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Åland-Quarzporphyre


Zusammenfassung     english summary

Lagekarte

Diese Porphyre sind überwiegend rötlich-braun, haben eine feinkörnige bis dichte Grundmasse und enthalten viele Feldspäte sowie viele gerundete Quarze. Die Feldspäte sind kleiner als 1 cm, blass rötlich oder gelblich-hellbraun und von kantiger oder rundlicher Gestalt.
Die Quarze messen um 2-3 mm, selten bis 5 mm und sind meist grau. Alle Quarze haben eingebuchtete Ränder als Folge magmatischer Korrosion. [1]

typischer Aland-Quarzporphyr mit kleinen Einsprenglingen
Bild 1: Typischer Åland-Quarzporphyr mit kleinen Einsprenglingen
als geschnittene Probe von der Insel Bogskär


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Eigenschaften

Das typische Aussehen dieser Quarzporphyre zeigen die Bilder 1-11 und 22. Einige der Proben stammen aus dem Quarzporphyrgang von Hammarudda, der aus diesen Porphyren hier und dem grobkörnigen Hammarudda-Typ besteht. Andere kommen von Inseln im Westen Ålands sowie aus einem der kleinen Vorkommen auf der Hauptinsel.

In der Nahaufnahme (Bild 2) erkennt man viele zerbrochene Feldspäte, die alle kleiner als 1 cm sind. Einige sind rundlich, kaum ein Feldspat hat seine eigene Kristallform.

Aland quartz porphyry
Bild 2: Ausschnitt des Quarzporphyrs von Bogskär (Åland):
Helle Feldspäte und graue Quarze in einer feinkörnigen Grundmasse.

In der zweiten Probe sind Feldspäte und Quarze gerundet. Letztere zeigen die typischen Korrosionsspuren, also aufgelöste und gefurchte Ränder.
Die Grundmasse der Quarzporphyre ist dicht und lässt keine Einzelheiten erkennen.

Aland-Quarzporphyr
Bild 3: Hier gibt es weniger Feldspäte, die dafür
kaum zerbrochen sind. Insel Storbroskär
phenocrysts in quartz porphyry
Bild 4: Ausschnitt daraus
(Bild ohne Beschriftung)

In den nächsten beiden Proben sind die Feldspäte geringfügig größer. Auch diese Handstücke stammen aus dem großen Quarzporphyrgang südlich von Hammarudda.

Aland-Quarzporphyr von Rankgarden
Bild 5: Porphyr von Rankgarden (polierter Schnitt)
Detail Aland-Quarzporphyr von Rankgarden
Bild 6: kantige und runde Feldspäte, korrodierte Quarze

Ganz ähnlich, aber mit etwas größeren Feldspäten, sieht der Porphyr von der Nachbarinsel Käringklubb aus (Bild 7). Er ähnelt schon ein wenig dem benachbarten Hammarudda-Quarzporphyr.

Quarzporphyr
Bild 7: Der Quarzporphyr von Käringklubb im Schnitt.
Aland quartz porphyry
Bild 8: Hier sind fast alle Feldspäte kantengerundet.

Einige Quarzporphyre enthalten kaum Feldspäte und bestehen fast nur aus roter Grundmasse mit grauen Quarzen. Solche Gefüge sind selten, auf Åland ebenso wie als Geschiebe.

Porphyr mit viel Quarz als Einsprengling
Bild 9: In diesem Quarzporphyr von Bogskär dominiert
Quarz als Einsprengling. (Das Bild zeigt eine nasse Bruchfläche)

Neben den häufigen rötlichen Formen findet man vereinzelt auch gelbliche und hellbraune Exemplare. Sie bilden aber nur eine kleine Minderheit unter Ålands Porphyren.

gelblichbrauner Quarzporphyr
Bild 10: Dieser hellbraune Quarzporphyr kommt von der Insel
Långviksbådarna im westlichen Porphyrgebiet.
gelblichbrauner Quarzporphyr
Bild 11: Ausschnitt

Manche dieser Porphyre enthalten Magnetit in der Grundmasse. Testet man sie mit einem kräftigen Magneten, bleibt der auch an senkrechten Flächen haften.

hellbraune Variante
Bild 12: hellbrauner Porphyr mit Magnetit
Nahaufnahme
Bild 13: Das braunrote Mineral ist Plagioklas.

Der folgende Quarzporphyr ist mehr gelblich:

Eine ungewöhnliche Färbung für einen Aland-Quarzporphyr.
Bild 14: Quarzporphyr von Käringklubb.
Quarzporphyr mit Magnetit
Bild 15: Auch hier ist Magnetit enthalten.
(Der silberne Würfel ist ein Magnet.)

Dunkle Porphyre

Neben all den rötlichen und vereinzelt gelbbraunen Porphyren gibt es im Westen Ålands eine eigenständige Gruppe dunkelgrauer Porphyre. Sie zeichnen sich durch ein grünlichgraue, gelegentlich braungelbliche und leicht körnige Grundmasse aus. Darin stecken viele blass gelblichbraune bis grünliche Feldspäte.
Die Quarze dieser Porphyre sind teils weißlichgrau, teils dunkel.
Insgesamt erscheinen diese Gesteine auffällig dunkel und erinnern in keiner Weise an ihre rötlichen Nachbarn. In der Literatur fehlen sie völlig. (Das ist nicht überraschend, denn die Inseln dort wurden bisher nicht beschrieben.)

grey Aland quartz porphyry
Bild 16: grauer Porphyr von Tödding
grauer Porphyr von Aland
Bild 17: Diese Grundmasse ist schon leicht körnig und
der Porphyr im Übergang zum Granitporphyr.

Solche grauen bis grünlichen Porphyre fanden wir anstehend auf den Inseln Tödding und Torskklobben. Beide Inseln liegen einige Kilometer voneinander entfernt, mit der Insel Glasskär dazwischen. Die grauen Porphyre bilden unter Wasser sicher keine geschlossene Fläche von Tödding bis Torskklobben, denn auf Glasskär ist alles Gestein rotbraun.

Quarzporphyr
Bild 18: dunkler Porphyr von Torskklobben

Da wir diese Gesteine auch als Nahgeschiebe auf Södra Västerskär fanden, ist sicher, dass es noch weitere Vorkommen nördlich davon gibt.

Nagheschiebe von Aland
Bild 19: Nahgeschiebe auf Södra Västerskär

 

Quarzporphyre der Hauptinsel

Auch auf der Hauptinsel Ålands („Fasta Åland“) gibt es rotbraune Quarzporphyre mit kleinen Einsprenglingen. Diese Vorkommen sind aber viel zu klein, um als Quelle für Geschiebe eine nennenswerte Rolle zu spielen. Eines dieser Vorkommen befindet sich beim Ort Gölby, etwa 7 km nördlich vom nördlichen Stadtrand Mariehamns entfernt. Dieser Porphyr ist besonders reich an Einsprenglingen.

Der Quarzporphyr von Gölby, Aland.
Bild 20: Quarzporphyr von Gölby
viele Einsprenglinge
Bild 21: viele Feldspäte, viele Quarze

 

Gefügewechsel im Gelände

Das Aussehen der Gesteine ändert sich ständig und oft auch auf ganz kurze Entfernung. Die beiden folgenden Proben waren im Gelände direkte Nachbarn.

Quarzporphyr
Bild 22: Ein typischer Åland-Quarzporphyr.
Porphyr
Bild 23: Das gleiche Gestein wenige Meter weiter.

Obwohl beide Handstücke nur wenige Meter voneinander entfernt geschlagen wurden, hat nur der Porphyr im Bild 22 das für Åland typische Aussehen. Seinem Nachbarn dagegen fehlen diese Kennzeichen. Fände man das Gestein vom Bild 23 als Geschiebe, so reichten die Quarze und die paar Feldspäte nicht aus, um ihm Heimat zu geben. So ein Porphyr kann von überall her stammen und ist definitiv kein Leitgeschiebe.

 

Leitgeschiebe

Nach gründlichen Vergleichen erscheinen die rötlichen Gefüge mit vielen gerundeten Feldspäten und vielen gerundeten Quarzen (Bilder 1-11 und 22) als Leitgeschiebe für Åland geeignet.

Quarzporphyre wie in den Bildern 14,15 und 16-19 sind interessante Kandidaten, deren Status aber noch nicht geklärt ist. Das gilt auch für den Porphyr im Bild 20, 21. Doppelgänger aus anderen Gegenden sind möglich, auch wenn mir auf diversen Exkursionen bislang noch keiner begegnet ist.
Findet man südlich der Ostsee ein Geschiebe, das wie ein typischer Åland-Quarzporphyr aussieht, sollte man auch die anderen Geschiebe am Fundort prüfen. Åland-Porphyre werden immer von Åland-Rapakiwis oder Ringquarzporphyren begleitet.

 

Ähnliche Quarzporphyre aus Schweden

Zur Illustration, wie ähnlich Quarzporphyre aus anderen Regionen aussehen, noch vier Beispiele aus Schweden.

Quarzporphyr aus Dalarna
Bild 24: Quarzporphyr aus Dalarna
Quarzporphyr
Bild 25: Quarzporphyr aus Dalarna

Die beiden Porphyre aus Dalarna sind Nahgeschiebe aus einer Kiesgrube wenige Kilometer südlich vom Siljansee in Mittelschweden. Beide stammen mit großer Sicherheit aus dem nordwestlich vom Siljansee gelegenen Vulkanitgebiet.

Ganz ähnlich sehen die folgenden beiden Quarzporphyre aus. Auch sie sind Nahgeschiebe, die jeweils als lose Steine auf dem Anstehenden im Ragundagebiet und auf Rödö gefunden wurden.

Ragunda-Quarzporphyr
Bild 26: Quarzporphyr von Ragunda
Rödö-Quarzporphyr
Bild 27: Quarzporphyr von Rödö

Vergleicht man diese Porphyre mit denen von Åland, so gibt es mehrfach Unterschiede bei den Quarzen. Aber auch dann, wenn solche Porphyre denen von Åland sehr ähneln, gibt es einen wichtigen Unterschied: die Größe der Vorkommen. Die vier Quarzporphyre aus Schweden stammen aus schmalen Gängen bzw. winzig kleinen Vorkommen. Sie sind so selten, dass man schon im Herkunftsgebiet intensiv suchen muss, um sie überhaupt zu finden.
Die Åland-Quarzporphyre bemessen sich dagegen nach Quadratkilometern und Geschiebe sind um mehrere Größenordnungen häufiger.

Natürlich ist keiner dieser vier schwedischen Quarzporphyre ein Leitgeschiebe – eben weil die Vorkommen zu klein sind. (Mehr dazu im Text über Leitgeschiebe.)

 

Herkunftsgebiete auf Åland

1. Der Quarzporphyrgang von Hammarudda:

Karte
Bild 28: Quarzporphyrgang von Hammarudda.

Porphyre mit kleinen Einsprenglingen kommen an vielen Stellen innerhalb dieses Ganges vor. Sie wechseln sich mit dem grobkörnigeren Hammarudda-Quarzporphyr ab.

 

2. Das Seegebiet im Westen von Åland (Signilskjärsfjärden)

Karte
Bild 29: Signilskjärsfjärden

Im Gebiet von Signilskjärsfjärden gibt es Quarzporphyre mit kleinen Einsprenglingen nur auf einigen Inseln, die hier blau beschriftet sind. Ansonsten dominieren die Ringquarzporphyre.

 

 

[1] Magmatische Korrosion: Damit bezeichnet man die erneute Anschmelzung bereits entwickelter Kristalle. Auslöser ist ein schneller Aufstieg des heißen Magmas. Dabei sinkt der Umgebungsdruck, was eine erneute Schmelzbildung auslöst und damit die Auflösung der Quarze und Feldspäte. Diese Anschmelzung beginnt auf der Außenseite. Die Minerale werden dabei rundlich und es bilden sich Löcher, die beim Quarz durch eindringende Schmelze gefüllt werden.
(zurück zur Textstelle)


Literatur

Grundlage für die beiden Karten (Signilskärsfärden und Hammarudda) war die Grundgebirgskarte der finnischen Geologen im Netz: www.gtkdata.gtk.fi/maankamara
Außerdem die Ålandkarte: Pre-Quaternary Rocks, Blatt 1012, Mariehamn,
1:100 000, GTK, 1979

Herkunft der Proben

Alle hier gezeigten Proben stammen von Åland. (Abgesehen von den vier schwedischen Quarzporphyren.) Die Koordinaten der Probenorte bzw. der Inseln mit den beschriebenen Vorkommen sind (WGS84): 

Hauptinsel („Fasta Åland“), Quarzporphyr von Gölby:
N60.19622, E19.93811 

Hammarudda: N60.09070, E19.76758 

Die Inseln südlich von Hammarudda:
Flatskärshällen: N60.09070, E19.76758
Bogskär: N60.087665, E19.784555
Storbroskär: N60.088904, E19.798274
Käringklubb: N60.083888, E19.795447
Manskär: N60.086007, E19.820316
Pepparn: N60.081702, E19.839392
Rankgården: N60.079767, E19.867754 

Die Inseln im Westen:
namenlose Insel bei Bredvik: N60.18215, E19.51919
Långviksbådarna: N60.19418, 19.51000
Tödding: N60.18505, 19.430117
Glasskär: N60.17955, E19.38894
Torsklobben: N60.16912, E19.34687
Södra Västerskär: N60.17614, E19.32062
Norra Västerskär: N60.18407, 19.31207
Signilskär: N60.19489, E19.34264
Enskär: N60.208117, 19.331817, Nahgeschiebe bei N60.20901, E19.32977

Proben mit dem Hinweis „X. de Jong“ wurden von Xander de Jong und Piet Thijssen besorgt.
Die Handstücke befinden sich heute in der Sammlung des Museums „de Bastei“ in Nimwegen. (Gerard Noodstraat 121, 6511 ST Nijmegen, NL)
Alle anderen Proben sowie alle Fotos: kristallin.de

 

Druckfassung (PDF)

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Summary

Preliminary note: This text deals with the determination of erratics which together with glacial deposits cover the northern part of Central Europe. A few of these erratics are unique and can be attributed to the area of origin - called „Leitgeschiebe“. This text should help to determine such erratics. 

Åland quartz porphyry
Properties: These porphyries are predominantly reddish-brown in colour and have a dense ground mass in which no details can be seen. These porphyries contain many feldspars and many rounded quartzes as phenocrysts. Most feldspars are pale reddish or yellowish light brown and always smaller than 1 cm.
The quartzes measure around 2-3 mm, rarely up to 5 mm and are mostly grey. All quartzes have indented edges and holes reaching into the interior as a result of magmatic corrosion. (This refers to the melting of already developed crystals. The trigger is a rapid rise of hot magma. This causes the ambient pressure to drop, which triggers renewed melting. Therefore the crystals and feldspars dissolve - from the outside. The minerals become roundish in the process and holes are formed, which in the case of quartz were filled by melt).

Figures 1-11 and 22 show the typical appearance of quartz porphyry with small phenocrysts. Some of these porphyries contain magnetite in the ground mass. If you test them with a strong magnet, it will stick to vertical surfaces. (Picture 12-15)

In addition to reddish porphyries, there are also dark grey porphyries in the west of Åland. They have a greenish-grey and slightly grainy ground mass. There are many pale yellowish-brown to greenish feldspars. The quartzes of these porphyries are partly whitish-grey and partly dark.
These rocks appear dark and are in no way reminiscent of their reddish neighbours. They have also not been described yet.
We found such grey to greenish porphyries at the islands Tödding and Torskklobben. Both islands are located a few kilometres apart, with the island of Glasskär in between. The greyish porphyry probably does not form a closed surface under water, because on Glasskär all the rock is reddish brown.
As we found erratics of these dark porphyries also on the island Södra Västerskär, we are sure that there are more deposits.

Åland quartz porphyries can be found on the main island („Fasta Åland“). However, these deposits are much too small to be an important source of erratics. West of Gölby, about 7 km north of the northern outskirts of Mariehamn, one of these porphyries can be found. It is especially rich in phenocrysts. (Picture 20, 21)

The appearance of the rocks changes constantly and often at very short distances. The two samples in Figures 22 and 23 were direct neighbours in the field. Only the porphyry in picture 22 has the typical Åland appearance. Its neighbour on the other hand lacks these characteristics. If the rock in picture 23 was found as an erratic, it would not be possible to tell where it comes from. Such a porphyry can't be used as a "Leitgeschiebe".

After thorough comparisons the reddish texture with many rounded feldspars and many rounded quartzes (pictures 1-11 and 22) seems to be suitable as "Leitgeschiebe" for Åland. Only these can be attributed to Åland if found as erratics.
Quartz porphyry as in pictures 14,15 and 16-19 are interesting candidates. But their status is not clear yet. This is also true for the porphyry in picture 20, 21. Doubles are possible, although I have not met any on various excursions so far.
If you find erratics south of the Baltic Sea, which look like an Åland quartz porphyry, you should always check the other boulders at the site. Åland porphyries are always accompanied by other Åland rocks. (For example Åland Rapakivis or ring quartz porphyry).

Such erratics (Åland quartz porphyries) are more common in northern Germany than similar porphyries from other deposits. However, based on the amount of all boulders, the "common" quartz porphyries of Åland are also rare.

Similar quartz porphyries from Sweden
Quartz porphyries from Sweden can look very similar. The pictures 24-27 show four examples.
If you compare these porphyries with those from Åland, there are differences in the quartz. But even if some like the ones in picture 24 and 26 are very similar to the Åland porphyries, there is an important difference: The size of the deposits. The four porphyries here are dyke rocks or come from tiny deposits. They are so rare that you have to search intensively in the area of origin to find them at all.
Åland quartz porphyries, on the other hand, are measured in square kilometres and erratics are several orders of magnitude more common.

Of course none of these four Swedish quartz porphyries can be used as "Leitgeschiebe" - just simply because the deposits are too small.


 

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