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Kryolith (Eisstein)      english summary


Lagekarte

Kryolith - Na3[AlF6] - ist ein Mineral wie von einem anderen Stern: weiß, schwer, weich und spröde. Es besteht aus Natrium, etwas Aluminium und viel Fluor.
Die Probe hier stammt aus Ivigtut im Südwesten Grönlands und ist 1,27 Milliarden Jahre alt. Das braune Mineral ist Siderit Fe[CO3] - Eisenspat, der zusammen mit dem Kryolith vorkommt.

Kryolith - Eisstein
Bild 1: Kryolith mit Siderit aus Ivigtut (Grönland)

Nimmt man es in die Hand, so ist das einem Stück Eis ganz ähnliche Mineral unerwartet schwer und auffallend weich. Mit einer Härte von 2,5 kann man Kryolith beinahe mit dem Fingernagel ritzen. Außerdem ist er spröde und zerbricht ganz leicht, sodass man das seltene Stück besser nicht fallen lässt.

cryolite from Ivigtut, Greenland
Bild 2: Kryolith aus Ivigtut (Grönland)

Der Kryolith dieser Probe ist offensichtlich nicht homogen. Man erkennt eine schwache Streifung, die in verschiedene Richtungen zeigt.

Seine Entstehung im oberen Teil eines Granitstocks wurde durch fluorreiche Lösungen ausgelöst, die eine komplexe Bildung neuer Minerale verursachten. Ganz allgemein gesprochen ist der Kryolith das Ergebnis einer Fenitisierung, also der chemischen Umwandlung von Gesteinen durch aggressive magmatische Lösungen. Daran waren auch CO2-reiche Fluide beteiligt, die für die Bildung von Karbonatmineralen verantwortlich waren. Eines davon ist das Eisenkarbonat Siderit.

Siderit auf Kryolith
Bild 3: oben ein Siderit-Rhomboeder
Kryolith - cryolite from Ivigtut, Greenland
Bild 4: Kryolith mit Siderit

Das Mineral zeigt Strukturen, die an perthitische Entmischungen in Feldspäten erinnern. Das ist natürlich nur eine entfernte Ähnlichkeit, denn es gibt hier weder Feldspäte noch nicht mischbare Phasen.

Kryolith
Bild 5: Nahaufnahme

Im Internet findet sich der Hinweis, dass Kryolith den gleichen Brechungsindex habe wie Wasser und deshalb unter Wasser förmlich unsichtbar werde. Wenn das zutrifft, dann vielleicht bei reinen und durchsichtigen Kristallen. Das hier gezeigte Stück Kryolith sieht unter Wasser genauso aus wie auf der Hand und zeigt keinerlei Veränderung.

Der Kryolith von Ivigtut (auch „Ivittuut“ geschrieben) wurde über 100 Jahre lang in einem kleinen Tagebau abgebaut und als Flussmittel bei der Herstellung von Aluminium verwendet. Das Vorkommen ist inzwischen erschöpft und der Ort weitgehend verlassen. Man hat Kryolith auch an einigen anderen Stellen auf der Welt gefunden, jedoch nirgends in nennenswerter Menge. Der für die Aluminiumproduktion nötige Kryolith wird inzwischen synthetisch hergestellt.

Sideritkristalle
Bild 6: spiegelnde Sideritkristalle

Alle Bilder dieser Beschreibung in der     
Alle Bilder dieser Beschreibung      

Literatur:

Jasmin Köhler, Jens Konnerup-Madsen, Gregor Markl: Fluid geochemistry in the Ivigtut cryolite deposit, South Greenland, Lithos, Juli 2008, S. 369–392 

Kryolith bei:
mindat.org: https://mindat.org/min-1162.html
chemie.de: https://www.chemie.de/lexikon/Kryolith.html
wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kryolith
(alles Stand 19. März 2020)

Das Kryolith-Handstück stammt aus der Sammlung von Frau Trümper.
Der aufgelassene Tagebau von Ivigtut befindet sich hier: 61.206147, -48.174552

 

Druckfassung (PDF)

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Summary

Cryolite - Na3[AlF6] - is a mineral like from another star: white, heavy, soft and brittle. It consists of sodium, some aluminium and a lot of fluorine. The sample shown here comes from Ivigtut in southwest Greenland and is 1.27 billion years old. The brown mineral is siderite Fe[CO3] - iron spar, which occurs together with cryolite.

The mineral looks very similar to a piece of ice. But it is unexpectedly heavy and soft (hardness 2.5). You can almost scratch cryolite with your fingernail. It is also brittle and breaks very easily.

The formation of cryolite in the upper part of a granite stick was caused by fluorine-rich solutions. Cryolite is the result of fenitisation, i.e. the chemical transformation of rocks by aggressive magmatic solutions. CO2-rich solutions were also involved, which triggered the formation of carbonate minerals. One of these is the iron carbonate siderite.
The mineral shows structures which remind of perthitic separations in feldspars. This is of course only a distant similarity, because there are neither feldspars nor immiscible phases.
In the internet you can find the hint that cryolite has the same refractive value as water and therefore becomes literally invisible under water. If this is true, then perhaps with pure and transparent crystals. The piece of cryolite shown here looks exactly the same under water as on the hand and shows no change.

The cryolite of Ivigtut (also written "Ivittuut") has been mined for over 100 years in a small open pit and used as a flux in the production of aluminium. The deposit has now been exhausted and the place is largely abandoned. Cryolite has also been found in several other places in the world, but nowhere in significant quantities. The cryolite required for aluminium production is now produced synthetically.

Literature:
Jasmin Köhler, Jens Konnerup-Madsen, Gregor Markl: Fluid geochemistry in the Ivigtut cryolite deposit, South Greenland, Lithos, July 2008, p. 369-392

mindat.org: https://mindat.org/min-1162.html
chemie.de: https://www.chemie.de/lexikon/Kryolith.html
wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kryolith
(March 2020)

The cryolite specimen is part ot the collection of Mrs. Trümper.
The abandoned open-cast mine of Ivigtut is located at: 61.206147, -48.174552

 

 

Druckfassung (PDF)

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