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Jotnischer* Sandstein:
*Erläuterung unten

Sandstein mit Entfärbungsflecken wird gelegentlich als Dalarna-Sandstein bezeichnet.
Ich halte die Zuordnung solcher Sandsteine mit den hellen Flecken zu einer bestimmten Region in Schweden für problematisch.
Rote und violette Sandsteine mit Entfärbungsflecken kommen auch weit entfernt von Dalarna vor. Auf den Åland-Inseln habe ich im Geschiebe mehrfach gleiche Gesteine gefunden und ebenso in Finnland (auf dem Festland).
An der finnischen Westküste bei Pori steht in einem ausgedehnten Gebiet jotnischer Sandstein an. Siehe dazu auch die Karte ganz unten.
Trotz der großen Ausdehnung des Sandsteins dort sind Aufschlüsse selten.
An der Küste bei Reposaari gibt es aber einen Strandabschnitt, der zu großen Teilen aus Sandstein besteht. Da sieht es so aus:
 
Jotnischer Sandstein bei Reposaari, Finnland
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Im Vordergrund liegen mehrere Stücke mit Entfärbungsflecken.
Das schwärzliche Gestein in der Bildmitte ist ein Diabas mit Gletscherschliff.. Auch nördlich dieser Stelle, also im Rücken des Betrachters, steht ein großer Diabasgang an, dessen Stücke über den ganzen Strand verteilt sind. Diese Diabase (alle vom Typ Åsby) sind jünger, also postjotnisch und durchschlagen den Sandstein.
Auf dem nächsten Bild sieht man die Sandsteine mit den Entfärbungsflecken mehr aus der Nähe, dazu wieder einige Diabasgerölle.
Während im ersten Bild die violetten Farbtöne überwiegen, ist hier, insbesondere in der Großaufnahme, auch ein heller, gelbbrauner Typ zu sehen.
Die Körnung der Sandsteine am Strand dort ist abwechslungsreich, die Gefüge sehr unterschiedlich.
Es gibt feinkörnige Formen, gemischte Stücke mit feinen und groben Schichten und so grobe Typen, daß man sie fast als Konglomerat bezeichnen könnte. Auch finden sich Feldspatbruchstücke im Sandstein. Gelegentlich sind es so viele, daß man das Gestein als Arkose ansprechen kann.
Gemeinsames Kennzeichen der dortigen Sandsteine ist nur der überwiegend violette Farbton.
Die Sandsteinplatten auf dem Bild lagen noch im ursprünglichen Verband und waren nur schlecht voneinander zu lösen. Es dürfte sich hier um das angewitterte Anstehende handeln.
Um sicher zu gehen, hätte man den Strand aufgraben müssen, was nicht ging. Die Gegend ist dicht besiedelt.

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Der nächste Sandstein ist ein echtes Bottenmeergeschiebe. Er liegt auf der Nordseite der Insel Sandö / Åland. (Bezogen auf die Bilder oben etwa 180 Km südsüdwestlich.)
Sandö liegt in der Gemeinde Vårdö, nordöstlich der Hauptinsel und ziemlich in der Mitte des gesamten Plutons von Åland.
Man findet auf Åland reichlich Sandsteingeschiebe, die aus der nördlich gelegenen Bottensee stammen.
Der Sandstein der Bottensee ist Teil eines großen Sedimentgürtels, der sich vom schwedischen Festland durch die Bottensee bis zur finnischen Küste bei Pori und dort noch etliche Kilometer landeinwärts erstreckt.
Alle hier abgebildeten Sandsteine stammen aus diesem Gebiet.
Allerdings ist regional der vorherrschende Farbton unterschiedlich: Auf Åland sind die Sandsteine oft von einem warmen Gelb, manchmal fast Orange bis hin zum Rotbraun und Braun. Violett, wie oben bei Pori, ist eher selten. Die Entfärbungsflecken sind auch hier zu finden.

Sandstein mit Entfärbungsflecken als Geschiebe
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Auch wenn diese weit auseinander liegenden Vorkommen die Eignung als Leitgeschiebe verhindern, so handelt es sich doch um ein beachtenswertes skandinavisches Gestein. Diese Sandsteine haben ein enorm hohes Alter: Mehr als 1300 Millionen Jahre.
Das Material, aus dem dieser Sandstein gebildet wurde, entstand bei der Verwitterung der Gebirge, die während der svekofennischen Gebirgsbildung aufgefaltet wurden (vor ca. 1,8-1,7 Milliarden Jahren).
Die tiefliegenden Partien dieses Gebirges bilden heute die Landoberfläche in weiten Teilen Mittel- und Nordschwedens sowie Finnlands: Die Erosion hat seit dem mehrere Kilometer (!) Gestein abgetragen.
Der Sand, der damals bei der Verwitterung von Gestein übrigblieb und flächig abgelagert wurde, „sah" eine Welt aus purem Gestein und Wasser. Keine Pflanzen, keine Tiere, nichts außer nacktem Gestein und Atmosphäre. In den Ozeanen gab es allerprimitivste Ein- oder Mehrzeller. Nichts, daß ein Besucher beachtenswert gefunden hätte. Die ersten kleineren Meeresbewohner, die man als Tiere ansprechen könnte, lagen damals noch 700 Millionen Jahre in der Zukunft, die allerersten primitiven Landpflanzen waren noch 900 Millionen Jahre weit entfernt.
Eine kleine Auswahl der Farben, die diese Sandsteine haben, sehen Sie auf dem Bild unterhalb. Alle Stücke sind Geschiebe aus der Bottensee, das Foto habe ich auf Åland gemacht. Die glazialen Ablagerungen dort enthalten so viele Sandsteine, daß diese sehr verschieden gefärbten Stücke im Umkreis von wenigen Metern zu finden waren.
Oben liegt ein fast weißer Sandstein, in der Mitte ein großer violetter. Weiter sieht man kontrastreich gestreifte und orangerote Exemplare (unten). Dunkelbraun ist ebenso dabei.
Links angeschnitten ein Prick-Granit.

jotnische Sandsteine auf Aland
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* Zum Begriff "jotnisch": Das Jotnium ist ein Abschnitt im mittleren Proterozoikum (Riphäikum), die vor etwa 1,4 Ga beginnt und bis etwa 1,3 Ga dauert. Die Angaben in der Literatur schwanken.
"Jotnisch" wird auch im Sinne eines vorher/nachher gebraucht, ohne dabei Zeitspannen zu bezeichnen. Kennzeichnend für das Jotnium im angesprochenen Gebiet ist eine ausgedehnte Sedimentation als Folge der Abtragung des (der) svekofennischen Gebirge(s).
Die Sandsteine in der Bottensee und im Raum Pori erreichen mehrere hundert und stellenweise um tausend Meter Mächtigkeit.
Die Intrusion von Basalten (Diabasgänge) leitet über zur nächsten Epoche, dem Postjotnium.
Die bekannten finnischen Rapakiwis entstanden direkt vor dem Jotnium ("subjotnisch").

Unten:
Geschiebe von Fehmarn mit Entfärbungsflecken.
Die Flecken sollen das Resultat einer Einlagerung radioaktiver Partikel sein, die zur Bleichung des umgebenden Materials führten.

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Jotnischer Sandstein in Westfinnland:

Auf der geologischen Karte rechts unterhalb sehen Sie das Gebiet des jotnischen Sandsteins an der finnischen Westküste bei Pori (violette Signatur).

Die Bilder von anstehenden Gestein am Strand (oben auf dieser Seite) sind am Nordrand bei Reposaari aufgenommen.
Die ausgedehnte Fläche von Pori bis zum Pyhäjärvi bietet augenscheinlich keinerlei Aufschlüsse. Die Gegend ist bretteben und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Lage des Kartenausschnittes:.

Karte des jotnischen Sandsteins in Finnland


Beim Durchfahren des Rapakiwis von Laitila ist mir der Kontakt von Rapakiwi zum Sandstein aufgefallen. Der Granit ist deutlich härter und ragt als langgestreckte Kante entlang des Sandsteines aus dem Boden. Der Verlauf der Grenze zwischen den beiden Gesteinen ist in der Landschaft sehr gut zu erkennen. 
Blick nach Westen: Im Vordergrund ist der Sandstein (bedeckt), der rötliche Rapakiwi steht im Hintergrund.
Kontakt von Rapakiwi und Sandstein bei Eura
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