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Rapakiwis

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Einführung in das Thema "Rapakiwis"
   
Sie finden hier eine ausführliche Einleitung.
Zuerst das Wichtigste in Kürze, danach folgen Einzelheiten.
Sie können diese Einleitung auch zum Ausdrucken herunterladen:

   Als pdf-Datei, einschließlich aller Bilder: 3,3 MB
  
Die Einführung gliedert sich in folgende Themen:
 
- Was sind Rapakiwis?
- Woher kommt der Name?
- typische Merkmale
- wichtige Begriffe: Wiborgit und Pyterlit
- Vorkommen
- bimodaler Magmatismus
- Ovoide und Ringe

- Europiumanomalie
- Quarz und graphische Verwachsungen
- Doppelgänger (runde Feldspäte und trotzdem kein Rapakiwi)
 
 
  Was sind Rapakiwis?
 
Ein Rapakiwi ist ein Granit mit „Augen".
Seine rundlichen Einsprenglinge bestehen aus Alkalifeldspat und können mehrere Zentimeter groß werden. Oft sind sie von einem dünnen Saum aus Plagioklas (ebenfalls ein Feldspat) umgeben. Diese großen Feldspäte sind in eine Grundmasse aus Quarz und Feldspat eingebettet.
Auch die Quarze zeigen Besonderheiten.
Es finden sich größere, runde Quarze und zusätzlich kleine, oft anders geformte Quarzkörner im Raum zwischen den Einsprenglingen.
In Rapakiwis gibt es zwei Generationen von Quarz und Feldspat.
 
 
Rapakivi aus Aland
Bild 1
Rapakiwigeschiebe von Åland
   
Ein solches Gefüge ist für ein magmatisches Gestein ungewöhnlich.
Rundliche Einsprenglinge entstehen normalerweise nur durch Anschmelzungen
bereits gebildeter Kristalle oder durch die Verformung der Mineralkörner durch
Druck (längliche Formen im Augengneis). Beides trifft hier nicht zu.

Dieser ungewöhnliche Granit kommt an etlichen Stellen auf der Erde vor. Der
„Stammvater" aller Rapakiwis jedoch kommt aus Finnland. Dort gibt es ihn in vier größeren und etlichen kleineren Massiven im Süden des Landes.
Diese finnischen Rapakiwis finden wir aber auch bei uns in Mitteleuropa, weil sie durch die Gletscher der Eiszeiten hierher transportiert wurden. Überall, wo es Ablagerungen aus den letzten Eiszeiten gibt, liegen diese ungewöhnlichen Gesteine.

Sie leichter zu erkennen, soll dieser Text hier helfen.
 
 
 
 
Woher kommt der Name?

Die aus Finnland stammende, volkstümliche Bezeichnung „Rapakivi" ist schon im
17. Jahrhundert verwendet worden. Die gängige Übersetzung von „rapa" mit „faul"
wurde bereits früh kritisiert. Besser wäre wohl: "Krümelig, bröckelig".
"Kivi" ist einfach "Stein", so daß sich „Rapakiwi" also etwa mit „Bröckelstein"
übersetzen läßt.
Grund für diese Namensgebung ist die lokal stark ausgeprägte Zersetzung. Dabei
zerfällt das Gestein zu einem scharfkantigen und groben Grus.
Auffällig ist, daß dieser Zerfall nur ausnahmsweise und inselartig auf kleiner
Fläche stattfindet. Ohne erkennbaren Anlaß geht ein fester Granit innerhalb
kürzester Entfernung in einen völlig mürben Gesteinsschutt über, um sich nur
wenige Meter weiter wieder fest und solide zu zeigen.
Diese starke Verwitterung ist, aufs Ganze gesehen, die Ausnahme und nicht die
Regel. Einzelheiten dazu finden Sie in einem separaten Abschnitt: Verwitterung.

In die Geologie wurde der Begriff "Rapakiwi" im Jahre 1891durch Sederholm
eingeführt. Sein auf deutsch erschienener Aufsatz "Ueber die finnländischen
Rapakiwigesteine" hatte das Ziel, die Rapakiwis verschiedener Vorkommen
gemeinsam zu beschreiben und zu einer Gruppe besonderer Gesteine
zusammenzufassen.
(Die Schreibweise mit „w" ist die deutsche, die mit „v" die finnische bzw.
englische.)
 
 
 
Rapakiwis zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

1.) Es handelt sich um porphyrische, manchmal grobkörnige Granite mit
vergrößerten, gerundeten Alkalifeldspateinsprenglingen (Ovoide).

2.) Diese gerundeten Alkalifeldspäte werden von einem Saum aus Plagioklas
umschlossen. Beide zusammen bilden das typische Rapakiwigefüge. Es gibt aber auch
Einsprenglinge ohne Saum.

3.) Das Gestein enthält zwei Generationen von Feldspat- und Quarzkristallen.
Die Kristallisation hat sich in Etappen vollzogen. Die großen Quarze sind meist gerundet
und ebenso wie die Ovoide vor den anderen Gefügebestandteilen gebildet worden.

4.) Rapakiwis sind anorogen (ohne Gebirgsbildung) entstanden, sie gehören zur
Gruppe der „A-Granite". Oft werden die Rapakiwis von Gesteinen basaltischer
Herkunft wie Anorthosit, Gabbro, Diabas u.a. begleitet. ("bimodaler" magmatischer Ursprung.)

5.) Sie besitzen eine negative Anomalie beim Element Europium (d.h. dieses
Element ist deutlich vermindert). Diese Anomalie ist natürlich nur mit
aufwendiger Analysetechnik festzustellen und für den Amateur ohne Belang.

Im Bild 2 sehen Sie einen Rapakiwi aus dem Wiborgpluton: Der polierte Schnitt zeigt das klassische Gefüge: Große Ovoide aus Alkalifeldspat, umgeben von einem Saum aus Plagioklas. Dazu sind die vergrößerten Quarze der ersten Generation gut zu erkennen.
 
 
Rapakivi aus dem Wiborgpluton - Wiborgit
 
Bild 2
Wiborgit, N/O von Forsby, Finnland

 

Gefuege eines Rapakivis
 
Bild 3
Ausschnitt

 
Wiborgit
 
Bild 3a
 
Die in Deutschland (im Geschiebe) zu findenden Rapakiwis stammen überwiegend von den Åland-Inseln.
Diese Rapakiwis zeichnen sich durch einen meist braunroten Farbton aus. Siehe Bild hier unterhalb.
Außerdem sind die graphischen Verwachsungen in einer typischen Weise ausgebildet.
Nahaufnahme eines Åland-Rapakiwis.
(Bildbreite etwa 4 cm)
 
Rapakiwi von Aland
 
Bild 4
Åland-Rapakiwi
Bild 4a
Åland-Rapakiwi
 
 
Die graphischen Verwachsungen in der Grundmasse sind ein entscheidendes Gefügemerkmal.
Weiter unten gehe ich darauf nochmals ein.
 
 
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