Übersicht Südschweden Nordschweden Norwegen Finnland / Ostsee Rapakiwis
alle Themen Süd- und Westküste Dalarna Oslogebiet Bornholm Einleitung
Gesteinsliste Småland-Dalsland Nordschweden Finnland und Ostsee alle Rapakiwis
Bildergalerie Stockholm-Värmland Sonstige Åland Texte
Kontakt Metamorphite Bottensee

 

 

  .
  Rhombenporphyr:
Druckansicht
 
Es ist wohl das auffälligste und am leichtesten zu bestimmende Leitgeschiebe überhaupt.
 
Der Rhombenporphyr ist eine vulkanische Lava.
Sie trat vor etwa 280 Millionen Jahren (im Perm) in einer Phase intensiven Vulkanismus in der Gegend um das heutige Oslo aus. Dieses Gebiet wird wegen seiner geologischen Struktur - es handelt sich um einen Grabenbruch - als "Oslograben" bezeichnet.
Der Oslograben ist eine geologisch auffälliges und junges Gebiet, wenn man es mit den viel älteren Umgebungsgesteinen vergleicht.
Es gibt die Rhombenporphyre nur an einigen Stellen, dann allerdings auch gleich verschiedene Lavadecken übereinander. In der Literatur finden sich Hinweise auf über 30 Rhombenporphyrdecken.
Eine einzige davon (Rhombenporphyr #13) hat rechteckige Einsprenglinge - das ist der Rektangelporphyr.
 
Die Rhombenporhyre, die bei uns im Geschiebe gefunden werden, stammen alle aus dem Oslograben. Sie sind naturgemäß im Norden häufiger, aber auch recht weit im Süden zu finden. Mein südlichster Rhombenporphyr stammt aus der Kiesgrube Rehbach westlich von Leipzig.
 
Das Kennzeichen des Porphyrs sind die rhomben- bzw. bootsförmigen Einsprenglinge in einer feinkörnigen bis dichten Grundmasse.
Die Einsprenglinge sind meist hellbraun bis gelblich oder rötlich und gelegentlich zoniert.
In der Regel sind die Einsprenglinge heller als die Grundmasse.
Die Farbe dieser Grundmasse reicht von hellbraun über dunkelbraun und violett bis schwarz.
Das Gestein erhielt seinen Namen 1810 durch Leopold von Buch.
 
Bemerkenswert ist die enge Verwandtschaft mit einem weiteren Gestein der Region, dem Larvikit. Beide Gesteine sind chemisch identisch und stellen zwei Varianten der gleichen Ausgangsschmelze dar. Die Lava wurde zum Rhombenporphyr, während der Larvikit das auskristallisierte Tiefengestein bildet.
 
Zur ungewöhnlichen Form der Einsprenglinge lesen Sie weiter unten mehr.
Zuerst einige Fotos vom Rhombenporphyr.
Das erste Foto zeigt ein Geschiebe von Skagen:
 
Rhombenporhyr
.
 
Das Bild zeigt ein durchschnittliches Gefüge: Nur einige der Feldspäte sind "richtig" geformt. Andere Einsprenglinge sehen ziemlich unregelmäßig aus.
Die typischen Rhomben sind schlank, länglich und spitz zulaufend.
Es genügt, wenn nur einige der Einsprenglinge diesen Umriß zeigen, dann handelt es sich um das gesuchte Leitgeschiebe.
 
 
 
Details vom Rhombenporphyr
 
Auf dem unteren "Gruppenfoto" sind weitere Farbspiele zu sehen. Unten rechts ist ein besonders schönes Exemplar.
Alle Stücke sind Geschiebe, teils aus Dänemark, teils von Fehmarn.
 
 
 
Die ungewöhnliche Form der Einsprenglinge hat mit deren Zusammensetzung zu tun. Die Rhomben sind Mischkristalle, sogenannte ternäre Feldspäte. In der vorliegenden Zusammensetzung werden sie als Anorthoklas bezeichnet.
Dieser Anorthoklas hat im Idealzustand folgende Kristallform:

 
  
idiomorpher Anorthoklas
.  
Einen solchen Kristall kann man in beinahe jede Richtung zerbrechen, es bildet sich fast immer der rautenförmige Querschnitt.
Unterhalb sehen Sie ein Stück aus dem Anstehenden, bei dem ein idiomorpher Anorthoklas zur Hälfte freiliegt.
(Links der Ausschnitt, rechts die ganze Probe.)
 
 
 
 
 
Jede Lava enthält gelöste Gase und Wasser.
Diese bilden beim Abkühlen kleine Hohlräume (Blasen) im Gestein. Manchmal werden diese nachträglich mit Mineralen (z.B. Kalzit) ausgefüllt.

Das Bild unten zeigt einen Rhombenporphyr aus einer Kiesgrube am Oslofjord.
Die weißen Flecken sind mit Kalzit gefüllte Hohlräume.
Beachten Sie, daß die Einsprenglinge ungefähr in einer Richtung orientiert sind. Darin zeigt sich die Fließbewegung der Lava kurz vor dem Abkühlen.
 
 
Rhombenporphyr mit Kalzit
.
 
Das nächste Stück habe ich in Hamburg gefunden.
Einige der Einsprenglinge haben einen dünnen hellen Saum. Dieser bildet sich durch Veränderungen in der Zusammensetzung des Feldspates während des Kristallwachstums.
Polierter Schnitt.
 
 
 
.
.  
Zum Schluß noch ein paar weniger prächtige Exemplare. Auch so können Rhombenporphyre aussehen.
Die weißen Flecke sind wiederum mit Kalzit gefüllte Hohlräume.
 
.