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Rochlitzer Porphyr

Rochlitzer Porphyr findet man in Städten.
Er wird seit Jahrhunderten als Baustein verwendet und ist auch außerhalb von Sachsen und Thüringen verbreitet. Man erkennt das Gestein leicht an seiner graurötlichen bis orangerötlichen Farbe und den hellen, unregelmäßigen Streifen darin.
Das Gestein wird am Rochlitzer Berg im westlichen Sachsen abgebaut.

Rochlitzer Porphyr
Bild 1: Rochlitzer Porphyr in Hamburg am Bahnhof Ohlsdorf
Bild 2: Rochlitzer Porphyr als Fassadenverkleidung in Altenburg/Thüringen

Entstehung

Rochlitzer Porphyr ist eine vulkanische Ablagerung, die sich vor 296 - 294 Millionen Jahren im Zuge einer ganzen Serie von Vulkanausbrüchen bildete. Damals war Deutschland Teil des großen Kontinents Pangäa und lag knapp nördlich vom Äquator. Das Zeitalter des Karbon war gerade zu Ende und das Perm begann mit heftigem Vulkanismus. Gesteine aus dieser Zeit gibt es nicht nur in Sachsen, sondern auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt, im Saar-Nahe-Gebiet und in Südnorwegen.

Der Rochlitzer Porphyr besteht aus einer feinkörnigen Grundmasse mit zwei Sorten Feldspat und Quarz als Einsprenglinge. Seine Zusammensetzung entspricht der eines Granits, aber da es ein vulkanisches Gestein ist, wird es als „Rhyolith“ bezeichnet. Zu den Einsprenglingen kommen noch die „Fiamme“. Das sind kurze, oft wellige Einschlüsse, die als heiße, weiche und formbare Lavafetzen zusammen mit der Asche, den Feldspäten und Quarzen abgelagert wurden.

Rochlitzer Porphyr
Bild 3: Fiamme im Rochlitzer Porphyr
(unbeschriftetes Bild)

Die Fiamme belegen, dass der Porphyr die Ablagerung eines „pyroklastischen Stroms“ ist. So nennt man gasreiche, heiße Aschewolken, die an den Hängen von Vulkanen abgehen. Ihre Ablagerung heißen „Ignimbrit“. Man erkennt sie an den flach gedrückten Lavafetzen, den Fiamme. (Das trifft nur auf einige, nicht auf alle Ignimbrite zu.)

Rochlitzer Porphyr
Bild 4: Fiamme, Quarze und reichlich Einsprenglinge
(unbeschriftetes Bild)

Dass die Lava zäh und der Vulkan explosiv gewesen sein muss, zeigt schon der Quarz. Jedes Gestein mit so viel Quarz ist als Magma bzw. Lava überaus zähflüssig. Quarzreiche Schmelzen bewegen sich kaum und verstopfen regelmäßig den Aufstiegskanal im Vulkan. Wenn dann der Druck zu groß wird, explodiert er und das Magma wird in kleinste Partikel zerrissen. Diese „Asche“ wird in der unmittelbaren Umgebung des Vulkans abgelagert. Jeder pyroklastische Strom erzeugt eine neue Schicht, aus der nach und nach eine Hunderte Meter dicke Ablagerung entstehen kann – wie hier beim Rochlitzer Porphyr.

Rochlitzer Porphyr
Bild 5: Rochlitzer Porphyr

Zwischen den Feldspäten und den Quarzen gibt es viele kleine Hohlräume, die durch die Entgasung der Lava nach der Ablagerung entstanden. Einige der Löcher sind auch dem Zerfall der Feldspäte geschuldet, was durch überhitztes Wasser und CO2 verursacht wurde.

Rochlitzer Porphyr
Bild 6: Grundmasse mit Quarz und zersetzten Feldspäten
(unbeschriftetes Bild)

Die Zersetzung eines Gesteins durch aggressive Flüssigkeiten wird „Alteration“ genannt. Sie fand hier direkt nach der Eruption in der noch heißen Ablagerung statt. Dabei zirkulierten die Flüssigkeiten vor allem in Spalten und Rissen und bleichten den umgebenden Stein aus. So bildeten sich die hellen Streifen. Es sind ehemalige Risse, von denen aus heiße Flüssigkeiten den umgebenden Stein entfärbten.

Rochlitzer Porphyr
Bild 7: Rochlitzer Porphyr im Steinbruch mit Hammer als Maßstab

Bei der Alteration wurde auch fein verteilter Quarz ausgeschieden. Er wirkt als Zement und macht den Rochlitzer Porphyr hart genug, um ihn als Baustein nutzen zu können.

Rochlitzer Porphyr
Bild 8: Verfärbung beiderseits eines Risses

Der größte Teil des Rochlitzer Porphyrs hat ein fast gleichkörniges Gefüge mit unauffälligen Feldspäten und ist insofern kein typischer Porphyr. Porphyre zeichnen sich durch einen deutlichen Größenunterschied zwischen den Einsprenglingen (Feldspäte, Quarze) und der Grundmasse aus.

Ausgeprägt porphyrische Gefüge kann man hin und wieder auch am Rochlitzer Berg finden, aber eher selten. Die Bilder 9-12 zeigen zwei Handstücke des Rochlitzer Porphyrs mit vielen Feldspäten und Quarz.

Rochlitzer Porphyr
Bild 9: Rochlitzer Porphyr mit vielen Feldspateinsprenglingen
Rochlitzer Porphyr
Bild 10: Die hellen Minerale sind Feldspäte,
die glasglänzenden Einsprenglinge sind Quarze

Diese Handstücke entsprechen dem, was man bei „Porphyr“ erwartet: Feldspäte, die sich von der feinkörnigen Grundmasse abheben.

Rochlitzer Porphyr
Bild 11: Auch diese Probe enthält viel mehr Feldspäte
als die meisten Rochlitzer Porphyre

Auch diese Feldspäte sind zersetzt und zeigen im frischen Bruch keine Spaltflächen.

Rochlitzer Porphyr
Bild 12: Neben den dunklen Quarzen (Glasglanz) erkennt man
zwei verschieden gefärbte Feldspäte

Ab und zu stecken im Porphyr auch Einschlüsse von Fremdgesteinen. Es sind Bruchstücke aus dem tiefen Untergrund, die von der aufsteigenden Lava mitgerissen wurden.

Rochlitzer Porphyr
Bild 13: Gesteinsbruchstück im Porphyr

Diese Einschlüsse sind nur einige Zentimeter groß, feinkörnig und fast immer dunkelbraun. Sie sind stark zersetzt, sodass es ohne genaue Untersuchung nicht möglich ist, den Gesteinstyp zu erkennen.

Rochlitzer Porphyr
Bild 14: Links die Grundmasse, rechts der Einschluss

Der als Baustein benutzte Porphyr enthält wenig dieser Einschlüsse, aber wer aufmerksam ist, wird sie früher oder später finden. Ein schönes Beispiel ist der Eingang zum Turmmuseum im sächsischen Geyer. Dieser Rochlitzer Porphyr steckt voller dunkelbrauner Fragmente.

Rochlitzer Porphyr
Bild 15: So viele Gesteinseinschlüsse sind
im Rochlitzer Porphyr selten (Geyer)

Der typische Rochlitzer Porphyr sieht massig aus und fällt vor allem durch sein helles Rissmuster im rötlichen Stein auf. (Bilder 16-18)

Rochlitzer Porphyr
Bild 16: Typischer Rochlitzer Porphyr als Verblendung
an einer Brücke in Kohren-Salis

In Hamburg:

Rochlitzer Porphyr
Bild 17: Brückenbau in Hamburg Ohlsdorf
an der Alsterdorfer Straße Ecke Sommerkamp

Ebenfalls Hamburg:

Rochlitzer Porphyr
Bild 18: Die U-Bahnbrücke an der Hamburger Sierichstraße
besteht aus Rochlitzer Porphyr und hellen Ziegeln


Wer in Sachsen unterwegs ist, sollte den Rochlitzer Berg besuchen. Dort kann man die alten Steinbrüche besichtigen und sich auf dem Porphyrlehrpfad über den Abbau informieren. Auch Kletterfreunde kommen auf ihre Kosten.

 Aus der Ferne sieht der Rochlitzer Berg wenig eindrucksvoll aus
Bild 19: Der Rochlitzer Berg ist eine bewaldete flache Kuppe

Am Rochlitzer Berg gibt es alte und neue Steinbrüche.

Aktueller Abbau
Bild 20: Neuer Steinbruch (nicht zugänglich)
Rochlitzer Porphyr
Bild 21: Der 60 m tiefe Gleisbergbruch ist eindrucksvoll
Gleisbergbruch im Rochlitzer Porphyr
Bild 22: Panorama des Gleisbergbruchs

Vor allem der Gleisbergbruch lohnt einen Besuch. Hier hat man sich über Jahrzehnte in die Tiefe vorgearbeitet, was man an den Jahreszahlen (links in der Wand) ablesen kann. Die horizontalen Streifen sind Spuren der Werkzeuge, mit denen man den Stein von Hand ausgehauen hat.

Der benachbarte Haberkornsche Bruch ist älter und auch hier sieht man überall die Spuren früherer Handarbeit.

Etwa in der Mitte des Haberkornschen Bruchs findet man an der östlichen Wand ein Netz aus herausgewitterten Rissen. Es sind die gleichen Klüfte, die sonst hell gefärbt sind. Hier aber sind sie so hart mineralisiert, dass sie als erhabenes Kluftmuster herauswittern konnten.

Rochlitzer Porphyr
Bild 23: Erhabene Klüftung, Haberkornscher Bruch

Und dann gibt es noch die sogenannten Einsiedelei. Wohl eher nichts für Rheumatiker.

Rochlitzer Porphyr
Bild 24: Einsiedelei am Rochlitzer Berg

Gegenüber vom Rochlitzer Berg hat der Betreiber des Steinbruchs seinen Betrieb. Wer einen Grabstein sucht oder für den Garten eine Skulptur aus Rochlitzer Porphyr, der ist hier richtig: www.porphyr-rochlitz.de.

Rochlitzer Porphyr
Bild 25: Rochlitzer Porphyr als Wekstein - gegenüber vom Rochlitzer Berg

 

Links:

"Der Rochlitzer Supervulkan", Sächsisches Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Heft 9/2020:
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/35682/documents/55415

Geopark Porphyrland: https://www.geopark-porphyrland.de/geopark/supervulkane/

Rochlitzer Geschichtsverein: http://www.rochlitzer-geschichtsverein.de/?page_id=1056
oder: http://rochlitzer-geschichtsverein.de/?page_id=1058

 

Literatur:

FRISCH W, MESCHEDE M. 2013: Plattentektonik, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 5. Auflage

LE MAITRE RW (Hrsg.), STRECKEISEN A, et al: 2004 Igneous rocks: a classification and glossary of terms, Cambridge University Press

MARESCH, SCHERTL, MEDENBACH 2014: Gesteine. 2. Auflage, Schweizerbart Stuttgart

MURAWSKI H, MEYER W: Geologisches Wörterbuch, 10. Auflage, Enke-Verlag 1998

TRÖGER, W. Ehrenreich: Spezielle Petrographie der Eruptivgesteine
Nachdruck durch den Verlag der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, 1969

VINX, R. 2015: Gesteinsbestimmung im Gelände. 4. Auflage, Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg

Die Deutschlandkarte ist eine eigene Bearbeitung der Datei:
„germany location map.svg“ aus Wikipedia,
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Germany_location_map.svg
Autor: NordNordWest, CC-BY-SA 3.0

 

Matthias Bräunlich, Juli 2022

 

Druckfassung (PDF)

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