kristallin.de > Gesteine von Aland

Åland-Porphyre mit weißem Quarz


Zusammenfassung     english summary

Lagekarte

Im Seegebiet westlich von Åland gibt es mehrere Vorkommen von Quarz- und Granitporphyren mit weißem Quarz. Die Bestimmung solcher Geschiebe ist anspruchsvoll, denn auf den ersten Blick scheinen alle Quarze an der Oberfläche runder Steine weiß zu sein. Das liegt an den Beschädigungen, die sie durch die Stöße anderer Gesteine erleiden. Dieses scheinbare Weiß ist hier nicht gemeint. Es geht um Porphyre, in denen die Quarze tatsächlich weiß sind, was man nur an geschützt liegenden, unbeschädigten Quarzen erkennen kann.
Diese Porphyre findet man auf Åland als rötliche, braune oder auch graue Gesteine. Es gibt also nicht einen, sondern eine ganze Reihe verschiedener Typen.
Sie wurden bisher nur im Westen Ålands gefunden und eignen sich deshalb sehr gut als Leitgeschiebe. Zandstra [1] beschreibt eine rote Variante als „Skeppsviktyp“.

Aland-Quarzporphyr mit weißem Quarz
Bild 1: Porphyr von der Insel Tödding mit weißen Quarzen. (Schnitt)
Nahgeschiebe
Bild 2: Nahgeschiebe auf Södra Västerskär, ebenfalls mit weißen Quarzen

Alle Bilder dieser Beschreibung in der     
Alle Bilder dieser Beschreibung      

Geländefotos dieser Gesteine in der „Bilderstrecke Åland-Porphyre

 

 

Weiße Quarze

Das Erkennen dieser Porphyre ist anspruchsvoll, weil man unbeschädigte Quarze finden muss. Bild 3 zeigt die übliche Weißfärbung als Folge von oberflächlichen Beschädigungen. Diese ist ausdrücklich nicht gemeint. So ist der Quarz 1 an seinem rechten Rand beschädigt und Nr. 2 auf ganzer Fläche.
Nur der Quarz 3 liegt vertieft und geschützt. Allein an solchen unbeschädigten Exemplaren kann man die tatsächliche Farbe der Quarze erkennen, und da sie hier hellgrau bis transparent sind, gehört dieser Porphyr nicht zur Gruppe mit den weißen Quarzen.

Beispiele für beschädigte Quarze, die weiß aussehen
Bild 3: An der Oberfläche sind fast alle Quarze beschädigt
und sehen deshalb weiß aus. Solche Quarze sind hier nicht gemeint.

 

Tödding

Die Heimat der Porphyre mit weißen Quarzen ist das Seegebiet westlich von Åland („Signilskärsfjärden“). Auf der Insel Tödding gibt es diese Gesteine in einer roten und einer braunen Variante.

Karte
Bild 4: Karte der Porphyre im Westen Ålands.

Im Süden der Insel gibt es Porphyre mit den weißen Quarzen.

Ufergerölle
Bild 5: Ufergerölle im Süden von Tödding
(weitere Bilder von Tödding in der Bilderstrecke)

Um die tatsächliche Färbung der Quarze zu erkennen, sind Schnitte durchs Gestein gut geeignet. Dann sieht man, dass die Quarze nicht einfach weiß, sondern eher streifig gemasert sind.

Schnitt durch einen der braunen Porphyre von Tödding.
Bild 6: Weiße Quarze im Porphyr von der Insel Tödding. (Schnitt)
Nahaufnahme der weißen Quarze
Bild 7: Weiße Quarze in braunroter Grundmasse.

Ein zweites Handstück:

zweiter Porphyr
Bild 8: wiederum Tödding.

Versucht man mit Hilfe der Lupe die Farbe der Quarze zu erkennen, so stören Risse, die sich quer durch die Quarze ziehen, ebenso wie die Korrosionsspuren, die als Löcher und randliche Einbuchtungen mit rötlicher Grundmasse gefüllt sind. Deshalb kann es durchaus mühsam sein, in den Quarzen ein unbeschädigtes Teilstück zu finden. Dabei hilft es, den Stein feucht zu machen - insbesondere auf der Außenseite gerundeter Geschiebe.
Nur auf einer frischen Bruchfläche ist es einfach, die Quarzfärbung zu erkennen.

Damit ein Porphyr zu dieser Gruppe gehört, müssen die großen Quarze richtig weiß aussehen. Ihr Rand kann etwas heller oder transparent sein, ganz so wie bei Nr. 1 und 2 in der Mitte von Bild 9. Eine insgesamt nur schwache Weißfärbung wie bei Nr. 3 und 4 reicht aber nicht aus. Dann müssen noch weitere Quarze mit kräftigem Weiß vorhanden sein.

Granitporphyr
Bild 9: Weiße Quarze in einem Åland-Granitporphyr.

All das gilt nur für Quarz- bzw. Granitporphyre mit den für Åland typischen Merkmalen: Viele kleinere Feldspäte + viele runde Quarze oder große, gerundete Feldspäte + gerundete Quarze (Hammaruddatyp). Dazu kommen bei den Granitporphyren die kleinen Quarze in der Grundmasse.

Neben den braunen Quarzporphyren gibt es auf Tödding auch solche mit kräftig rotem Alkalifeldspat. Sie dürften dem bei Zandstra beschriebenen Geschiebe („Skeppsviktyp“[1]) am nächsten kommen. (Bilder 9-12). Allerdings sind in unseren Proben alle Quarze weiß, nicht bläulich oder hellblaugrau. Da das von Zandstra beschriebene Geschiebe aus der Nähe von Skeppsvik stammt, wird sein Ursprung nördlich davon unter Wasser liegen. (Karte)

roter Porphyr
Bild 10: Roter Quarzporphyr (Tödding)
Detail
Bild 11: Ausschnitt
roter Porphyr
Bild 12: Eine zweite rote Probe von Tödding.

Wiederum der Ausschnitt daraus:

close up of a porphyry from Aland
Bild 13: rote Feldspäte, weiße Quarze

Wie bei den Porphyren Ålands üblich, geht auch auf Tödding ein Teil der Quarzporphyre in Granitporphyre über. In diesem Exemplar hier sind die Alkalifeldspäte heller als die Grundmasse. (Bild 14-15)

Granite porphyry with white quartz
Bild 14: Granitporphyr, Tödding.
Granitporphyr mit weißem Quarz
Bild 15: weiße Quarze mit Korrosionsspuren

Der größte Teil von Tödding jedoch besteht aus einem grauen Porphyr, der trotz seiner Färbung ebenfalls die weißen Quarze enthält. Allerdings fallen sie hier weniger auf.

grauer Porphyr
Bild 16: grauer Granitporphyr, Tödding.

Die transparenten Anteile der Quarze wirken in diesem Gestein deutlich dunkler als in den rötlichen Porphyren. Um die streifige Weißfärbung zu sehen, muss man genau hinsehen.

grauer Granitporphyr von Aland
Bild 17: Auch der graue Porphyr hat weiße Quarze.

Ein praktisch identisches Gestein gibt es auf Torskklobben im Süden. (Karte)

Porphyr auf der Nachbarinsel
Bild 18: grauer Granitporphyr, Insel Torskklobb
Nahaufnahme
Bild 19: Nahaufnahme der nassen Oberfläche

 

Weitere Vorkommen

Es ist sicher, dass es im westlichen Seegebiet noch weitere Vorkommen mit weißen Quarzen gibt. Das zeigen Nahgeschiebe und auch ein Graniteinschluss mit schneeweißem Quarz. Dieser Einschluss befindet sich am Ostufer der Insel Södra Västerskär. (Karte)

Graniteinschluss im Porphyr
Bild 20: Graniteinschluss im Porphyr
Umriss markiert
Bild 21: Die Quarze in diesem Einschluss sind schneeweiß.

Der grobkörnige Granit steckt hier als Einschluss im Ringquarzporphyr. Er gehört ohne Zweifel zum Ålandpluton, ist aber an dieser Stelle fremd, da es ringsum über Kilometer hinweg nur Ringquarzporphyr gibt. Offensichtlich wurde dieses Stück vom Porphyr-Magma mit nach oben transportiert. Ob so ein Granit mit weißen Quarzen noch anderswo an der Oberfläche ansteht und dann auch Geschiebe geliefert hat, wissen wir nicht. Um das herauszufinden, müssten die Inseln gründlich untersucht werden. Aber auch dann wüssten wir noch nichts über die Flächen unter Wasser. Da helfen uns nur die Nahgeschiebe.
Drei davon will ich vorstellen. Zwei stammen vom Ostufer der Insel Södra Västerskär (Bild 22, 23). Solche Nahgeschiebe zeigen Vorkommen an, die immer nördlich vom Fundort liegen, da sich die Gletscher während der letzten Eiszeit dort genau nach Süden bewegten.

Nahgeschiebe
Bild 22: Nahgeschiebe 1
(unbeschriftetes Bild)

Die beiden Geschiebe von Södra Västerskär sehen sich zwar ähnlich, sind aber zwei verschiedene Exemplare. In den Vergrößerungen sieht man, dass auch bei ihnen die äußeren Quarze durch Stöße beschädigt und rissig sind. Aber die etwas geschützt liegenden zeigen, dass sie unabhängig davon wirklich weiß sind.

Quartz porphyry
Bild 23: Nahgeschiebe 2

In der Nahaufnahme unten zeigen die Pfeile auf unbeschädigte Quarze.

detail
Bild 24: Nahgeschiebe 2, Ausschnitt
(unbeschriftetes Bild)

Es gibt auch Ringquarzporphyre mit weißem Quarz. Diesen hier fanden wir als Nahgeschiebe auf Enskär und auch anstehend auf Norra Västerskär (Karte).

Ringquarzporphyr mit weißem Quarz
Bild 25: Ringquarzporphyr mit weißen Quarzen
Nahgeschiebe auf der Insel Enskär.
Ringquarzporphyr
Bild 26: Ringquarzporphyr mit weißen Quarzen,
anstehend auf Norra Västerskär.

Wenn Sie sich die Bilder in der Beschreibung der Ringquarzporphyre aufmerksam ansehen, werden Sie weitere Beispiele finden.

All diese Gesteine sind nicht nur gute Leitgeschiebe für Åland, sondern lassen sich dort recht genau dem Seegebiet westlich der Hauptinsel zuordnen.
Wie gesagt: Bei der Bestimmung von Geschieben ist große Sorgfalt erforderlich, um die nur oberflächlich beschädigten von den wirklich weißen Quarzen zu unterscheiden.

 

Geländefotos dieser Gesteine in der „Bilderstrecke Åland-Porphyre

 

Herkunft der Proben

Die Koordinaten der Fundpunkte auf den Inseln (WGS84):
Tödding: N60.18605 E19.43011
Södra Västerskär mit Granitxenolith: N60.17614 E19.32062
Ringquarzporphyr auf Norra Västerskär: N60.18407 E19.31207
Nahgeschiebe auf Enskär: N60.20901 E19.32977

Proben mit dem Hinweis „X. de Jong“ wurden von Xander de Jong und Piet Thijssen besorgt.
Alle diese Proben stammen direkt von Åland und befinden sich heute in der Sammlung des Museums „de Bastei“ in Nimwegen. (Gerard Noodstraat 121, 6511 ST Nijmegen, NL)
Alle anderen Proben und alle Fotos: kristallin.de

 

Literatur

[1] ZANDSTRA JG: Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten. Leiden, 1999

Daraus die (leicht gekürzte) Beschreibung in der Übersetzung von Hildegard Wilske:
Åland-Quarzporphyr, roter Skeppsviktyp
Fundort: Skeppsvik, Åland, Finnland [...]
Eigenschaften: Sehr viele abgerundete, hellblaugraue Quarzeinsprenglinge und viele bis 1 cm große, rote, eckige Kalifeldspäte in einer mit dem bloßen Auge nicht auflösbaren, sattroten Grundmasse.
Weitere Gegebenheiten: Neben rollenförmigen kommen eiförmige und mehr eckige, 0,5 - 7 mm große Quarze vor; durch Korrosion sieht die Außenseite häufig angefressen aus, und es kommen schmale, tiefe, mit Grundmasse gefüllte Löcher vor. Auch die 0,5 - 10 mm großen, unregelmäßig-eckigen, klarroten Kalifeldspäte sind korrodiert; ein weiteres Merkmal ist, dass manche Kristalle Risse zeigen, während wieder andere durch ein System von dunklen Rissen durchkreuzt und zerdrückt sind. Blassrote Kristalle von Plagioklas sind stark in der Minderheit, sporadisch kommen bis 3 mm große Chloritaggregate vor (fig. 30 a). Die sehr feinkörnige Grundmasse besteht ganz überwiegend aus einfachen keilschriftartigen Figuren und Tupfen von sehr dunklem Quarz und rotem Feldspat und im Übrigen aus etwas weniger feinem dunklem Quarz und Feldspat und wenigen verstreuten dunklen Mineralen.
Herkunft: Unbekannt, möglich ist das Seegebiet westlich von Åland
Als Geschiebefund sehr selten
Anmerkung 1: Nach J. Faber te Giekerk kommen viele, bis einige Tonnen schwere lose Brocken dieses Typs an der Küste bei Skeppsvik vor; deshalb wird durch den Schreiber der Name Skeppsviktyp mit diesem Gestein verbunden. [...]

(zurück zur Textstelle)

 

Druckfassung (PDF)

nach oben

 

Summary

Preliminary note: This text deals with the determination of erratics which can be found everywhere in the northern part of Central Europe. A few of these erratics are unique and can be attributed to the area of origin. These ones are called „Leitgeschiebe“. This text should help to determine such erratics.

In the sea area west of Åland there are quartz and granite porphyries with white quartz. These rocks come in reddish, brown or even grey forms. Zandstra [1] describes a red variant of these porphyries as "Skeppsviktyp".
Recognizing the color of the quartz is demanding. Figure 3 shows the widespread white colouring as a result of superficial damage. This is explicitly not meant. In picture 3 quartz 1 is damaged at its right edge and no. 2 is damaged over the whole surface. Only quartz 3 is recessed and protected. ONLY on such undamaged quartzes one can see the actual colour of this mineral.
The pictures 5 to 17 show different types of such porphyries with white quartz. All are from Tödding, also the grey ones.
In the close-ups you can see that the quartzes are not simply white, but rather have a stripy grain.  

It is certain that there are more occurrences of white quartz in the western sea area. This is evident due to local erratics and also a granite inclusion with snow-white quartz. This inclusion is located on the eastern shore of Södra Västerskär island. (Figs. 20 and 21.) The coarse-grained granite is found there as an inclusion in the ring quartz porphyry. It belongs without doubt to the Ålandpluton, but it is foreign at this place, because there is only ring quartz porphyry all around for kilometres. Obviously this piece was transported upwards by the porphyry magma. Whether there are more of them, we do not know.

Information about the underwater occurrences is provided by local erratics. We found such erratics on the islands Södra Västerskär (photo 22, 23) and Enskär. Such erratics indicate occurrences that are always north of the location where they were found, as the glaciers moved exactly south during the last ice age.

There are also ring quartz porphyries with white quartz. One was found as erratic on Enskär, and others as bedrock on Norra Västerskär and other places.

 

top