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  Zur Entstehung der Gesteine der Västervik-Formation:   
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Die Västervik-Formation liegt an der småländischen Ostseeküste nördlich und südlich von Västervik. Das Gebiet befindet sich am Südende des ausgedehnten Gebietes svekofennischer Gesteine.
Die metamorphen Gesteine um Västervik werden von den granitoiden Gesteinen des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TMG bzw. TIB)* umgeben. Letztere haben dort zumeist ein Alter zwischen etwa 1850 und 1800 Millionen Jahren.
Auf der Karte hier unterhalb ist das Gebiet mit hellblauer Signatur gekennzeichnet.
 

 
(Weitere geologische Karten hier)
  
Vor etwa 1882 -1850 Millionen wurden in einem ausgedehnten Flußdelta große Mengen an Sedimenten abgelagert. Sie bestanden überwiegend aus Quarzsand, dazwischen wurden tonhaltige Partien sedimentiert.
Der größte Teil des Materials wurde aus nördlicher Richtung (heutige Sicht) durch Flüsse transportiert. Ein kleiner Teil wurde in marinen Gezeitengewässern aus südlicher Richtung geliefert. Aus diesen Befunden wurde geschlossen, daß die damalige Landschaft ein Flußdelta umfaßte, das in ein flaches Meer mündete.
Der gesamte Kontinent, der damals deutlicher kleiner war als der heutige Baltische Schild, lag auf etwa 20° nördlicher Breite und überquerte in der nachfolgenden Milliarde Jahre den Globus bis auf 60° südliche Breite um danach wieder nach auf die nördliche Halbkugel zu wandern.
 
Die Einzelheiten der Sedimentationsbedingungen sind bekannt, weil der Västervik-Quarzit heute noch an einigen Stellen ungestörte Ablagerungspuren zeigt. Es finden sich im Quarzit Kreuzschichtungen ebenso wie Wellenrippeln, die in flachen Küstengewässern gebildet wurden.
Diese Wellenrippeln sind an der Straße von Västervik nach Gamleby aufgeschlossen:
   


Diese Rippelmarken sind ein beeindruckendes geologisches Zeugnis.
Mit etwa 1,9 Milliarden Jahren ist dieses Gestein knapp halb so alt wie unser Planet und
mehr als dreimal so alt wie alles Leben, das größer als ein Einzeller ist.
  


Zur Altersbestimmung wurden Gesteinsproben genommen und die darin enthaltenen Zirkone ausgewertet. Die Untersuchung dieser Kristalle ergab mehrere Gruppen von Gesteinsaltern.
Die meisten Zirkone (65 %) hatten ein Alter von 2,12 - 1,88 Milliarden Jahren (Ga). Eine zweite Gruppe (30 %) zeigte Alter von 2,97 - 2,60 Ga. Einzelne Zirkone kamen darüber hinaus auf Alter
von 3,32 und 3,44 Ga.
Bereits in der jüngsten Gruppe sind also Zirkone vertreten, die älter als die heute ältesten svekofennischen Gesteine (1,9 Ga) sind. Daraus ergibt sich der Schluß, daß von den Gesteinen, die den Verwitterungsschutt für die Sedimentation lieferten, nichts mehr auf dem Baltischen Schild vorhanden ist oder diese Gesteine nochmals bis zur Unkenntlichkeit metamorphisiert wurden.
 
Die abgelagerten Sedimente (Sand und eingeschaltete tonige Partien) gerieten bald darauf selbst in die svekofennische Gebirgsbildung. Unter mäßigem Druck aber bei hohen Temperaturen bildeten sich aus den sandigen Ablagerungen der Quarzit und aus den sandig-tonigen Schichten das Västervik-Fleckengestein.
Die geologische Rahmen, in den sich dieser Prozeß einfügt, wird als eine nordostwärts gerichtete Subduktion interpretiert.
  
Die svekofennische Gebirgsbildung bestand aus etlichen Etappen, in denen nacheinander mehrere Platten subduziert bzw. an das südwestwärts wachsende Grundgebirge des (heutigen) Baltischen Schildes angeschweißt wurden.
Es gibt die Vermutung, daß ein an der Gebirgsbildung im fraglichen Gebiet beteiligtes Krustenstück heute noch zu identifizieren ist. Gemeint ist das Oskarshamn - Jönköping - Gebiet (OJG, engl. OJB*, siehe Karte oben), das sich etwa 50 km südwestlich von Västervik quer durch Småland zieht.
 

Die Daten zu diesem Text stammen aus:
Lena Sultan, Stefan Claesson, Piret Plink-Björklund:
Proterozoic and Archaen ages of detrital zircon from the Palaeoproterozoic Västervik Basin, SE Sweden: Implications for provenance and timing of deposition.
GFF, volume127 (2005), pp. 17- 24.


* TIB - Transscandinavian Igneous Belt
* OJB - Oskarshamn - Jönköping - Belt