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  Die Verwitterung der Rapakiwis:
(oder: Wie das Gestein zu seinem Namen kam.)

 

 
Die Zersetzung des Rapakiwi ist eine der Seltsamkeiten, die dieses Gestein begleiten.
Das Phänomen ist bereits seit Jahrhunderten bekannt - schließlich hat es zur Namensgebung geführt. Der Name „Rapakivi" stammt aus dem Finnischen.
„Rapa" bedeutet soviel wie „zersetzt, bröckelig, zerfallen" und „kivi" ist der Stein. Übersetzt also etwa „Bröckelstein".
Die Schreibweise mit „w" ist die deutsche, die mit „v" die finnische bzw. englische.

 

Das besondere am Rapakiwi ist nicht die Tatsache, daß er verwittert - das passiert mit jedem Gestein - sondern wie.
Einzelne Partien des Gesteins zerfallen dabei zu einer Masse von kantigen Bruchstücken.
Der entstehende Grus ist grobkörnig. Dazwischen sind Teile von unverwittertem und festem Gestein.
 
 
Rapakiwi, verwittert
 
Bild 1
Zerfallender Rapakiwi. Aufnahme östlich von Laitila, Südwestfinnland
 
 
  Bild 2 unten
Das Resultat der Rapakiwiverwitterung aus der Nähe.
Es bildet sich ein Grus aus Feldspatbrocken, der oft rostbraun gefärbt ist.
Die zerbrochenen Feldspäte erscheinen relativ frisch und spiegeln lebhaft. Gelegentlich finden sich gut erhaltene Ovoide innerhalb der Masse.
Die Aufnahme wurde bei Pyterlahti gemacht.

 
disintegrated Rapakivi
 
Aufs Ganze gesehen, ist der Zerfall des Rapakiwis die absolute Ausnahme.
Im Anstehenden mußte ich den berühmten Zerfall lange suchen.
Der Rapakiwi zeigt sich in Finnland ganz überwiegend als fester, oft extrem harter Granit. Er wird in vielfach in großen Steinbrüchen als Werkstein oder fester Straßenschotter gebrochen.

 
Das Ungewöhnliche ist nun, daß die gezeigte Verwitterung räumlich eng begrenzt auftritt.
Findet man eine Zone mit dem Zerfall, dann gibt es meist einen scharfen und unvermittelten Übergang zwischen Verwitterung und festem Gestein. Der anstehende Rapakiwi geht ohne erkennbaren Anlaß in den Grus über, um dann wenige Meter weiter wieder fest und solide zu erscheinen. Dieser abrupte Wechsel ist eindrucksvoll.
 
 
Rapakiwizerfall im Gelände, östlich Laitila
 
Bild 3
Straßenaufschluß östlich von Laitila
 
  Dort wird das zersetzte Gestein aufgehäuft und wie in der Vergangenheit zum Wegebau benutzt.
Bild 3a
 
 
   
 
Im Jahre 1930 widmete sich Pentti Eskola diesem Thema in der Schrift „On the Disintegration of Rapakivi".
Darin betonte er, daß bereits frühere Untersuchungen keine Besonderheiten in der chemischen oder mineralogischen Zusammensetzung der betroffenen Gesteinspartien im Vergleich zu den unverwitterten ergaben.
Ein Einfluß von Wind und Wetter erscheint plausibel, da der Zerfall nur bis in relativ geringe Tiefe vorkommt und nach Süden, auf zur Sonne hin exponierten Flächen stärker aufzutreten scheint.
Allerdings gibt es auch geradezu groteske Kombinationen, wie das folgende Bild aus Eskolas Schrift zeigt:
 
Bild aus Eskolas Schrift
Bild 4
("Moro" ist nach Eskola die finnische Bezeichnung für den Gesteinsgrus, der bei der Verwitterung entsteht.)
 
Auf dem Bild ist das zerfallene Gestein unter einer dicken Schicht unverwitterten Rapakiwis zu sehen.
Bei so einer Kombination fällt es allerdings schwer, an ein einfaches Einwirken von Wind und Wetter als Ursache zu glauben.
 
Bemerkenswert erscheint mir, daß ich auf Åland, wo es überwiegend nur kleine Ovoide im Rapakiwi gibt, keinen Zerfall gesehen habe. Möglicherweise spielt die Grobkörnigkeit eine wichtige Rolle.
 
(Eskolas "On the Disintegration of Rapakivis" können Sie nachlesen.
Sie finden die Kopie bei den Texten.)
 
Im Zusammenhang mit dem erwähnten Text sei aber noch eine Anmerkung angebracht.
Eskola, der sich auf eine ältere Schrift bezieht, führt als ein Beispiel für die auffällige Verwitterung die Alexandersäule in St. Petersburg an.
Das Denkmal für Zar Alexander I steht vor dem Winterpalais und erfreut sich bester Standfestigkeit.
Eine Nachfrage in St. Petersburg ergab, daß die Säule anläßlich der 300 Jahrfeier (2003) überholt wurde und, von ein paar senkrechten Rissen abgesehen, keine Schäden aufweist.
Die Säule wurde aus dem rotbraunen Pyterlit hergestellt, der im historischen Steinbruch in Pyterlahti gewonnen wurde. Das Gestein dort zeigt ebenfalls keine auffällige Verwitterung. Abbildungen finden Sie beim "Pyterlit".
 
 
Alexandersäule in St. Petersburg
Bild 5
 
Zum Schluß noch zwei Ansichten eines Findlings, der am Ortsrand von Laitila liegt.
Bild 6
Rapakivizerfall
  Bild 7
Disintegration of Rapakivis