Kristallin.de > Fotografie Teil 2

Gesteine fotografieren 2


Teil 1. Bessere Bilder durch weniger Fehler


2. Gesteinsfotos

  • Hintergrund und Positionierung
  • Sauberkeit, Maßstäbe
  • Notizbilder und Trenner

  • 3. Gefügefotos und Mineralbilder

  • Die Erwartung des Betrachters
  • Nass, trocken oder feucht?
  • Nassfotos im Freien
  • Steine sind saugfähig
  • Nassfotos drinnen
  • Die Lampen spiegeln sich
  • Gefügefotos von Bruchflächen

  • 4. Fotografieren im Gelände

  • Unbewegliche Steine
  • Kleine Steine im Gelände
  • Mit dem Stativ am Boden
  • Welche Brennweite?
  • Welches Stativ?

  • 5. Fotografieren unter Kunstlicht

  • Licht ist farbig!

  • 6. Die Kamera

  • Kriterien für die Auswahl einer Kamera
  • Bildqualität und Megapixel
  • Makrofunktion bei Kompaktkameras
  • Kameras mit Farbstich
  • Was sind Rohbilder?
  • RAW-Konverter, Lightroom
  • Nachteile der Rohbildfotografie

  • 7. Eine Fotoumgebung selbst gebaut


     

    2. Gesteinsfotos

    Der Hintergrund

    Jeder Stein braucht einen Hintergrund, von dem er sich abhebt. Fotografieren Sie im Freien, kann der Stein im Gras liegen, im Sand oder auf dem Asphalt. Hauptsache, das Drumherum lenkt nicht ab.
    Wenn Sie einen Tisch benutzen können, bietet sich für den Anfang ein Karton als Hintergrund an. Der kostet wenig und man bekommt ihn in diversen Größen und Farben.
    Die Vorbereitungen sind schnell erledigt: Den Karton auf den Tisch legen und in einer Rundung nach oben biegen, damit eine Hohlkehle entsteht. Dahinter etwas Schweres aufstellen, um den Karton zu fixieren. Das war’s schon. Um den Stein in der richtigen Lage zu halten, genügt etwas Kleines – hier ist es eine Schachtel Streichhölzer. Radiergummis sind noch viel besser, weil sie nicht rutschen. Wenn man etwas mehr Aufwand treiben kann, dann sind Magnete eine tolle Sache. Dazu später mehr.

    einfachster Aufbau für ein Foto
    Bild 16: ein einfacher Hintergrund aus Karton

    So bekommen Sie im Handumdrehen einen neutralen Hintergrund. Dunkle oder gedeckte Farben eignen sich besonders gut, helle sind in Grenzen möglich. Schneeweiß empfiehlt sich nicht, denn das lässt die Steine dunkler wirken, als sie sind und der hohe Kontrast im Bild stört. Der Karton hier ist grenzwertig hell. Ich würde heute ein etwas dunkleres Grau vorziehen.
    Für meine Fotos benutze ich einen schwarzen Hintergrund. Man kann sogar schwarze Gesteine vor schwarzem Hintergrund fotografieren, da die Beleuchtung die Probe immer ausreichend aufhellt.
    Auch ein farbiger Hintergrund kann gut aussehen, aber dabei müssen Sie vorsichtig sein, denn das wird schnell bunt. Zur Not geht auch Backpapier von der Rolle.

    Jeder Ihrer Hintergründe wird über kurz oder lang schmutzig. Wer viel fotografiert, ist deshalb mit Stoff als Hintergrund besser beraten. Anfänglich habe ich mit einem Baumwolltuch gearbeitet, aber Baumwolle nimmt zu leicht Fusseln und Schmutz an. Kunstfasern eignen sich besser. Der Stoff wird faltenfrei aufgerollt und dann von dieser Rolle ein Stück abgewickelt. Ist der Stoff verschmutzt, spult man weitere 20 oder 30 cm ab und hat wieder einen sauberen Untergrund. Gegen Krümel helfen eine Fusselrolle und ein sauberer Pinsel.

    Positionierung

    Alle Steine sollten so fotografiert werden, dass ihr optischer Schwerpunkt unten liegt.

    optischer Schwerpunkt oben
    Bild 17: optischer Schwerpunkt oben
    optischer Schwerpunkt
    Bild 18: Schwerpunkt unten. Das sieht besser aus.

    Die Idee, ein Bild später zu drehen, um den Schnitzer auszugleichen, können Sie vergessen. Auf gedrehten Bildern stimmt die Beleuchtung nicht mehr, denn das Licht sollte immer von oben oder von der Seite kommen, aber niemals von unten. Außerdem kann jeder Ihr Bild zurückdrehen und sieht dann anhand der Beleuchtung, dass Sie gemogelt haben.

    Hier zum Beispiel liegt der Stein komisch, irgendwie auf der Spitze. Das kann man besser machen.

    Positionierung
    Bild 19: ungeschickte Positionierung

    Das Bild enthält neben der missglückten Positionierung noch zwei weitere Patzer: ein Krümel am Schatten vorn unter dem Stein und ein weißes „Etwas“ unten rechts in der Ecke. Solche Nachlässigkeiten sollte man unbedingt vermeiden. Denken Sie daran, dass Ihre Bilder später in der Vergrößerung angesehen werden.
    Nicht nur Krümel stören, sondern auch Fusseln auf dem Stein oder Wasserflecken auf der Unterlage. Lassen sich Wasserflecken gar nicht vermeiden, kann es ein Ausweg sein, den Untergrund komplett nass zu machen.
    Mit nachträglicher Retusche kann man zwar so manches wieder aus den Bildern herausoperieren, aber der Arbeitsaufwand ist oft erschreckend hoch. Es ist einfacher, gleich sauber zu arbeiten.

    Den Gedanken, einen fleckigen oder misslungenen Hintergrund später vom Bild einfach abzuschneiden, sollten Sie vergessen. Fotos, auf denen der Stein bis zum Bildrand reicht, sehen gar nicht gut aus. Alle einzelnen Objekte brauchen genügend leeren Raum um sich herum, um zu wirken.
    Der untere Rand sollte im fertigen Bild ein klein wenig höher sein als der obere. Wie weit die seitlichen Bildränder vom Stein entfernt sein müssen, hängt vom optischen Schwerpunkt ab. Unregelmäßig geformte Steine können aus der Mitte versetzt sein und trotzdem sieht das Bild „rund“ aus. Hier hilft es, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Das gilt auch sonst. Wenn Sie beim ersten Ansehen eines Bildes auch nur ein schwaches Unbehagen haben, dann nehmen Sie das ernst. Da ist mit Sicherheit etwas, das Sie verbessern können. Sagen Sie nicht: „Ach, das geht schon!“ Wenn sich ein leiser Zweifel meldet, dann ist etwas faul und andere werden es später auch sehen. Lassen Sie solche Bilder ein paar Tage liegen und nehmen Sie sie sich dann erneut vor.

    Es gibt Leute, die kümmern sich überhaupt nicht um den Hintergrund und malen später im Computer mit Farbe um den Stein herum. Solche Bilder sehen wenig ansprechend aus. Die beiden Abbildungen oben, in denen der Stein einmal richtig herum und einmal auf dem Kopf liegt, haben so einen eingemalten Hintergrund. Schön ist etwas anderes.
    Ganz finster aber ist die Idee, sich das Ausmalen entlang der Kanten zu sparen und den Hintergrund einfach mit Farbe auszugießen. Dabei fließt dann immer auch Farbe vom Hintergrund in die Gesteinsfläche hinein und manchmal werden auch Pixel im Stein mit gefärbt, sofern diese die gleiche Farbe wie der Hintergrund haben. Füllwerkzeuge („Farbeimer“) sind für diesen Zweck völlig ungeeignet.
    Achten Sie im Bild 20 auf die Kante zum Hintergrund. Die Farbe, die ins Gestein läuft, ist ein typischer Fehler, der beim Ausgießen des Hintergrunds mit Farbe entsteht.

    Füllwerkzeug für den falschen Zweck benutzt.
    Bild 20: Pfusch mit Füllfarbe als Hintergrund.

    Wenn man den Stein nachträglich aus dem Bild herauslösen muss, dann nur mit einem Freistellungswerkzeug, das in jedem Bildprogramm enthalten ist. Der neue Hintergrund sollte dann neutral und nicht zu hell sein sowie etwas Struktur enthalten.

    Sauberkeit

    Vor dem ersten Bild bürste ich jeden Stein trocken ab, um Krümel zu entfernen. Zusätzlich benutze ich einen breiten, weichen Pinsel, um die Unterlage zu säubern. Wer mit einem Stoff als Hintergrund arbeitet, ist mit einer Fusselrolle besser bedient. (Die mit dem klebenden Papier.) Auf Karton oder anderen glatten Untergründen sind dagegen Pinsel besser.
    Wenn man seine Aufnahmen später am Rechner in voller Auflösung sieht, findet man trotzdem oft noch kleine Fasern und Krümel. Um das möglichst zu vermeiden, kontrolliere ich die Bilder sofort nach dem Fotografieren. Es ist viel einfacher, den aufgebauten Stein noch einmal abzupinseln und ein zweites Bild zu machen, als später das Foto mühsam zu retuschieren. Da ich ohnehin immer die Schärfe kontrolliere, ist das kaum zusätzlicher Aufwand.
    Ist der Stein richtig schmutzig oder hat er noch Flechten auf der Oberfläche, dann muss er in warmem Wasser einweichen und geschrubbt werden, auch wenn dann alles länger dauert.
    Bekommt man auch damit den Stein nicht sauber, muss später am Bild eine Erklärung stehen, welche Flecken nicht dazugehören. Sie können nicht voraussetzen, dass jeder Betrachter Algen, Flechten oder Rost als Fremdkörper erkennt.

    Maßstäbe

    Zu jedem Bild gehört eine Größenangabe. Entweder Sie legen einen Gegenstand ins Bild, den jeder sofort erkennt oder Sie geben die Bildbreite an – also die Breite dessen, was im Bild zu sehen ist.
    Ich mag keine Objekte als Maßstab im Bild. Um später trotzdem die Abmessungen zur Hand zu haben, fotografiere ich jede Ansicht mindestens zwei Mal. Zuerst das richtige Bild und dann das gleiche noch einmal, jetzt aber mit einem Maßstab auf dem Stein. Meist nehme ich die Graukarte mit dem aufgeklebten Papiermaßband. Fehlt so etwas, tut es auch der Zeigefinger. Von der Breite meines Fingernagels ausgehend, kann ich später recht genau einen Zentimeter ableiten und den separat ins Bild einkopieren.
    Überschätzen Sie nicht die Fähigkeit anderer Leute, ein im Bild liegendes Objekt zu erkennen. Wer einen Objektivdeckel als Größenvergleich benutzt, muss den richtig belichten. Wenn da nur etwas rundes Schwarzes liegt, nützt das niemandem. Hinzu kommt, dass es mehr Leute gibt, als Sie ahnen die noch nie einen Objektivdeckel gesehen haben.
    Auch mit Münzen als Maßstab kann man scheitern. In anderen Ländern kennt man keineswegs unser Hartgeld, und wenn Sie es verwenden, muss die Belichtung stimmen. Wenn die Münze spiegelt, sieht man am Ende nur etwas Glänzendes im Bild. Bevor Sie dann anfangen, die Münze zu erklären, können Sie auch gleich das Foto ohne Maßstab nehmen und die Bildbreite darunter schreiben.
    Eine gute Option ist es, den Stein einfach in die Hand zu nehmen. Dann ist jedem die Größe klar. Leider geht das nur im Freien bei viel Licht. Achten Sie dann auch auf gewaschene Hände und saubere Fingernägel. Schrundige Finger ruinieren jedes Bild, egal wie toll der Stein aussieht.

    Bei Aufnahmen im Gelände sind Hämmer beliebt. Ich empfinde sie als eher störend, aber da kann man verschiedener Meinung sein. Wenn es sich nicht um einen Geologenhammer handelt, sollte man auch die Länge des Hammers angeben. Vor allem aber muss der größte Teil des Bildes dem Gestein vorbehalten bleiben. Im folgenden Beispiel ist entschieden zu viel Hammer im Bild und es gibt noch schlimmere Beispiele, bei denen der Hammer sauber in der Bildmitte liegt. Das sieht dann völlig daneben aus.

    Maßstab bei Gesteinsfotos
    Bild 21: Zu viel Hammer im Bild.
    Maßstab bei Gesteinsfotos
    Bild 22: Das ist anschaulich.

     

    Notizbilder und Trenner

    Zu manchen Gesteinen gibt es Wissenswertes, das vor allem im Moment der Aufnahme präsent ist. Neben dem Fundort können das besondere Minerale, eine auffallend hohe Dichte oder Notizen zur Umgebung sein. Wenn man die Steine anderer Leute fotografiert, ist der Name des Besitzers und natürlich wieder die genaue Herkunft der Probe wichtig. Das weiß nur der Besitzer! Das Einfachste ist, alles aufzuschreiben und den Zettel direkt nach der Probe zu fotografieren. Dann ist alles an der richtigen Stelle und nichts geht verloren.

    Solche Notizbilder haben sich bei mir bewährt, im Gelände ebenso wie bei Aufnahmen zu Hause. Inzwischen benutze ich die Kamera immer auch als Notizbuch: Ich fotografiere bei Exkursionen die Umgebung, Straßenschilder, die Koordinaten auf dem Navigationsgerät und meine Notizen zu den Steinen. Um mir die Zettelwirtschaft zu sparen, schreibe ich mit einem abwischbaren Filzstift auf ein Stück Plastik. Schreibt man schön groß, kann man die Notizen später am Rechner schon in den Vorschaubildern lesen und muss das Foto nicht mal mehr öffnen.

    Bilderserie
    Bild 23: Bilderserie mit Maßstab und Notizbild

    Hier oben sehen Sie reale Exkursionsfotos. Die ersten zwei Bilder zeigen die trockene Oberfläche, alle folgenden den nassen Stein. Die Bilder 4-6 unterscheiden sich nur in der Scharfstellung, was in dieser Ansicht nicht erkennbar ist. Die Notiz „davon sehr viel“ bezieht sich auf die Menge des Gesteins in der betreffenden Kiesgrube. Das meine ich mit Notizbild.

    Wenn man viele Bilder von ähnlich aussehenden Gesteinen macht, kann später unklar sein, welche Nahaufnahme zu welchem Stein gehört. Um Irrtümer zu vermeiden, füge ich neben Notizbildern auch Trennbilder ein. So ein Trenner zeigt einfach nichts oder nur meine Finger und kommt nach dem letzten Bild eines Gesteins, bevor ich mit dem nächsten anfange. Dann ist auch nach Jahren noch klar, welche Bilder zu welchem Handstück gehören.

    Bilderserie
    Bild 24: Trennbilder am Anfang und Ende einer Serie

    Diese Serie von Rohaufnahmen enthält zwei Trennbilder: das erste und das letzte. Das vorletzte zeigt das Probenetikett mit den Angaben zum Fundort. Das Bild davor ist eine Notiz zum Mineral Fluorit in den Drusen. (Heute schreibe ich solche Notizen größer.) Was noch fehlt, ist die Umbenennung aller Bilder.
    Wenn Sie sich jetzt wegen der zusätzlichen Bilder Sorgen um den Speicherplatz machen: Die Trennbilder kann man löschen, wenn die Bilder umbenannt und gesichert sind. Aber Speicherplatz ist inzwischen so billig, dass man sich darüber eigentlich keine Gedanken mehr machen muss.

     

    3. Gefügebilder und Mineralbilder

    Ich unterscheide zwei Arten von Gesteinsbildern. Solche, die überwiegend das Gefüge und damit das Aussehen des Gesteins zeigen und andere, die sich auf die Minerale konzentrieren. Erstere nenne ich Gefügebilder, letztere Mineralbilder. In dieser Zweiteilung wiederholen sich die beiden Schritte jeder Gesteinsbestimmung: zuerst den Gesteinstyp, dann die Minerale.
    In der Praxis lässt sich das nicht immer scharf trennen. Um ein Gestein in allen wichtigen Aspekten zu zeigen, läuft es jedoch fast immer auf mindestens zwei Abbildungen hinaus. Eine Gesamtaufnahme sowie eine oder mehrere Nahaufnahmen für die Minerale.
    Als Ersatz für die Nahaufnahme sind Ausschnitte keine Option, egal wie groß und scharf die Gesamtaufnahme ist. Sie brauchen verschiedene Perspektiven und wollen dazu manche Steine mit nasser und andere mit trockener Oberfläche aufnehmen.

    Die Erwartungshaltung des Betrachters

    Gesteinsfotos können dokumentieren, dass Sie ein seltenes Gestein gefunden haben oder dass Sie es an einem Ort gefunden haben, der eine besondere Bedeutung hat. Ein Orbiculit wie im Bild 25 ist ein so seltenes Gestein, dass allein dieses Foto Nachrichtenwert hat. Jedenfalls für Leute, die sich mit Kristallingesteinen auskennen. Der glückliche Finder war übrigens Marc Torbohm.
    Der grobkörnige Granit im Bild 26 ist eigentlich nichts Besonderes. Auf dem Bild kann man nur seine Färbung und Grobkörnigkeit erkennen. Da er aber als Geschiebe in Estland gefunden wurde, belegt das Bild einen Eistransport aus Nordwesten, da solche Gesteine aus dem Südosten Ålands stammen. Dokumentationsbilder wie diese beiden sind immer Gefügefotos. Minerale spielen hier keine Rolle.

    Orbiculitfund
    Bild 25: Orbiculit in der Kiesgrube
    grobkörniger Granit als Geschiebe.
    Bild 26: Granitgeschiebe in Estland

    Ganz anders dagegen Nahaufnahmen der Minerale. Sie zeigen Zwillingsbildungen, Entmischungen, Bruchflächen mit typischem Glanz, Kristallformen und vieles mehr, das man zur Mineralbestimmung braucht. Solche Mineralbilder werden fast immer trocken aufgenommen. Nasse Flächen sind nur dann sinnvoll, wenn man die Farbe eines Minerals oder beispielsweise perthitische Entmischungen zeigen will. Im Zweifel probieren Sie es einfach aus, beginnend mit den Trockenbildern.

    Gefügebild eines Gabbros.
    Bild 27: Gabbro im Gefügebild

    Wollen Sie beispielsweise einen Gabbro dokumentieren, dann müssen Sie die dafür typischen Minerale abbilden. Das geht nur mit einer Nahaufnahme und nur mit trockenen, sauberen und frischen Bruchflächen. Um zu zeigen, dass das Gestein gleichkörnig und schwarz-weiß aussieht, genügt ein Bild aus größerem Abstand.

    Mineralbild des gleichen Gesteins.
    Bild 28: Mineralbild mit Plagioklas und Olivin
    (unbeschriftete Version)

    Im Bild 28 erkennt man die Zwillingsstreifen der Plagioklase und dazu viel gelblichen Olivin mit seiner glasartigen, muscheligen Bruchfläche. Der macht diesen Gabbro zum Olivingabbro. Wollte man zusätzlich noch den Pyroxen zeigen, bräuchte man eine weitere Nahaufnahme. In diesem Beispiele ist aber der Olivin zusammen mit dem Plagioklas das, worauf es ankommt.

    Viele Gesteinsfotos hinterlassen einen schalen Beigeschmack, weil sie nicht liefern, was der Betrachter erwartet, nämlich eine verständliche Erklärung, warum es sich um genau dieses Gestein handelt. Diese berechtigte Erwartung erfüllen Sie nur, wenn Ihre Bilder alles Relevante enthalten. Dafür muss natürlich auch hinter der Kamera klar sein, was für dieses Gestein relevant ist. Wer sich nicht auskennt, muss alles am Stein fotografieren und hoffen, dass ihm später jemand die Zusammenhänge erklärt.
    Aus all diesen Gründen braucht man fast immer mindestens zwei Bilder. Ein Mineralfoto für die Zusammensetzung und ein weiteres für die Anordnung, Größe und Form der Minerale, also das Gefüge.

    Nass, trocken oder feucht?

    Nasse Oberflächen kommen vor allem für Gefügefotos in Betracht. Da man nie sicher sein kann, ob ein Gestein im nassen Zustand wirklich besser aussieht, fange ich immer mit Trockenbildern an. Erst danach test ich, ob eine nasse Oberfläche besser wirkt. Da kann man durchaus Überraschungen erleben.

    Nassfotos im Freien

    Der Stein muss sauber sein. Außerdem braucht man ein Stativ, denn nasse Flächen sind sehr viel dunkler als trockene. Stellen Sie den Stein oder sich selbst so auf, dass das Licht von der Seite kommt, nicht direkt von hinten. Dann probieren Sie aus, ob nass oder nur feucht besser ist. Achten Sie genau auf mögliche Reflexionen.
    Richtig nasse Oberflächen können toll aussehen, wenn es keine oder nur wenige Reflexe gibt. Das hängt davon ab, ob man den Lichteinfall steuern kann, was wiederum von der Größe des Steins abhängt. Spiegelt die nasse Fläche zu stark, kann man es mit einer nur feuchten Oberfläche versuchen, denn auch auf ihr nimmt die Farbsättigung zu. Nur leicht feuchte Flächen erfordern aber einigermaßen glatte Gesteine und einen fixen Fotografen.

    Nahaufnahme
    Bild 29: nass mit Spiegelungen
    Nahaufnahme
    Bild 30: feucht, ohne Reflexionen
    Animation
    Bild 31: Der Vergleich im Wechsel

    Die nasse Oberfläche bietet zwar die beste Farbsättigung, dafür aber auch störende Spiegelungen in der Mitte und oben links. Die nur leicht feuchte Oberfläche hat etwas weniger Farbsättigung und ist hier eindeutig die bessere Wahl.

    Für eine feuchte Oberfläche muss man alles überschüssige Wasser abtupfen. Das geht am besten mit einem nicht fusselnden Tuch oder Küchenpapier. Beim Abtupfen muss man schnell sein, denn der Stein trocknet zügig, was durchaus Nerven kostet. Es kann helfen, den Stein anzuhauchen, sofern es nicht zu warm ist.

    Wenn man dagegen mit viel Wasser arbeitet, muss man den kurzen Moment abpassen, in dem das meiste Wasser abgelaufen ist. So kann man noch relativ große Unebenheiten der Oberfläche überbrücken und bekommt mit etwas Glück sehr gute Ergebnisse. Man muss aber fix sein, denn es geht um Sekunden. Das folgende Beispiel zeigt die raue, im Sonnenlicht fotografierte Oberfläche eines Findlings. Mein Ziel war neben dem Gneisgefüge das hellblaue Mineral in der Mitte.

    Beispiele für Nassfotografie
    Bild 32: zu schnell ausgelöst

    Beim ersten Bild habe ich zu früh abgedrückt. Das Wasser lief noch über den Stein, erkennbar an den reflektierenden Spuren. So geht es nicht. Beim zweiten Bild habe ich zu lange gewartet. Der Wasserfilm war inzwischen zu dünn und passte sich den Unebenheiten an. Das Resultat waren viele kleine Reflexe, was auch nicht gut aussieht.

    Beispiele für Nassfotografie
    Bild 33: zu lange gewartet

    Erst der dritte Versuch saß. Ich habe genau den Moment erwischt, in dem das meiste Wasser abgelaufen, aber der Wasserfilm noch ausreichend dick war. Fast keine Reflexe und eine scharfe Abbildung der Oberfläche.

    Beispiele für Nassfotografie
    Bild 34: genau richtig

    Ganz offensichtlich ist das hier ein Mineralfoto, was bei diesem Findling auch gar nicht anders ging. Weder kann ich eine Bruchfläche des Cordierits erzeugen, noch kann ich den Stein bewegen. Allein das Wetter und die Tageszeit für den Sonnenstand sind Variablen, mit denen ich arbeiten kann.
    Das Gestein ist übrigens ein Sörmlandgneis aus Schweden. Das blass-rötliche Mineral oberhalb der Mitte ist Granat. Ganz links oben ein heller Streifen von Feldspat und Quarz sowie der blaugraue Cordierit in der Bildmitte. Mit so intensiver Farbe sieht man Cordierit selten, deswegen auch das Nassfoto. Der Findling liegt in der Ausstellung der Kalkgrube Lieth bei Elmshorn in Schleswig-Holstein.

    Findling bei Elmshorn
    Bild 35: Der Findling in der Ausstellung.

    Wenn man mit viel Wasser zu keinem guten Ergebnis kommt, ist eine nur feuchte Oberfläche immer eine zweite Option. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass das recht mühsam werden kann, wenn der Stein zu schnell trocknet. Dem kann man mit zwei Maßnahmen gegensteuern: kühlen und wässern. Beides geht nur zu Hause und nur bei kleinen Steinen.
    Zum Kühlen kommt die Probe eine Weile in den Kühlschrank oder im Winter nach draußen, sofern es nicht unter null Grad ist. (Durchfrieren sollte man vermeiden, denn es führt zu Reif auf dem Stein.) Stellt man den kalten Stein dann zum Fotografieren auf, braucht man ihn nur leicht anzuhauchen und er beschlägt sofort. Bekommt man zu viel Feuchtigkeit auf die Oberfläche, muss man diese eventuell abtupfen. Bei all dem läuft die Zeit, denn schon nach wenigen Minuten erwärmt sich jeder Stein wieder. (Die Idee stammt von Roland Vinx.)
    Die zweite Option ist intensives Wässern.

    Steine sind saugfähig.

    Alle Steine nehmen Wasser auf, was wir fürs Fotografieren nutzen können. Dazu legen wir den Stein ins Wasser, damit er sich vollsaugt und seine Farbsättigung möglichst lange behält. Das finden Sie albern? Schauen Sie sich den folgenden Test an. Hier steht eine Steinplatte senkrecht in 1 cm tiefem Wasser. Nach dem Eintauchen bildet sich ein dunkler Rand oberhalb der Wasserlinie, der sich in der folgenden Stunde um mehrere Zentimeter nach oben vergrößert.

    Wasseraufnahme
    Bild 36: am Anfang
    Wasseraufnahme
    Bild 37: nach 20 min.
    Wasseraufnahme
    Bild 38: nach 1 Stunde

    Das zweite Bild wurde nach 20 Minuten und das Dritte nach einer Stunde aufgenommen. Da war der wassergesättigte Bereich bereits über 2 cm hoch.

    Steine, die sich mit Wasser vollgesogen haben, lassen sich besser feucht fotografieren, denn sie trocknen langsamer. Es genügen bereits 10 Minuten im Wasser, aber eine Stunde ist besser.
    Wenn Sie in einem Museum fotografieren und alte Proben mit einem Papieretikett vor sich haben, dann ist das Wässern natürlich keine Option. Das gilt auch für alle anderen empfindlichen Proben. Wenn das Wässern ein Handstück auch nur ein wenig beeinträchtigen könnte, scheidet es aus.

    Wer einigermaßen glatt geschnittene Steine hat, kann diese auch ohne Politur fotografieren. Wässert man diese Schnittfläche in einer flachen Schale für mindestens 15 Minuten und fotografiert sie dann mit reichlich Wasser (schräg ablaufend), kommt man zu guten Resultaten. Voraussetzung ist eine saubere Oberfläche ohne Riefen.

    Wasserflasche
    Bild 39: Flasche zum Wässern
    wässern
    Bild 40: Proben wässern

    Zum Benetzen der Steine benutze ich im Gelände eine Gießkanne, sofern genug Wasser zur Verfügung steht. Ansonsten eine Flasche, die einen nicht zu dünnen Wasserstrahl liefert. Solche mit Verschlüssen wie im Bild 39 sind ideal. Leider gehen diese Verschlüsse schnell kaputt, wenn die Flasche abstürzt. Also Ersatz mitnehmen.

    Nassfotos drinnen

    Arbeitet man mit einem Karton als Hintergrund, ist das Hantieren mit Wasser für Nassfotos wenig lustig, denn schließlich soll der Hintergrund trocken und fleckenfrei bleiben. Man kann dann trotzdem nass fotografieren, wenn man ein flaches Gefäß unterstellt, das das Wasser auffängt. Die Kunst besteht darin, die Unterlage aus dem Bild herauszuhalten.

    Unterlage für die Nahaufnahme
    Bild 41: Unterlage für Tropfwasser

    Wir brauchen eine rutschhemmende Unterlage in Grau oder Schwarz, um Aufhellungen von unten her zu vermeiden. Im obigen Beispiel habe ich dafür einen weichen, schwarzen Kunststoff benutzt, der als Rutschverhinderer für Besteckkästen, Teppiche oder Ähnliches gedacht ist. Das Material gibt es bei Haushaltswaren.

    Nahaufnahme
    Bild 42: Die Probe steht erhöht.

    Die durchsichtige Schale, die das Wasser auffängt, ist der Deckel einer Salatschale und das Weiße ein Radiergummi. Dahinter stehen zwei Stützen für den Stein. Mit diesem Aufbau kann man den Stein nass machen, ohne in den Hintergrund zu kleckern und ohne dass Licht von unten ins Bild kommt.
    Allerdings muss jetzt die Kamera tief stehen, ziemlich genau auf der Höhe des Steins. Nur so verschwindet die Unterlage aus dem Bild. Idealerweise würde der Stein auf zwei winzigen Spitzen balancieren, dann wäre er optimal freigestellt.
    Im fertigen Bild fehlt allerdings am unteren Bildrand der Hintergrund. Das sieht nicht wirklich super aus, aber man kann damit leben. Den Bildrand zum Ausgleich ringsum an den Stein heranzuziehen, ist keine sinnvolle Option, denn das Resultat sieht nicht gut aus. Dann lieber gleich einen Ausschnitt nur von der Gesteinsfläche, ganz ohne Hintergrund.

    Nahaufnahme
    Bild 43: Das fertige Bild.

    Die Lampen spiegeln sich

    Auf gewölbten und nassen Oberflächen werden beide Scheinwerfer als helle Flecken rechts und links oben sichtbar. Diese Reflexionen kann man nur reduzieren, aber nicht komplett vermeiden. Es hilft, die beiden Lampen so weit nach hinten zu rücken, dass ihre Spiegelungen möglichst weit am Rand des Steins liegen. Die Grenze ist dann erreicht, wenn das Licht vorn knapp wird oder das Streiflicht beginnt, die Unebenheiten in der Gesteinsoberfläche zu betonen.

    Gefügefotos von Bruchflächen

    Braucht man ein Gefügebild von einem rauen und unebenen Handstück, steht man vor einer Herausforderung. Die Lösung ist, die Probe unter Wasser zu fotografieren. Der Stein wird komplett im Wasser versenkt, gut ausgeleuchtet und senkrecht von oben fotografiert. Dann bietet sich eine Ansicht, die mit einer Politur vergleichbar ist und ein sehr gutes Gefügebild liefert.
    Der Stein liegt ganz unter Wasser, aber etwas erhöht und nur knapp unter der Wasseroberfläche. Der Abstand zum Gefäßboden bringt eine leichte Unschärfe in den Hintergrund und der möglichst geringe Abstand zur Wasseroberfläche ist gut für die Bildschärfe.

    Skizze
    Bild 44: Prinzipskizze für das Fotografieren unter Wasser.

    Wie unterschiedlich eine Gesteinsfläche aussehen kann, zeigen die folgenden Bilder. Während auf der trockenen Bruchfläche die Quarze gut erkennbar sind, fehlt im Unter-Wasser-Bild ihr typischer Glasglanz und der muschelige Bruch ist nicht so deutlich. Das gilt auch für den spiegelnden Plagioklas links der Bildmitte. Die für das Bestimmen von Plagioklas wichtige Zwillingsstreifung ist nur auf der trockenen Oberfläche sichtbar.

    Nahaufnahme einer trockenen Bruchfläche
    Bild 45: Bruchfläche eines Granits, trocken
    (unbeschriftetes Bild)

    Unter Wasser kommen dafür die kleinen Quarze auf den Außenseiten der Alkalifeldspäte viel besser zur Geltung, ebenso wie die rundlichen größeren Quarze. Auch die violett gefärbten Fluoritnester sind unter Wasser viel besser erkennbar als auf der trockenen Fläche. Erst beide Bilder zusammen zeigen all das, was diesen Granit auszeichnet. Es hängt also vom angestrebten Ziel ab, wie man fotografiert. Und natürlich vom Aufwand, den man treiben will und kann.

    Nahaufnahme der gleichen Bruchfläche unter Wasser.
    Bild 46: die gleiche Bruchfläche unter Wasser
    (unbeschriftetes Bild)
    Animation
    Bild 47: Ansicht im Wechsel

    Die ersten Bilder dieser Art habe ich im Freien mit einem durchsichtigen Behälter gemacht.

    Test zum Fotografieren unter Wasser.
    Bild 48: erster Versuch im Freien

    Der Wind störte, der im Wasser spiegelnde Himmel störte, aber die Beleuchtung war super. So ist man allerdings vollständig vom Wetter abhängig, weil man Sonne und Windstille braucht. Daher nicht zu empfehlen.

    Test zum Fotografieren unter Wasser.
    Bild 49: So geht es, ist aber störempfindlich.

    Danach habe ich es mit einer weißen Schale probiert, jetzt aber schon drinnen. Weiß deshalb, weil ich Färbungen von der Behälterwand her vermeiden muss, aber alles vorhandene Licht nutzen will. Um auch unter Wasser einen dunklen Hintergrund zu bekommen, habe ich gleichzeitig mit schwarzem Split experimentiert, aber das Ergebnis hat mir nicht so recht gefallen. Die starke Strukturierung des Hintergrunds lenkt doch eher ab.

    Test zum Fotografieren unter Wasser.
    Bild 50: Split als Hintergrund

    Auch einen schwarzen Anstrich auf der Innenseite des Behälters habe ich getestet, aber das war ebenfalls keine gute Lösung. Am besten erscheint mir heute wasserfestes, schwarzes Schleifpapier mit kleiner Körnung als Hintergrund. Leider ist dessen Größe beschränkt, aber das gilt ja auch für den Behälter und das ganze Verfahren.
    Der Wasserbehälter steht bei mir auf einem Hocker, damit ich Stativ und Kamera in angenehmer Arbeitshöhe habe. Die Beleuchtung befindet sich so weit seitlich, dass sie nicht spiegelt. Sie wird kaum verstellt. Wegen der Nähe zum Wasser sollten die Leuchten möglichst mit 12 Volt betrieben werden.
    Da man beim Wechseln der Proben und beim Erneuern des Wassers unweigerlich kleckert, scheidet ein Raum mit Teppichboden aus. Am besten ist ein gefliester Fußboden wie zum Beispiel in der Küche oder im Bad.

    Hindernisse

    Die Wasseroberfläche bleibt fast nie sauber, selbst wenn man jeden Stein vorher unter fließendem Wasser abbürstet. Peilt man von der Seite flach über das Wasser, sieht man, was da alles schwimmt. Um die Krümel und Fussel zu entfernen, ziehe ich vor dem Fotografieren die Wasserfläche ab. Dazu nehme ich mehrere Streifen Zeitungspapier, die ich nacheinander auf die Wasseroberfläche lege und dann zur Seite ziehe. Am Zeitungspapier bleibt alles haften, was auf der Wasseroberfläche schwimmt.

    Wasseroberfläche mit Zeitungspapier reinigen
    Bild 51
    Wasseroberfläche mit Zeitungspapier reinigen
    Bild 52
    Wasseroberfläche mit Zeitungspapier reinigen
    Bild 53

    Danach ist die Wasserfläche sauber – jedenfalls so lange, bis man den nächsten Stein versenkt. Das verwendete Papier darf nicht saugfähig sein. Zeitungspapier ist perfekt, Küchenpapier geht nicht.

    Wenn der Stein eine Weile im Wasser liegt, bilden sich auf ihm allerdings Blasen, die ganz enorm stören.

    Blasen stören
    Bild 54: Blasen am Stein ruinieren das Bild.

    Es hilft, wenn man das Wasser am Abend vorher abkocht. Auch Regenwasser ist perfekt, sofern Sie das auffangen können. Wenn sich am Stein dann trotzdem noch einzelne Blasen zeigen, kann man die mit einem kleinen spitzen Pinsel gut vertreiben. So wie dieses Bild hier darf es jedenfalls nicht aussehen.

    Um je nach Größe des Steins dessen Höhe im Gefäß zu verändern, lege ich entweder Stücke von Fliesen unter oder wieder Radiergummis.
    Da ich viele verschieden große Radiergummistücke brauche, habe ich einen extrem großen Radiergummi gekauft, der vermutlich ein Scherzartikel sein sollte. Diesen Klotz habe ich zerschnitten und so ausreichend Material erhalten. Radiergummis sind neben den Stützen zum Anlehnen meine wichtigsten Hilfen beim Positionieren von Gesteinsproben.

    Radiergummi in Übergröße
    Bild 55: Einen großen Radiergummi kann man gut zerschneiden.

    Bildqualität und Resümee

    Wenn man Steine unter Wasser fotografiert, erhält man sehr gute Gefügefotos auch von rauen und unebenen Oberflächen. Bilder, die den ganzen Stein zeigen sowie mittlere Vergrößerungen gelingen unter Wasser hervorragend. Bei den ganz starken Vergrößerungen allerdings fehlt die letzte Schärfe in den Bildern und das Verfahren kommt an seine Grenzen. Als Ausweg kann man versuchen, die Gesamtaufnahme unter Wasser zu machen und die Detailaufnahmen wieder mit einer schräg aufgestellten Probe, auf der das Wasser abläuft. Geht das nicht, bleibt man bei der Unter-Wasser-Fotografie, wie sie hier beschrieben ist. Immerhin bekommt man damit Bilder, die anders überhaupt nicht möglich sind.
    Die Idee habe ich von Hans van Essen.

     

    Teil 4: Fotografieren im Gelände

    Unbewegliche Steine

    Steine, die man nicht bewegen und passend hinlegen kann, machen viel Arbeit. Das gilt für große Findlinge ebenso wie für Kopfsteinpflaster. Es gibt meist nur eine sinnvolle Perspektive und man muss schon sehr viel Glück haben, wenn das Licht auf Anhieb stimmt. Wenn nicht, muss man an einem anderen Tag wiederkommen. Auch dann, wenn der Stein schmutzig ist und man weder Wasser noch Bürste dabei hat, ist es besser, einen zweiten Anlauf zu unternehmen. In jedem Fall mache ich schon beim ersten Besuch ein paar Aufnahmen einschließlich der Umgebung. Das hilft beim Wiederfinden und ich kann später noch abschätzen, wie die Sonne stand und ob ich den zweiten Termin besser morgens oder am Nachmittag einplane. (Dafür sollte die Uhr in der Kamera gestellt sein.)

    Dass die Sonne richtig stehen muss, hatte ich schon erwähnt. Das folgende Beispiel zeigt, wie man trotz Sonne und schönem Wetter scheitern kann.
    Dieses knapp ein Meter große Geschiebe war trotz (oder besser wegen) des Sonnenscheins nicht richtig zu fotografieren. Aus der hier gezeigten Perspektive sieht man zu wenig und ich konnte auch nicht wesentlich dichter heran, weil dann nur der obere Teil scharf geworden wäre.

    Fotografieren im Freien
    Bild 56: Scheitern im Sonnenschein

    Die beste Seite des Steins liegt rechts, etwa bei 5 Uhr. Aber da stand auch die Sonne und die sollte man möglichst nicht im Rücken haben, wenn man einen nassen Stein fotografieren möchte. Außerdem hätte dort die Kamera einen Schatten ins Bild geworfen. Da der Brocken nicht zu bewegen war, musste ich aufgeben. Ein paar Stunden später, mit der Sonne bei etwa 7 Uhr, wären die Verhältnisse sicher besser gewesen, weil dann das Licht von der Seite eingefallen wäre.

    Kleine Steine im Gelände

    Am einfachsten ist es, den Stein in der Hand zu fotografieren. Hält man ihn in einer Hand und die Kamera in der anderen, kann man ohne Aufwand zu schönen Ergebnissen kommen. Stark vergrößernde Nahaufnahmen sind so aber nicht möglich, denn dafür sind die Belichtungszeiten zu lang – selbst bei Sonnenschein.

    Für eine Nahaufnahme mit allen Details muss der Abstand kurz sein. Dann brauchen wir eine stabile Unterlage und ein Stativ, weil die Belichtungszeiten so lang werden, dass niemand mehr aus der Hand fotografieren kann. Die nötige Unterstützung findet man manchmal schon im Gelände:

    Unterlage für Nahaufnahmen.
    Bild 57: ein Findling als Unterlage

    Der Findling hier lag am Rand der Kiesgrube und bot eine schöne Stelle, um in Ruhe zu fotografieren.

    Unterlage für Nahaufnahmen.
    Bild 58: perfekte Bedingungen für Nahaufnahmen

    Leider wanderte die Sonne zu schnell (oder ich war zu langsam), sodass ich bald die Schatten der Zweige im Bild hatte. Rechts oben neben der Wasserflasche liegt ein Stück Plastik für die Notizen, die ich nach jedem Stein fotografiere. Am Stativ hängt die Graukarte für den Weißabgleich.

    Der Ausweg aus dem Dilemma mit einer festen Unterlage ist eine mobile Stütze. Dann kann man sich richtig zum Licht stellen und auch den Hintergrund noch selbst bestimmen. Ich habe mit einer selbst gebauten Halterung für die Steine auf einem zweiten Stativ sehr gute Erfahrungen gemacht.

    zwei Stative lösen Probleme.
    Bild 59: Kamera und Stein auf je eigenem Stativ
    Probe auf drei Stützen
    Bild 60: Der Stein liegt lose auf drei Spitzen.

    Der Stein ruht auf drei Edelstahlstiften, die in einer Platte aus wasserfestem Sperrholz stecken. Die Stäbe trennen den Stein optisch vom Untergrund und ihre Länge erlaubt es, auch schräg von oben nach unten zu fotografieren, ohne dass die Unterlage ins Bild kommt. Vor allem aber kann man sich so perfekt zur Sonne ausrichten. Hier war sogar noch ein Schatten für mich, denn an diesem Tag war es wirklich heiß. (Die Bilder entstanden in Dirhamn im Nordwesten Estlands.)
    Die gelbe Folie dient als Wasserschutz für das Stativ, denn das Geschiebe wurde nass fotografiert.

    Probe auf drei Stützen
    Bild 61: Ansicht von vorn
    die fertige Nahaufnahme
    Bild 62: die fertige Nahaufnahme

    Das Ganze sieht wackelig aus, ist es aber nicht. Die Länge der Stäbe war sogar von Vorteil, denn manchmal musste ich sie etwas aufbiegen, um einen Stein einzuklemmen. Meistens lagen die Steine aber lose auf den Spitzen, so wie im Bild. Für unterschiedlich große Steine habe ich zwei verschieden große Halterungen benutzt.
    Das funktioniert auch mit größeren Steinen tadellos und hat mir perfekte Nahaufnahmen im Gelände ermöglicht. Der Charme dieses aufwendigen Arrangements ist, dass man sofort gute Aufnahmen machen kann und die Gesteine nicht mehr zum Fotografieren mit nach Hause nehmen muss.
    Die Stäbe werden im Baustoffhandel für die Befestigung von Wärmedämmplatten an Fassaden verkauft. (Man kann sie auch beim Gärtnern für kleine Schilder im Beet verwenden.)

    Mit dem Stativ am Boden

    Manchmal muss man am Boden fotografieren, was ziemlich mühsam sein kann. Noch dazu mit einem schon älteren Stativ, das zusammengeschoben immer noch 60 cm hoch ist. Da ich für etliche Nahaufnahmen noch sehr viel dichter an den Stein heran muss, hatte ich vor Jahren probehalber ein viertes Bein angebaut. Das war verstellbar und sah so aus:

    Test einer zusätzlichen Stütze
    Bild 63: Test einer zusätzlichen Stütze
    Test einer zusätzlichen Stütze
    Bild 64: Ansicht von oben

    Diese Konstruktion war keine gute Idee, denn sie fällt leicht um und gefährdet die Kamera. Das ist eine Sackgasse, die Sie lieber nicht ausprobieren sollten.

    Sehr viel besser ist ein verschiebbarer Querträger wie im Bild 65. Er hängt als schwarzes Rohr horizontal zwischen den Stativbeinen. Die Mittelsäule steckt verkehrt herum im Stativ, also mit dem Kopf nach unten. So komme ich mit der Kamera in beliebig niedrige Positionen. Rechts am Ende ist der Kugelkopf, der die Kamera trägt. Dieses Zubehör ist gekauft und passt zu meinem Aluminiumstativ. Das ist zwar betagt, leistest mir aber seit Jahrzehnten gute Dienste, weshalb ich keinen Grund sehe, es auszumustern. Außerdem ist es robust und standfest.

    eine gute Lösung für ein älteres Stativ
    Bild 65: Querträger für bodennahe Fotos

    Stative neuerer Bauart sind zum Teil sehr viel besser verstellbar und lassen kaum noch Wünsche offen.

    das Gitzo-Stativ ist extrem weit verstellbar.
    Bild 66: Das neue Stativ kann das besser.

    Welche Brennweite?

    Wie dicht man an die Steine heran kann bzw. muss, hängt allein von der Brennweite des Objektivs ab. Eine kürzere Brennweite bedeutet einen kürzeren Abstand zum Objekt, verglichen mit einer längeren Brennweite. An meiner Nikon D200 heißt das: Für eine Bildbreite von 10 cm (am Stein) ergibt sich beim 60-mm-Makro ein Abstand von etwa 40 cm. Nehme ich stattdessen ein 85-mm-Makro, vergrößert sich der Abstand auf 57 cm bei gleicher Bildbreite. (Die Abstände sind bis zum Sensor gemessen und viel größer als bei Kameras ohne Wechselobjektive.) Eine längere Brennweite bedeutet, dass man nicht so tief nach unten muss, wenn man Steine am Boden aufnimmt. Das kann dann so aussehen:

    nahaufnahme am Boden
    Bild 67: Kamera mit 85-mm-Makro
    die Nahaufnahme
    Bild 68. Das aufgenommene Bild.

    Mit der kürzeren Brennweite von 60 mm könnte ich diese Aufnahme mit diesem Stativ nicht machen, denn ich müsste näher an den Stein heran, wofür dann die Beine des Stativs zu lang sind.

    Wenn es für die eigene Kamera Makroobjektive mit verschiedenen Brennweiten gibt, hängt es von den eigenen Wünschen ab, welche Brennweite geeigneter ist. Will ich gelegentlich einen Stein in der Hand halten und fotografieren, ist die kurze Brennweite besser, denn bei einer langen ist schnell der Arm zu kurz. Auch beim Fotografieren zu Hause ist mir die kurze Brennweite lieber, denn der Abstand zum Stein bleibt klein. Wer aber auch Insekten fotografieren möchte, ist mit der längeren Brennweite viel besser bedient, weil er mehr Abstand halten kann.
    Beim Kauf eines Objektivs achten Sie außerdem auf eine möglichst gute Auflösung. Dafür gibt es Testberichte. Die alte Regel „Das Objektiv macht das Bild“ gilt nach wie vor. Gleich danach kommen Sie selbst und erst dann die Kamera, sofern es nicht gerade ein besonders schlechtes Modell ist. Dazu später mehr.

    Zurück zum Stativ.
    Wenn man stundenlang fotografiert, ist eine angenehme Arbeitshöhe wichtig. In diesem Beispiel liegt der Stein auf einem Hocker, was die Kamera in rückenfreundliche Höhe bringt.

    Hilfsmittel
    Bild 69: angenehme Arbeitshöhe
    Hilfsmittel
    Bild 70: Graukarte und Drahtauslöser als Hilfsmittel

    Mit diesem Aufbau hier sind natürlich nur Ausschnittfotos vom Stein möglich. Für die Gesamtansicht ist der Abstand zu kurz und außerdem fehlt der neutrale Hintergrund. Für das Gesamtbild hatte ich den Stein vorher auf den Rasen gelegt.

    Welches Stativ?

    Wie immer: Es kommt drauf an. Einerseits soll das Stativ nicht zu schwer sein, damit man es auch wirklich mitnimmt. Andererseits soll es möglichst bis auf Augenhöhe ausziehbar sein und auch bei etwas Wind noch so ruhig stehen, dass Belichtungszeiten von mehreren Sekunden möglich sind. Standfestigkeit und geringes Gewicht unter einen Hut zu bekommen, ist schwierig.

    Wer sich ein Stativ für einen Tag ausleihen kann, sollte das unbedingt tun. Nur wenn Sie es einige Stunden getragen haben, wissen Sie, worauf Sie sich einlassen.

    Testen Sie vor einem Kauf in jedem Fall die Standfestigkeit, was man schon im Laden erledigen kann. Bauen Sie das Stativ in ganzer Höhe auf, montieren sie Ihre Kamera und geben Sie dieser dann einen kleinen Stups, während Sie durch den Sucher schauen. Achten Sie genau darauf, wie lange das Bild zittert. Je schneller das Bild sich beruhigt, desto besser ist das Stativ. Wenn Sie mehrere Sekunden warten müssen, bis das Bild wieder ruhig steht, dann ist das keine Empfehlung.
    Es ist zwar möglich, ein Stativ durch ein zusätzliches Gewicht zu stabilisieren, aber dieses Zusatzgewicht müssen Sie dann im Gelände auch wirklich zur Hand haben. Wer schon mal stundenlang draußen fotografiert hat und bei jedem neuen Foto den Beutel mit einem Stein darin umhängen musste, hat bald die Nase voll. Daher würde ich im Zweifel immer das solidere Stativ wählen und erst danach auf das Gewicht achten. Oder Sie geben mehr Geld aus und erwerben eines aus Karbon, denn der Gewichtsunterschied ist beträchtlich.
    Karbon ist allerdings sehr teuer und schlagempfindlich. Ich probiere lieber nicht aus, aus welcher Höhe mein Exemplar einen Sturz auf die Steine noch schadlos übersteht. Das gilt natürlich generell für die komplette Ausrüstung, aber trotzdem muss man auf ein teures Karbonstativ besser aufpassen als auf ein robustes aus Aluminium. Trotz dieser Einschränkung sind meine Erfahrungen mit dem Karbonstativ nur positiv, vom schmerzhaft hohen Preis mal abgesehen.

    Zur Befestigung der Kamera benutze ich ausschließlich Kugelköpfe, die im Hinblick auf Verstellbarkeit die mit Abstand beste Lösung sind. Jeder Kugelkopf hat ein Maximalgewicht, das er tragen kann und auf das man beim Kauf achten muss. Im Zweifel empfiehlt sich immer die stabilere Version.
    Alle Verstellungen sollte man auch mit Handschuhen bedienen können. Unter bestimmten Umständen können sogar die ausladenden Hebel am alten Kugelkopf besser sein als Drehknöpfe. Aber auch mit denen kann man arbeiten.

    Kugelkopf
    Bild 71: Kugelkopf, älteres Modell
    Kugelkopf auf dem Gitzo-Stativ
    Bild 72: Kugelkopf neuerer Bauart

    Zwischen diesen beiden Kugelköpfen liegen etwa 40 Jahre. Der ältere ist wegen der ausladenden Hebel deutlich sperriger, dafür auch mit Handschuhen gut zu bedienen. Der neue Kugelkopf ist sehr viel kompakter konstruiert und verschwindet beim Zusammenbau des Stativs zwischen dessen Beinen, die ganz nach oben umgelegt werden. Der Unterschied beider Stative in Gewicht und Größe ist beträchtlich. Wer sein Stativ auch mit auf Reisen nehmen möchte, sollte neben dem Gewicht auch das Packmaß im Auge behalten.

    Auf beiden Bildern fehlt die Montageplatte, die jeweils unten an der Kamera sitzt. Die Montageplatte wird oben in die Halterung gesetzt und eingespannt. Beim alten Manfrotto ist es eine angeschrägte sechseckige Platte, beim Gitzo ist sie rechteckig und passt in die Schwalbenschwanzführung.

    Da bei einem Stativ alles gut zugänglich ist und Zustand sowie Verarbeitung leicht zu prüfen sind, kann man sich problemlos ein gebrauchtes kaufen. Wenn man keine Schäden findet und es mit der eigenen Kamera stabil steht, dann ist es auch geeignet.

     

    Teil 5: Fotografieren unter Kunstlicht

    Draußen ist Licht kostenlos, aber wenig zuverlässig. Mit ein wenig Zubehör können wir drinnen arbeiten und sind unabhängig. Ich hatte schon im ersten Teil betont, dass man nichts weiter braucht als zwei Leuchten, einen neutralen Hintergrund und etwas zum Anlehnen für den Stein.
    Mit welchem Licht man arbeitet, ist fast egal. Glühbirnen, Halogen oder LED sind allesamt geeignet, nur die sogenannten Energiesparlampen nicht, denn in ihrem Lichtspektrum fehlen einige Farben.
    Zuerst ein kleiner, aber wichtiger Exkurs zum Licht.

    Licht ist farbig.

    Wir haben zwar Augen im Kopf, aber tatsächlich benutzen wir beim Sehen vor allem unser Gehirn. So ist für uns ein Bogen Schreibpapier immer weiß, gleichgültig, ob wir ihn im Sonnenlicht oder unter der Schreibtischlampe ansehen. Tatsächlich ist die Farbe des Papiers aber je nach Tageszeit und Lichtquelle ganz verschieden. Im Schatten ist es bläulich und unter Glühlampenlicht eher gelblich. Aber unser Gehirn mischt sich ein und sagt: „Papier ist weiß."
    Unsere Kameras jedoch zeigen die tatsächlichen Farben und würden ständig farbstichige Bilder machen, wenn sich die Kamera nicht bei jedem Bild anpassen würde. Dieser Vorgang heißt „Weißabgleich“ und läuft (meist) automatisch ab. Die Farbe des Lichts wird als Farbtemperatur angegeben und in Grad Kelvin gemessen.
    Warum ist das nun wichtig? Weil man ganz schnell hässliche Farbstiche einbaut, wenn man nicht aufpasst.
    Sie wollen beispielsweise einen Stein fotografieren, legen ihn auf ein Blatt Papier und belichten bei Tageslicht, das von rechts kommt. Das Ergebnis sehen Sie im linken Foto. Weil bei dieser Aufnahme der Stein links unten noch zu dunkel ist, hellen Sie den Schatten mit einer Lampe auf. Das zeigt das rechte Bild.

    Lichtfarbe beachten
    Bild 73: Aufnahme mit Tageslicht von rechts
    Lichtfarbe beachten
    Bild 74: zusätzliches Halogenlicht von links

    Der Hintergrund zeigt Ihnen, was schief gelaufen ist. Er ist rechts vom Stein bläulich und links davon rötlich, obwohl das Papier überall die gleiche Farbe hat. So etwas nennt man Mischlicht und dieses Bild können Sie gleich wieder löschen. Da ist nichts zu reparieren und der Fehler liegt bei Ihnen. Tageslicht hat eine andere Farbtemperatur als Kunstlicht, und eines mache Sie nie: unterschiedliche Lichtquellen benutzen. Das geht immer schief.

    In so einer Situation können Sie zu einem Aufheller greifen. Halten Sie ein weißes Blatt Papier so, dass Tageslicht auf die dunkle Seite des Steins reflektiert wird, ohne dass das Papier im Bild sichtbar wird. Der Aufheller muss weiß sein oder neutral grau, keinesfalls farbig.

    Mischlicht gehört zu den besonders üblen Pannen. Achten Sie ganz bewusst darauf, woher Ihr Licht kommt. Vermeiden Sie auch farbige Flächen in der Nähe, einschließlich Ihrer Kleidung. Ich kenne einen Fall, wo jemand Gesteine im Gelände fotografiert hat und mit seiner orangefarbenen Jacke auf einigen Nahaufnahmen einen sichtbaren Farbstich hinterlassen hat.

    Das Problem mit dem Mischlicht verfolgt uns überall. Wenn man im Haus fotografiert, darf kein Fremdlicht stören. Sonnenlicht von draußen ist ganz übel und muss in jedem Fall abgeschirmt werden. Wenn man das Tageslicht nicht ausreichend dämpfen kann, hilft nur, bis zum Abend zu warten oder man nimmt stärkere Lampen.
    Beim Abdunkeln darf man es aber auch nicht übertreiben. Mir ist eine Fensterscheibe zersprungen, weil ich sie bei Sonnenschein mit schwarzer Folie zu gut abgedunkelt hatte. Die sich stauende Wärme war so intensiv, dass die innere Scheibe des Fensters platzte. Dabei hätte es schon genügt, oben und unten einen Spalt zu lassen, damit die Wärme abziehen kann.

    Mischlicht kann auch von scheinbar gleichen Leuchten ausgehen. Deshalb sollten die Birnen oder LED identisch sein: Gleicher Typ, gleicher Hersteller und am besten auch mit gleicher Lebensdauer. Bei Glühbirnen empfiehlt es sich, beide immer zusammen auszuwechslen, denn sie altern und verändern ihre Lichtfarbe mit der Zeit.

     

    Teil 6: Die Kamera

    Meine, wie ich hoffe, ganz ordentlichen Bilder (mit grauer Fußleiste) mache ich mit einer Nikon D200 aus dem Jahr 2006. Der Sensor hat gerade mal 10 Megapixel. Man bekommt diese Kamera heute (2020) für wenig Geld im Fachhandel gebraucht. Zusammen mit einem gebrauchten und getesteten Makroobjektiv kostet sie weniger als ein durchschnittliches Smartphone.

    Eine konkrete Kamera kann ich nicht empfehlen. Die Wahl hängt von Ihren Wünschen ab und wie viel Geld Sie ausgeben wollen. Vor allem sollten Sie überlegen, was Sie fotografieren. Eine Kamera, die von Landschaft über Porträts bis hin zur Nahaufnahme alles kann, hat entweder Objektive zum Wechseln oder sie kann alles nur einigermaßen gut.

    - Informieren Sie sich in aller Ruhe. Betrachten Sie die Recherche nicht als lästige Anstrengung, sondern als Blick in eine ganz eigene Welt, an deren Ende Sie eine Kamera in der Hand halten, die Ihnen für Jahre Freude bereitet.

    - Machen Sie unbedingt Probefotos mit verschiedenen Modellen und sehen Sie sich die Bilder in Ruhe zu Hause an. In der Originalgröße, also bei 100 %. Fragen Sie Freunde, ob Sie ein paar Fotos mit deren Kamera machen dürfen. Bringen Sie dafür eine eigene Speicherkarte mit oder Sie lassen sich die Testbilder unbearbeitet und in Originalgröße zuschicken.

    - Testen Sie jede Kamera bei mäßigem Licht bzw. bei höheren ISO-Werten. Also mindestens 800 und deutlich höher.

    - Gute Bilder enthalten auch bei 100 % keine Fehler in den Details. Einfarbige Flächen müssen einfarbig sein und Kanten mit hohem Kontrast sollten keine oder nur sehr dünne Farbsäume haben. Wenn bei schlechtem Licht das Bild wie ein Ölgemälde aussieht, taugt die Kamera gar nichts.

    - Ein möglichst großer Sensor macht tendenziell immer die besseren Bilder.

    - Die Anzahl der Megapixel hat keinen oder sogar einen schlechten Einfluss auf die Bildqualität. Damit werden Kunden seit Jahren in die Irre geführt. Es gibt zwar Kameras, die exzellente Bilder mit sehr hohen Pixelzahlen machen, aber das sind Profigeräte, die schon ohne Objektiv einen vierstelligen Betrag kosten. Bei preiswerten Kameras sind hohe Pixelzahlen eher bedenklich.

    - Es gibt inzwischen Kameras mit unglaublich hohen Empfindlichkeiten. Ich kenne die Einzelheiten nicht, aber wenn die Bilder bei 3000 ISO und mehr wirklich noch rauschfrei und scharf sind, dann würde so eine Kamera mehrere Probleme auf ein Mal lösen. (Sony baut wohl zurzeit solche Kameras. Da ich um diese Firma aus persönlichen Gründen einen großen Bogen mache, kann ich diese Kameras nicht beurteilen.)

    - Smartphones haben den unschlagbaren Vorteil, immer dabei zu sein. Das war’s dann aber auch schon, denn hier geht es um Nahaufnahmen und nicht um Videos oder Schnappschüsse am Strand. Ihre Gesteinsaufnahmen machen Sie oft bei schwierigem Licht und das kann fast kein Smartphone. Es gibt zwar Ausnahmen, aber die meisten Leute kaufen diese Geräte nicht. Sehr viele der Fotos, die ich im Laufe der Zeit zugeschickt bekam, waren als Nahaufnahmen von auffallend schlechter Qualität.

    - Außerdem haben Smartphones unerwünschte Nebenwirkungen auf Sie selbst.

     

    Bildqualität

    Ich habe erwähnt, dass ein Bild keine Strukturen enthalten darf, die da nicht hingehören. Bei kleinen Sensoren und billigen Kameras trennt sich hier die Spreu vom Weizen. Dazu ein Beispiel, das das gleiche Motiv zwei Mal zeigt. Beide Bilder sind Ausschnitte aus dem Originalbild bei 100 % Größe. Das erste Bild stammt aus einer Kompaktkamera, das zweite von meiner betagten Nikon. Den Unterschied muss ich wohl nicht kommentieren. Die Bilder sind nicht bearbeitet.

    Pfusch
    Bild 75: So etwas ist unbrauchbar.
    viel besser
    Bild 76: gleiches Motiv mit der Spiegelreflexkamera

    Leider machen viele Smartphones und einfache Kameras Bilder wie das obere. Das sehen Sie natürlich nicht, wenn sie die Bilder nur auf dem winzigen Display der Kamera anschauen oder einen kleinen Papierabzug machen. Aber Ihre Gesteinsfotos werden später vergrößert, weil man die einzelnen Minerale erkennen will.
    Es gibt einfache Kameras und Smartphones, die sehr gute Bilder machen, aber das sind Ausnahmen.

    Megapixel

    Ein ganz finsteres Kapitel. Seit Jahren gehen etliche Hersteller mit vielen Megapixeln auf Kundenfang, obwohl immer klar war, dass die Anzahl der Pixel nichts mit der Bildqualität zu tun hat. Viele Pixel bedeuten nur, dass das Bild breiter und höher wird, sonst nichts.
    Wenn man aber immer mehr Pixel auf dem Sensor unterbringt, wird jedes einzelne Pixel kleiner. Damit bekommt es immer weniger Licht ab, was zu Problemen führt, die man mit nachträglicher Bildbearbeitung zu lösen versucht. Deshalb ist es für die Abbildungsqualität viel besser, wenn der Sensor möglichst groß ist. Die Grafik zeigt gängige Größen im Vergleich.

    Sensorgrößen
    Bild 77: verschiedene Sensorflächen im Vergleich

    Wenn Sie im Laden nach einer Kamera mit guter Bildqualität fragen und der Verkäufer daraufhin mit Megapixeln wirbt, dann sollten Sie ganz vorsichtig sein. Megapixel sind kein sinnvolles Kriterium beim Kamerakauf, die Größe des Sensors aber sehr wohl.

    Makrofunktion

    Wer eine Kamera mit fest verbauter Optik kauft, sollte auf eine möglichst gute Makrofunktion achten. Eine Spiegelreflexkamera hat so etwas nicht, denn für Nahaufnahmen gibt es spezielle Objektive.
    Achten Sie auf den kleinstmöglichen Abstand. 30 cm sind bei kleinen Kameras nicht kurz, sondern für Gesteinsfotografie noch viel zu viel. Bei einigen wenigen Zentimetern Mindestabstand sieht es schon viel besser aus.
    Wenn Sie Testbilder machen, denken Sie daran, die Makrofunktion auszuprobieren. Stellen Sie die Kamera auf den Tisch und fotografieren Sie irgendetwas aus allernächster Nähe. Zum Beispiel die kleine Schrift auf einem Karton oder ein Preisetikett. Wenn Sie die Kamera abstellen, können Sie auch ohne Stativ ein scharfes Testbild schießen. Benutzen Sie keinen Blitz.

    Meiner Meinung nach sind Spiegelreflexkameras das einzig Wahre. Es gibt aber inzwischen auch spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven, die sehr gute Bilder machen („Systemkameras“).
    Welchen der großen Hersteller Sie wählen, ist unerheblich. Kalkulieren Sie mehrere Objektive ein, die zusammen mit der Kamera bei pfleglicher Behandlung viele Jahrzehnte halten. Damit steht Ihnen dann eine ganze Welt offen: Astrofotografie, Tiere in freier Wildbahn oder extrem kurze Belichtungszeiten – all das können Sie mit einer Kamera und einigen wenigen Objektiven abdecken und bekommen Bilder in hervorragender Qualität.

    Kameras mit Farbstich

    Leute fotografieren Leute. Damit die Haut auf den Bildern eine bessere Färbung bekommt, verstärken praktisch alle Kameras rötliche Hauttöne. Wer rote Gesteine fotografiert, kann nur verzweifeln, weil der eingebaute Farbstich alles ruiniert.
    Diese „Optimierung“ haben sogar die teuren Spiegelreflexkameras – aber nur, wenn Sie mit dem Dateiformat „JPG“ arbeiten. Das müssen Sie aber nicht. Es gibt Rohbilder.

    Was sind Rohbilder?

    Ein Rohbild ist der eigentliche Datensatz, den der Bildsensor einer Kamera liefert. Das Bild, das Sie auf der Speicherkarte der Kamera finden, stammt nicht direkt vom Sensor, sondern wird in der Kamera erst nachträglich aus dem ersten Datensatz erzeugt. Dabei werden Kontrast, Belichtung und Farben festgelegt. Wie diese Bearbeitung abläuft, entscheidet der Hersteller der Kamera und Sie müssen damit leben.
    Ein JPG-Bild ist wie ein ausgedrucktes Papierbild. Viele sehen ganz gut aus, aber einige sind nicht richtig belichtet und andere haben einen Farbstich. Eine Korrektur ist nicht mehr möglich, auch wenn Sie mit einem Bildbearbeitungsprogramm noch ein wenig daran herumwerkeln können.
    Nimmt man aber die Bildentwicklung aus der Kamera heraus und erledigt das am Rechner, kann man entscheidende Teile selbst steuern und vor allem kann man alles wieder rückgängig machen. Rohbilder (RAW) eröffnen ganz neue Möglichkeiten und wer das je gemacht hat, wird dabei bleiben.
    Die dafür benutzten Programme heißen „RAW-Konverter“, obwohl sie viel mehr können, als nur Rohdaten in JPGs zu konvertieren.
    Mit einem RAW-Konverter lässt sich nachträglich die Farbtemperatur korrigieren sowie Belichtung, Kontrast und Helligkeit einzelner Bildanteile in weiten Grenzen steuern. Außerdem bekommt man Werkzeuge an die Hand, die es sonst nirgends gibt. Eines davon ist für den Weißabgleich zuständig. Um es nutzen zu können, muss man beim Fotografieren zwischendurch mal eine Graukarte ins Bild halten. Die graue Fläche dient später am Rechner als Referenz für die Farbtemperatur, die bei der Aufnahme vorhanden war. Eine Graukarte (um die 15 Euro) ist ein entscheidender Schritt hin zu besseren Fotos.
    Meine ist aus Kunststoff. Ich zerschneide sie in kleine Teile, von denen jedes einen Maßstab aufgeklebt bekommt. (Das Gitter im Bild ist nur die Unterlage.)

    Graukarte
    Bild 78: eine Stück Graukarte mit Maßstab

    Die Klammer dient zum Anfassen und mit der Schlaufe hänge ich sie ans Stativ. Der Maßstab ist ein Papiermaßband aus dem Baumarkt.
    Das Bild zeigt eine halbe Karte. Inzwischen benutze ich noch kleinere Stücke, damit ich mehr davon habe. Graukarten aus Karton benutze ich nicht, weil sie bei mir unvermeidbar nass werden.

    RAW-Konverter

    Dieses Thema erfordert eigentlich einen ganz neuen Text. Daher nur ein knapper Überblick.
    Die zentrale Aufgabe eines RAW-Konverters ist die Umwandlung eines Rohdatenbildes in ein Bild vom Format „JPG“ oder „TIF“. Man verlagert also die Bildentwicklung von der Kamera in den Computer.
    Es gibt einerseits die Konverter der Kamerahersteller und es gibt eigenständige Programme. Relativ bekannt ist „Lightroom“, „Capture One“, „DxO Optics“, „RAW-Therapee“ oder „Silkypix“. Diese Liste ist nicht vollständig. Einige dieser Konverter beherrschen auch die Verwaltung großer Bildersammlungen.

    Ich habe bisher nur mit Lightroom gearbeitet und kenne andere Programme nicht. Lightroom 6 genügt für meine Bedürfnisse. Wer aber heute neu einsteigt, sollte darauf achten, ob das Programm laufende Kosten generiert und ob der Rechner gar am Netz hängen soll/muss. Beides finde ich bedenklich. Ein Programm als Kaufversion würde ich immer einem Abonnement vorziehen, denn monatliche Gebühren addieren sich über Jahre hinweg zu großen Beträgen. Leider hat Adobe bei Lightroom inzwischen genau das eingeführt, was mich heute wohl zu einem anderen Programm greifen ließe. Und ans Netz hänge ich meinen Arbeitsrechner ohnehin nicht.

    Wenn Ihre Kamera Rohbilder anbietet, dann müssen Sie sich nicht dafür oder dagegen entscheiden. Sie können beide parallel speichern und haben später immer noch die Möglichkeit, bei besonders interessanten oder schwierigen Aufnahmen auf das Rohbild zuzugreifen.
    Wenn Ihre Kamera Rohbilder aufnehmen kann, dann sollten Sie das nutzen. Ich ärgere mich noch heute, dass ich von früher viele Bilder nur als JPG habe. Seien Sie da klüger, lassen Sie die Rohbilder mitlaufen. Einen Nachteil hat die doppelte Speicherung allerdings: Die Speicherkarte ist schnell voll. Aber angesichts der inzwischen extrem niedrigen Preise sollten größere Speicherkarten und regelmäßige Sicherungskopien auch im Urlaub kein Thema sein.

    Nachteile der Rohbildfotografie

    Man muss sich einarbeiten. So ein RAW-Konverter erschließt sich nicht an einem Wochenende. Deshalb auch mein Rat, gleich am Anfang nach Literatur und Videoanleitungen Ausschau zu halten. Es ist unerlässlich, sich eine oder mehrere Anleitungen zuzulegen, denn mit Ausprobieren kommt man nicht weit. Außerdem werden Sie wichtige Funktionen übersehen.
    Ein weiterer Nachteil der Rohbilder ist das größere Dateivolumen. Man braucht deutlich mehr Platz auf der Festplatte und auch der Rechner sollte einigermaßen fit sein. Lightroom will reichlich Arbeitsspeicher. 4 GB ist das absolute Minimum und mehr ist besser. Mit 32 GB Arbeitsspeicher und auf einer SSD läuft das Programm auch bei über 170 000 Bildern im Katalog hervorragend.

     

    Teil 7: Eine Fotoumgebung selbst gebaut

    Da ich Steine auch außer Haus fotografiere, habe ich mir eine transportable Fotokiste gebaut. Die hat sich so bewährt, dass es inzwischen eine zweite, verbesserte Variante gibt.
    Als Lichtquelle benutzte ich anfangs Halogenlampen, aber deren hohe Temperatur hat mich gestört, sodass ich mich für LED entschieden habe.
    Neben ausreichender Helligkeit ist eine gleichmäßige Ausleuchtung wichtig. Wenn man den Aufbau plant, sollte man deshalb mit der Größe der Steine beginnen. Daraus ergibt sich die auszuleuchtende Fläche und daraus wiederum der Abstand der Lampen. Die sollten nicht zu weit weg stehen, denn man muss sie oft verstellen. Man braucht Lampen mit einem breiten Abstrahlwinkel.

    Fotokiste 1
    Bild 79: die erste Variante mit Halogenlicht

    Die erste Fotokiste hatte 12-Volt Halogenstrahler, die Licht im Winkel von 60° abgaben. Handelsüblich als „Fluter“ bezeichnet. Jeder Strahler war auf einem Schwanenhals montiert und hatte eine Leistung von 50 Watt, damit war gutes Arbeiten auf kleinem Raum möglich. 2 x 35 Watt wären wohl auch noch gegangen, weniger aber nicht. Je schwächer die Beleuchtung, desto störender ist Streulicht.
    Die erste Fotokiste war eine starre Konstruktion, handlich und mit einer Hand zu tragen. Die Verstellbarkeit der Schwanenhälse hat mir aber auf Dauer nicht genügt und an den Halogenstrahlern habe ich mir mehrfach die Finger verbrannt. Außerdem hat mich die fehlende Stoffaufwicklung unten gestört, weshalb ich später noch eine zweite Fotokiste baute, die zusammengelegt werden kann und besser gegen Streulicht abschirmt.

    Fotokiste 2
    Bild 80: die zweite Variante mit LED

    Die neuen LED-Strahler haben jetzt eine Leistung von 2 x 10 Watt pro Seite (insgesamt also 40 Watt). Eigentlich muss man den Lichtstrom in Lumen vergleichen, aber diese Angabe habe ich für diese Leuchten nicht.

    Scheinwerfer
    Bild 81: pro Seite zwei Strahler
    Scheinwerfer
    Bild 82: Unterseite mit Halterung

    Die 2 x 20 Watt LED liefern weniger Licht als 2 x 50 W Halogen, aber es reicht aus. Sehr schön ist, dass diese Lampen nur ordentlich warm werden, aber nicht so glühend heiß wie Halogenstrahler.
    Unangenehm war der vor einigen Jahren noch sehr hohe Preis der LED-Scheinwerfer. Vermutlich gibt es inzwischen preiswertere Alternativen, die ich im Zubehörhandel für Autos, Motorräder oder Fahrräder suchen würde. Dabei sollte man auf eine möglichst breite Abstrahlung achten. Das Gegenteil, also Fokussierung, ist ein beliebter Ausweg, um Helligkeit zu erzeugen, ohne wirkliche Leistung zu bieten.

    Scheinwerfer
    Bild 83: Die LED sind für Fahrzeuge gedacht
    Netzgerät
    Bild 84: Vorschaltgerät für die richtige Spannung

    Es ist unerlässlich, alle elektrischen Kontakte gegen Berührung zu schützen und generell mit Niederspannung zu arbeiten. Beim Fotografieren nasser Steine habe ich regelmäßig auch nasse Hände und muss trotzdem die Lampen anfassen können. Bauen Sie auf keinen Fall etwas, bei dem Sie in irgend einer Weise vorsichtig sein müssen. Alles muss mit nassen Händen im Dunkeln ohne Nachdenken bedienbar sein. Deshalb sind die Netzzuleitung und die Trafos im Inneren der Fotokiste verbaut. Außen gibt es nur 12 V Gleichspannung.

    Batteriebetriebene Lampen halte ich für ungeeignet. Beim Fotografieren vergehen schnell ein paar Stunden und die Vorstellung, mitten in der Sitzung Akkus laden zu müssen, macht mir keine Freude. Außerdem hat man dann noch mehr Zubehör, auf das man aufpassen muss.

    Die verstellbaren Träger meiner Lampen (unten) stammen aus dem Werkzeugbau und dienen eigentlich als Halter für eine Messuhr. Zum Beispiel an einer Dreh- oder Fräsbank.

    Lampenhalter
    Bild 85: Ein Träger für Messuhren im Lieferzustand.

    Diese Träger sind teuer, aber perfekt geeignet, weil man sie beliebig verstellen kann. Sie haben einen Magnetfuß, den man ein- und ausschalten kann.
    Der Halter ist in alle Richtungen verstellbar und wird mit dem zentralen Griff festgestellt. Das obere Ende hat eine 8 mm messende Bohrung, von der aus man sich einen Adapter zu den Lampen bauen muss. Es gibt solche Träger in verschiedenen Qualitäten und Preislagen.

    Für den Magnetfuß braucht man natürlich ein Stahlblech als Boden, aber das ist ohnehin schon wegen meiner Magnetstützen erforderlich. So ein Blech sollte mindestens 1 mm stark sein, aber auch nicht übertrieben dick. Ab 3 mm wird alles nur noch schwerer, ohne dass die Magnete besser halten.

    Eigentlich hatte ich wieder einen Schwanenhals geplant und auch schon eine größere Variante angeschafft. Mit der war ich aber gar nicht zufrieden. Je länger der Schwanenhals, desto größer ist seine Eigenspannung, was praktisch bedeutet, dass er nicht genau da stehen bleibt, wo man ihn loslässt. Das stört enorm. Außerdem war die Tragkraft geringer, als ich gehofft hatte. Deshalb habe ich den Schwanenhals verworfen und die Halter für Messuhren besorgt. Inzwischen bin ich froh darüber, denn diese Lösung hat sich bewährt.
    Der Hintergrundstoff ist jetzt Synthetik statt Baumwolle und wird im vorderen Teil unterhalb des Bodens aufgewickelt. Es liegt also nichts mehr lose herum.
    Die Seitenflächen und das Dach halten Streulicht wirksam ab und können zusammengeklappt werden.
    Die Platte, auf der die Proben und die Beleuchtung stehen, ist lose. Im Raum darunter können alle Teile einschließlich der Beleuchtung verstaut werden. Am Ende habe ich ein koffergroßes Teil, das am Griff getragen wird. Allerdings ist die zweite Fotokiste schwerer als die erste Variante.

    Fotokiste im Rohbau
    Fotokiste transportfertig
    Aufbau
    Aufbau
    Aufbau
    Aufbau

    Bilder 86-91: Oben links der Rohbau. Die anderen Fotos zeigen den Aufbau, der nur wenige Minuten dauert.

    fertig
    Bild 92: es kann losgehen

     

    Zum Aufstellen der Steine benutze ich verschiedene Stützen, die alle einen Magnetfuß haben.

    Magnetstützen
    Bild 92: Magnete und Stützen
    Magnet mit Senkbohrung
    Bild 93: Magnet mit Senkbohrung

    In der Mitte von Bild 92 sehen Sie die einfachste Variante einer Stütze: Eine lange Schraube, die von unten her durch den Magneten gesteckt und mit einer Mutter befestigt wird. Solche Magnete mit Bohrung kann man fertig kaufen. (Suchen Sie nach „Neodymmagnet mit Bohrung“.)
    Links im Bild eine Stütze mit doppeltem Anlehnpunkt, mit der kein Stein mehr wackelt. Das Weiße ist ein Stück Kunststoff, aus dem zwei Schrauben nach vorn herausragen. Rechts eine Stütze mit Holzkugel für besonders große Steine. Die kleinen Magnete im Vordergrund benutze ich zum Unterlegen.

    Keine Beratung

    Wenn Sie sich so etwas bauen wollen, kann ich Ihnen nicht mehr als diesen Text hier anbieten. Es gibt keinen Bauplan, keine Materialliste und auch keine Beratung. Nehmen Sie dies hier bitte nur als Anregung.
    Sie sollten keine zehn Daumen haben und mindestens eine Stichsäge und eine Bohrmaschine bedienen können. Bei meiner zweiten Variante habe ich auch mehrfach Gewinde geschnitten, aber man kann so manches Befestigungsproblem auch anders lösen, als ich das getan habe. Rückschläge und Fehler sind normal und kaum zu vermeiden. Nehmen Sie es sportlich.
    Arbeiten an der Elektrik erfordern solide Kenntnisse. Weil Fehler lebensgefährlich sein können, sollten Sie diesen Teil einem Fachmann überlassen, wenn Sie nicht ganz sicher sind, was Sie tun. Das gilt auch für die LED-Beleuchtung. Wenn Sie das falsche Vorschaltgerät benutzen, ruinieren Sie die teuren Lampen. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten und kaufen Sie auch dort die Bauteile.

     

    Hilfe bei der Fehlersuche

    Wichtige Teile im Bild sind unscharf.

    Fokussierungsfehler. Dagegen hilft nur, jedes Bild sofort zu kontrollieren.

    Das ganze Bild ist unscharf.

    Verwackelt. Benutzen Sie ein Stativ.

    Unschärfen innerhalb von richtig fokussierten Flächen

    1. Zu geringe Tiefenschärfe - Blende schließen. Möglichst nicht bis zum Maximum.

    2. Auf die Lage der Schärfenebene im Raum achten. Die Kamera muss exakt parallel zur fotografierten Fläche stehen.

    Farbstiche

    Immer nur eine Lichtquelle bzw. eine Sorte von Licht verwenden. Streulicht unbedingt vermeiden.

    Detailarme oder seltsam körnige Oberflächen von Gesteinen. Vor allem bei Makroaufnahmen von Kristallingesteinen.

    Probieren Sie, den Stein feucht oder unter Wasser zu fotografieren. Probieren Sie auch andere Abstände aus. Manchmal harmoniert die Mineralkörnung nicht mit dem Sensor der Kamera. Dann hilft es, den Abstand etwas zu ändern.

    Fusseln, Krümel, Flecken und anderes im Bild

    Langsam arbeiten und nicht nur auf das Objekt, sondern auch auf das Drumherum achten. Ein Pinsel hilft, den Hintergrund sauber zu halten.

    Am Rechner bearbeitete Bilder sehen flau oder zu dunkel aus.

    Helligkeit und Kontrast über das Histogramm oder gezielt nur die Lichter bzw. Schatten bearbeiten. Auf keinen Fall das Bild als ganzes einfach heller oder dunkler machen.

    Bild ist zu bunt.

    Nach Kontraständerungen müssen manche Bilder entsättigt werden, um die Farben wieder zu normalisieren. (F1 > nach „Entsättigen“ suchen)

    Verkleinerte Bilder sind unscharf.

    Dezent (!) schärfen.

    Neue Kamera?

    Kein Spontankauf, unbedingt vorher Tests lesen und beraten lassen. Viele Megapixel sind kein Hinweis auf Qualität. Gebrauchte Kameras aus dem Fachhandel haben Garantie und sind eine echte Alternative, sofern man sie intensiv nutzt, um doch vorhandene Schwächen innerhalb der Garantiefrist zu erkennen.

    Generelles zu Umgang mit Bilddateien: Von nicht wiederholbaren Bildern (Urlaub, Exkursion) sofort mindestens zwei Kopien auf externen Festplatten ablegen und diese getrennt lagern. Die Originalbilder mit Schreibschutz versehen, um versehentliches Überschreiben zu vermeiden. Bearbeitete Bilder mit einem angehängten Zusatz beschriften und in einem verlustfreien Format wie „TIF“ oder „PNG“ abspeichern. Am besten natürlich in dem Dateiformat, das Bearbeitungen erhält. („PSD“ bei Photoshop oder „XCF“ bei GIMP.)

    „JPG“ ist ein verlustbehaftetes Speicherformat und nur für das finale Bild geeignet. Beim Speichern auf geringe Kompressionsrate (= hohe Qualität) achten.

     

     

    Druckfassung (PDF)

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