein zerteilen. Da von außen nicht erkennbar ist, was im Inneren steckt und der „Spektrolith“ ausgesprochen hart und zäh ist, wird die Suche auch mit einem großen Hammer schnell zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.
Die von den Finnen reklamierte Einzigartigkeit dieses Gesteins trifft übrigens nicht ganz zu. Das Buch „Norges Mineraler“ („Norwegens Minerale“, Tapirverlag) zeigt auf dem Einband einen Rogaland-Anorthosit mit dem gleichen bunten Schiller. Es gab also mindestens einen solchen Fund außerhalb Finnlands. Allerdings enthält der Anorthosit bei Ylämaa sehr viel mehr von den bunt schillernden Plagioklaskristallen, so dass dieses Gestein in der Tat eine Besonderheit darstellt.

 

Glazialgeschiebe: Anorthosit oder Larvikit?

Anorthosite gibt es in ganz Skandinavien und wohl auch am Boden der nördlichen Ostsee**. Da sich die Gesteine der bekannten Vorkommen ähneln und es weitere, noch unbeschriebene gibt, sind Anorthosite keine Leitgeschiebe. Trotzdem ist so ein Fund eine befriedigende Erfahrung. Allerdings muss man ihn von einem Larvikit unterscheiden.

Graue und grobkörnige Anorthosite können einem Larvikit aufs Haar gleichen. Bestimmen kann man beide nur, wenn man die Feldspäte genau inspiziert und nach Plagioklaszwillingen sucht. Findet man welche, handelt es sich um Anorthosit. Findet man keine, sucht man nach rhombenförmigen Querschnitten der Feldspäte, die es nur im Larvikit gibt. Dessen Feldspäte sind ternäre Feldspäte, die fast immer einen rhombenförmigen Querschnitt haben. Dreht und wendet man ein Larvikitgeschiebe, findet man meistens nach einigem Suchen mindestens einen oder zwei dieser spitzwinklig spiegelnden Feldspäte.
Sollte es Feldspatkristalle mit einem schwachen Blauschimmer geben, deutet das ebenfalls auf Larvikit, denn Anorthosite mit Blauschiller sind als Geschiebe unbekannt. Der Spektrolith aus Ylämaa kann zwar prinzipiell Geschiebe geliefert haben, aber die findet man, wenn überhaupt, im Westen Russlands ungefähr zwischen Narva und St. Petersburg. (Außerdem ist der Blauschiller im Larvikit sehr viel schwächer als der in Anorthositen.)

Funde wie der folgende sind eine echte Herausforderung und ohne Lupe nicht bestimmbar.

glacial erratic anorthosite, Geschiebe aus Anorthosit
Bild 32: Larvikit? Anorthosit?
Plagioklaszwillinge auf der Oberfläche eines Geschiebes
Bild 33: Entscheidend sind die Plagioklaszwillinge.

Anorthosit ist allein an den Zwillingsstreifen seiner Plagioklase zu erkennen, die ausschließlich auf spiegelnden Spaltflächen zu finden sind.
Schwierig wird es, weil leider auch im Larvikit Streifen vorkommen, die man bei oberflächlicher Betrachtung für Plagioklaszwillinge halten könnte. Weil dieser Punkt entscheidend ist, hier noch einmal zwei Larvikite aus der Nähe.

Larvikite, Larvikit, erratic
Bild 34: Larvikitgeschiebe (nass fotografiert)
Larvikit
Bild 35: Larvikit, polierte Oberfläche.

Vergrößern Sie bitte beide Bilder. Sie erkennen dünne parallele Streifen, die in jedem Kristall in eine andere Richtung zeigen. Das sind keine Plagioklaszwillinge, denn Sie sehen diese Streifen immer, egal wie Sie den Stein halten. (Vermutlich handelt es sich um Risse oder Teilbarkeiten.)
Die Zwillingsstreifen im Plagioklas dagegen sehen Sie nur auf spiegelnden Spaltflächen. Die folgenden Bilder zeigen je eine Animation bei wechselndem Lichteinfall.

Plagioklas, polysynthetische Zwillinge, Animation
Bild 36: Plagioklaszwillinge
Plagioklaszwillinge im wechselnden Licht
Bild 37: Plagioklaszwillinge

Bei der Bestimmung von Geschieben sollte man neben dem Fundort auch die begleitenden Gesteine beachten. So ist in Norddeutschland die Wahrscheinlichkeit für norwegische Geschiebe größer als in Mecklenburg oder gar in der Lausitz. Außerdem wird man einen Larvikit nur dort finden, wo es auch Rhombenporphyre gibt, denn die sind gute Anzeiger für Gesteine aus Südnorwegen. Wenn es am Fundort eines Geschiebes, das wie ein Larvikit aussieht, nicht regelmäßig auch Rhombenporphyre gibt, wird das Geschiebe sehr wahrscheinlich ein Anorthosit sein.

Findling aus Anorthosit, erratic of anorthosite
Bild 38: Geschiebe, Tagebau Welzow bei Cottbus.

Dieses ziemlich große Geschiebe stammt von einer Findlingshalde des Tagebaus Welzow bei Cottbus. Die Oberfläche des Steins war angewittert und fast weiß. Bei genauem Hinsehen zeigte sich, dass es sich um ein magmatisches Gestein handelt. Mit einem großen Hammer wurde die Spitze des Findlings entfernt und es kam ein überaus interessantes Gefüge zum Vorschein.

Anorthosit, Handstück, specimen of anorthosite
Bild 39: Grauer Anorthosit aus dem Tagebau Welzow,
Abschlag vom Geschiebe.
close up of anorthosite
Bild 40: Plagioklaszwillinge auf Spaltflächen.
Geschiebe aus dem Tagebau Welzow bei Cottbus.

Ein anderes Anorthositgeschiebe, ebenfalls aus der Umgebung von Cottbus:

Bild 41: Anorthositfindling in Steinitz

Steinitz liegt etwa 15 km südwestlich von Cottbus. Am Ortsrand befindet sich eine größere Ansammlung von Findlingen, die aus den Braunkohletagebauen der Umgebung stammen. Dieser Findling hat knapp einen halben Meter Durchmesser und sieht unspektakulär aus.

Anorthositgeschiebe, nasse Oberfläche aus der Nähe
Bild 42: Oberfläche des Findlings

Die Oberfläche des Abschlags offenbart aber einen schönen Anorthosit.

Plagioklaszwillinge
Bild 43: Anorthosit in Steinitz

Allerdings ist hier eine Warnung angebracht, denn in Steinitz wuchs damals (Juni 2015) überall Ambrosia. Ein für Allergiker ausgesprochen unerfreulicher Anblick. Sollten sie mit einer Pollenallergie geschlagen sein, wäre die erste Jahreshälfte wohl besser geeignet, um sich dort umzusehen. (Ein Foto von Ambrosia gibt es hier.)

 

Politur?

Wer ein kleines Geschiebe findet, ist wenig begeistert vom Vorschlag, mit dem Hammer für eine Bruchfläche zu sorgen. In so einem Fall bleibt nur, die vorhandene Oberfläche ganz genau abzusuchen, ob man nicht doch mit etwas Glück eine spiegelnde Spaltfläche findet. Eine Chance gibt es immer. Siehe Bild 45.
Statt dessen den Stein zu zersägen und zu polieren ist auch keine gute Idee – vor allem nicht bei einem potenziellen Anorthosit. Erstens können Sie auf einer Schnittfläche keine Feldspäte mehr bestimmen und zweitens gibt es kaum etwas Langweiligeres als den Schnitt durch ein Gestein, das nur aus einem Mineral besteht.

Anorthosit, geschnitten
Bild 44: Anorthositgeschiebe (bei Enschede, NL)
polierter Schnitt
, Surface of an erratic of anothosite
Bild 45: Besser ist es, die Oberfläche abzusuchen, um eventuelle Plagioklaszwillinge zu finden.

 

Leukogabbros

Anorthosit wird zum Leukogabbro, wenn er weniger als 90 % Plagioklas und mehr als 10 % dunkle Minerale enthält. (Plagioklas muss alleiniger Feldspat sein.) Solche Leukogabbros sind als Geschiebe gar nicht selten, allerdings kann man bei ihnen wie bei den Anorthositen nicht sicher sein, woher sie kommen.

Leukogabbro, Geschiebe, leucogabbro, erratic
Bild 46: Leukogabbro. Geschiebe aus Schleswig-Holstein, nass fotografiert.

Bei der Bestimmung sind wieder nur zwei Fragen zu klären: Ist der Feldspat Plagioklas? Wie hoch ist der Anteil der dunklen Minerale bzw. des Feldspats? (Leukogabbros enthalten zwischen 65 % und 90 % Plagioklas.)

 

Druckfassung (PDF)

 

Erläuterungen

  * Das weiße Mineral ist Klinozoisit, der nur im Labor bestimmbar ist. Von Hand erkennt man einen weißen Anorthosit anhand der Plagioklaszwillinge, so wie jeden anderen Anorthosit auch.

** Eskola P. 1933 in „1000 Geschiebe aus Lettland“, Seite 13: "Wir müssen folglich schließen, dass ein oder mehrere Anorthositmassive am Ostseeboden stecken."

 

English summary

Anorthosites are magmatic rocks consisting of 90 % or more plagioclase. They are predominantly grey, rarely brown or black in colour and mostly medium to coarse-grained. Some anorthosites contain single, blue shimmering crystals. In order to determine the rock, the twins of the plagioclase must be recognized, which usually requires a fresh fracture surface and a magnifying glass.

Anorthosites occur worldwide. There are many small deposits in Scandinavia, so that these rocks are found as erratics in Central Europe, but their exact origin cannot be determined. Anorthosites are no "Leitgeschiebe" (i.e. erratics with a single and known occurence). Grey anorthosites can be confused with Larvikite.

series of all pictures
picture series

Descerning anorthosite:

A rock of pure feldspar shows many reflections on its fractured surface. They are the key, because only on the cleavage surfaces the narrow and strictly parallel stripes typical for plagioclase can be found. Good lighting is important in the search for these twins. The size of the crystals is secondary, because the twin stripes can also be found on small feldspars, as long as the sample is moved slowly and each reflecting surface is scanned with a magnifying glass. It is sufficient to find the twin stripes on some feldspars in order to recognize the anorthosite, as long as the rock consists of at least 90% of this feldspar.

When examining a fractured surface, uneven, rough feldspar can always be found in addition to the reflecting fission surfaces. These surfaces can be reminiscent of quartz, but without possessing its vitreous luster.

Texture

Anorthosites are either equal grained or have a coarse grained porphyric texture. The latter contain plagioclase from time to time so large that their twins can be seen from a distance of a few metres.
Anorthosites show the typical appearance of massive deep rocks and weather into meter-sized, angular blocks. There are also correspondingly large glacial boulders.
Anorthosites may contain up to 10% dark minerals. The most common minerals are pyroxene, magnetite or ilmenite. If their proportion rises above 10 %, the rock becomes leucogabbro.

Alteration

Alteration is the transformation of minerals caused by the prolonged action of hot fluids. This process often starts during the cooling phase of the magmatic rocks. In anorthosites I have encountered two types of alteration: On the one hand as a weak green coloration, for which newly formed epidote might be responsible, and on the other hand, but much rarer, white anorthosite. (The mineral that causes the white coloration is clinozoisite, which can only be determined in the laboratory).

Black anorthosite

A basic rule for rock determination is that there are no black feldspars. There is one exception: black plagioclase in black anorthosite, as it comes from Ylämaa in Finland, for example. There the rock is called "Spectrolite" because of its colourful iridescent plagioclase.

The blue iridescent plagioclase crystals were first described by the anorthosites of the Labrador peninsula in eastern Canada. This is why the blue iridescence is also called "labradorization". However, this blue shiller is also found in anorthosites of other occurrences and also in rocks that have nothing to do with anorthosite. Because of this ambiguity, it is advisable to avoid terms like "labradorization" altogether.
Anorthosites with blue iridescence are mined as stone in various deposits. Their general color is often black, occasionally also brown. They are always impressive rocks, such as the example from the Ukraine (Figs. 26 and 27) and the "Spectrolite" from Ylämaa.


Discerning erratics: Anorthosite or Larvikite?

Anorthosites can be found all over Scandinavia and also at the bottom of the northern Baltic Sea. The rocks in the known deposits are similar and there are also many undescribed deposits. Therefore, anorthosites are no "Leitgeschiebe" (erratics with a single and known occurence). Nevertheless, it is a satisfying experience to find anorthosite. However, it must be distinguished from a Larvikite.

Anorthosite and Larvikite can be very similar. As erratics both can only be determined if one examines the feldspar carefully and searches especially for the plagioclase twins. If one finds any, it is anorthosite. If none are found, one looks for rhomboid-shaped cross-sections of the feldspar, which only exist in the Larvikite. The feldspars in Larvikite are ternary feldspars that almost always have a rhomboid cross-section. If one turns and turns a Larvikite erratic, one often finds at least one or two of these sharp-angled, reflecting feldspars.
If there are feldspars with a weak blue sheen, this also points to Larvikite, because anorthosites with blue iridescence are unknown as erratics (in Germany). The "Spectrolite" from Ylämaa can occur as erratic. But these pieces can be found, if at all, in the west of Russia, for instance between Narva and St. Petersburg. (Besides, the blue iridescence in Larvikite is much weaker than the one in Anorthosites).

Anorthosite can sometimes be difficult to distinguish from Larvikite because there are stripes in Larvikite that could be considered plagioclase twins when viewed superficially. How to distinguish between the two is shown in photos 34 and following.

When determining erratics, one should also consider the other rocks at the site of discovery. Norwegian erratics are more probable in northern Germany than in Mecklenburg or even in Lusatia („Lausitz“). At the location of an erratic, which is supposed to be a Larvikit, there must also be erratics of Rhomporphyries. If such porphyries are not regularly found at the site, then the erratic will probably be an anorthosite. (See Nr. 38 and following)

Polish?

If you find a small stone (erratic), you are not very enthusiastic about the suggestion to knock off a piece with a hammer. Then all you have to do is search the existing surface very carefully. With a bit of luck you will find a reflecting cleavage surface with twins.
Instead, sawing and polishing the stone is not a good idea either - especially not with a potential anorthosite. First, you can no longer identify feldspars on a cut surface. Secondly, cutting through a rock consisting of only one mineral is boring.

Leucogabbro

Anorthosite becomes leucogabbro if it contains less than 90 % plagioclase and more than 10 % dark minerals. (Plagioclas must be the only feldspar.) Such Leucogabbros are not very rare as boulders at all, however one cannot be sure also with them where they come from.
Only two questions need to be answered: Is the feldspar plagioclase? What is the proportion of dark minerals or feldspar? (Leucogabbros contain between 65% and 90% plagioclase.)


 

Literatur

DUCHESNE J. C. & KORNELIUSSEN A. 2003: Ilmenite deposits and their geological environment With special reference to the Rogaland Anorthosite Province, Norges Geologiske Undersøkelse Special Publication No. 9, Trondheim

ESKOLA P. 1933 Tausend Geschiebe aus Lettland - Annales Academiae Scientiarum Fennicae (A) 39 (5):
1-41, 9 Abb., 2 Tab., Helsinki [Helsingfors] 

KOISTINEN TJ 1996 (Hrsg.) Explanation to the Map of Precambrian basement of the
Gulf of Finland and surrounding area 1:1 million - Geological Survey of Finland,
Special Paper 21: 141 S., Espoo.

SVESHNIKOV, K. I.: SUKHORUKOV, Yu. T.: PASHKEVICH. I. K. And KRASOVSKY, S.S. 1993. Anorogenic granitoids of the Early Precambrian magmatism of the Ukrainian shield. Bull. Geol. Soc. Finland 65. Part II. 119-130.

WANVIK, J.E. 2000: Norwegian anorthosites and their industrial uses, with emphasis on the massifs of the Inner Sogn-Voss area in western Norway. Norges geologiske undersøkelse Bulletin 436, 103-112.

Grundgebirgskarte von Schweden: http://apps.sgu.se/kartgenerator/
Grundgebirgskarte von Finnland: https://gtkdata.gtk.fi/maankamara/
Grundgebirgskarte von Norwegen: http://geo.ngu.no/berggrunn/?lang=english

 

Herkunft der Proben

Bild 1, 2: Anorthosit aus dem Rogaland, Norwegen, N58.27954 E6.48073
Bild 3, 4, 8, 9, 11: Anorthosit von Västersten, Åland, N60.124229, E19.644629
Bild 5; Anorthosit aus Steinbruch nördlich von Hellvik, N58.49224 E5.86181
Bild 6 und 7 zeigen die Landschaft östlich und westlich von Åna Sira
Bild 10: Höggrund, Åland, N60.251183, E19.345251
Bild 12, 13: südlich Bönhamn, Nordingrå, N62.87431, E18.45225
Bild 14, 15: Rävsön, Nordingrå, etwa bei N62.92066, E18.48467
Bild 16, 17: Rogaland, bei Hauge i Dalane
Bild 18, 19: Nordingrå, etwa bei N62.92860, E18.30336 („Vågsfjärdsvägen“)
Bild 20-22: Anorthosit westlich Ylämaa: N 60.774103, E 27.847381
Bild 23: Aufschluss südlich des Laitilaplutons, N60.80493 E22.28398
Bild 24, 25: ohne genaue Herkunft, sehr wahrscheinlich Nain in Kanada (Sammlung Figaj)
Bild 26, 27: Gesteinsmuster aus dem Deutschen Natursteinarchiv in Wunsiedel,
          95632 Wunsiedel, Marktredwitzer Str. 60
Bild 28-31: diverse Aufschlüsse westlich Ylämaa, auch N 60.774103, E 27.847381
Bild 32, 33: Rügen (Sammlung Altenburg)
Bild 34: Lildstrand, Jammerbucht, Dänemark
Bild 35: Larvikit aus dem Steinhandel
Bild 36: Anorthositgeschiebe, Polen. (Sammlung Wienbeck)
Bild 37: Anorthositgeschiebe aus Schleswig-Holstein
Bild 38-40: Nähe Tagebau Welzow, ohne Koordinaten
Bild 41-43: Findlingshalde Steinitz, N51.626697, E14.213906
Bild 44, 45: Geschiebe aus der Nähe von Enschede, Niederlande (Sammlung Huisman)
Bild 46: Geschiebe aus Schleswig-Holstein (Sammlung Rühe)

 

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