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Grorudit


Zusammenfassung     english summary

Lagekarte

Grorudit ist ein dunkelgrünes bis graugrünes, feinkörniges Ganggestein aus Südnorwegen, das nach Oslos Stadtteil „Grorud“ benannt wurde.
Grorudite bestehen aus einer grünen bis grüngrauen, feinkörnigen Grundmasse mit nur wenigen kleinen Feldspäten. Entscheidend aber sind dunkelgrüne oder schwarze nadelförmige Kristalle von Ägirin, die in jedem Grorudit zu finden sind.

Bild 1: Typischer Gorudit (Oslo)
Bild 2: Grüne Grundmasse mit Feldspäten
Bröggers Probe Nr. 180 von Gruvsletten

Geschiebefunde von Grorudit sind überaus selten. Für eine Bestimmung sind die schwarzen Ägirinnadeln entscheidend.
Tinguaite können einem Grorudit ähnlich sehen, wenn sie nur wenig Ägirin und wenige Feldspäte enthalten. Dann kann ein Test mit Salzsäure helfen, denn Tinguaite enthalten säurelösliche Minerale. Grorudit dagegen reagiert nicht mit HCl.

 

Ausführlich:

Grorudite wurden am Ende des 18. Jahrhunderts von Waldemar C. Brögger umfassend beschrieben (PDF). Sie sind Teil der Referenzsammlung, die Brögger für diverse Museen zusammenstellte. Jede Sammlung enthielt 205 für den Oslograben repräsentative magmatische Gesteine.
Ein Teil dieser Proben hat den Krieg überstanden, sodass ich einige hier zeigen kann.
Ursprünglich bezeichnet Brögger die späteren Grorudite als „Ägirin-Granitporphyr“ und bezog sich damit gleichermaßen auf Gefüge und Zusammensetzung. Ohne Ägirin wäre der Grorudit einfach nur ein feinkörniges Gestein mit granitischer Zusammensetzung und einigen wenigen Einsprenglingen. Brögger nennt als Bestandteile der Grundmasse: Kalifeldspat, Albit, Quarz und Ägirin und als Einsprenglinge: Mikroklin, Albit, selten Anorthoklas, regelmäßig Ägirin und selten Hornblende.
Allerdings enthalten die meisten Grorudite so wenige Einsprenglinge, dass sich der Terminus „Porphyr“ kaum rechtfertigen lässt. Vielleicht hat das dazu beigetragen, dass Brögger das Gestein nach dem Stadtteil „Grorud“ neu benannte. Grorud war damals ein Vorort von Kristiania, dem heutigen Oslo. Gänge von Grorudit gibt es auch nördlich von Larvik und an anderen Stellen im Oslograben.
Alle Grorudite zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Natrium aus, den sie mit vielen anderen Gesteinen des Oslograben teilen. Daraus resultiert die Anwesenheit von Ägirin, einem Natrium-Pyroxen. Ihm verdankt der Grorudit seine grüne Farbe, wobei es genau genommen sehr viele winzig kleine Ägirinnadeln sind, die die grüne Farbe verursachen. Auch die größeren, mit bloßem Auge erkennbaren, dunkelgrünen bis schwarzen Nadeln bestehen aus Ägirin, sind meist nur wenige Millimeter lang und in jedem Grorudit zu finden.
Im Unterschied zu den grünen, ägirinführenden Tinguaiten aus Schweden enthält Grorudit Quarz in der Grundmasse. Leider ist das nur im Dünnschliff erkennbar, sodass sich die Bestimmung eines Geschiebes auf das Erkennen von Ägirin und das Fehlen säureempfindlicher Minerale konzentrieren muss. Das kann schwierig sein und führt nicht immer zum Erfolg.

Die folgenden Handstücke stammen aus der Bröggerschen Referenzsammlung, ausgenommen das letzte. Bröggers kurze Erläuterung zu den Proben finden Sie in seinem Begleittext. (Als Faksimile hier.)

Bild 3: Grorudit Nr. 180a (Sandermyren)
(Probenetikett)
Bild 4: Kaum Feldspäte, aber dunkle Flecken

Bröggers Proben sind typische Grorudite: Sie bestehen aus einer feinkörnigen, grünlichen Grundmasse mit nur sehr wenigen Feldspäten und schwarzen Ägirinnadeln. Diese liegen immer einzeln, relativ weit verstreut und sind selten länger als einige Millimeter.
Dass es sich bei den schwarzen Nadeln um Ägirin handelt, kann man nur schließen, denn es gibt in ganz Skandinavien nur zwei grüne, porphyrische Gesteine mit schwarzen Nadeln: Grorudite und Särna-Tinguaite.

Bild 5: Grorudit Nr. 180 (Gruvsletten)
(Probenetikett)

Feldspateinsprenglinge findet man in Groruditen nur spärlich. Die einzige Ausnahme macht der Gang in Gruvsletten, der mehr Feldspäte als alle anderen Grorudite enthält.

Bild 6: Grorudit 180, Gruvsletten bei Grorud (Oslo)

Beachtenswert sind auch die dunklen Flecken in Probe 180a. Solche Flecken findet man gelegentlich auch in anderen Groruditen. Eventuell helfen sie bei der Bestimmung, denn bisher sind mir solche Flecken nur im Grorudit begegnet. Allerdings ist offen, in wie vielen Gängen diese Verfärbungen vorkommen.

Das nächste Bild zeigt Bröggers Probe 181.

Bild 7: Grorudit 181 (Kapteinsmyren)
(Probenetikett)

Dieser Grorudit kommt aus dem „Kapteinsmyren“, also dem „Kapitänsmoor“ oder „Hauptmannsmoor“, das in der Nordmarka nördlich von Oslo bei etwa
60.5418, 10.7057 liegt.

Bild 8: Grorudit 181 (Kapteinsmyren)

Die Nahaufnahme im Bild 8 zeigt sehr schön, dass nur wenige, vereinzelt liegende Ägirinnadeln in der feinkörnigen Grundmasse verstreut sind. Das gleiche gilt für die Feldspäte, die hier eher unscharf begrenzt sind.

Bild 9: Grorudit 160 (Tørteberg, Oslo)
(Probenetikett
)

Der Grorudit mit der Nummer 160 stammt vom Tørteberg, der im Stadtgebiet von Oslo liegt und sich bei etwa N 59.93637, E 10.71647 befindet.

Bild 10: Kleinste schwarze Nadeln in der Grundmasse

Die Vergrößerung von Bild 10 zeigt massenhaft winzige Nadeln, die nur wenige zehntel Millimeter lang sind. Da Brögger dieses Gestein als „Arfvedsonitgrorudit“ bezeichnet, wird es sich wohl um genau diesen Natrium-Amphibol handeln.
Trotz der winzig kleinen Amphibole in der Probe 160 bleibt die Regel zur makroskopischen Unterscheidung gültig: Grorudit und Särna-Tinguait lassen sich anhand der Menge der schwarzen Ägirinnadeln unterscheiden. Grorudite enthalten nur vereinzelt Ägirin, der nur wenige Millimeter lang ist. In den schwedischen Särna-Tinguaiten dagegen sind die Ägirinnadeln tendenziell länger und vor allem um ein Vielfaches zahlreicher.
Beachten Sie im Bild 10 auch den Feldspateinsprengling. Die perthitischen Entmischungen darin zeigen, dass es sich um Alkalifeldspat handelt. Nach Bröggers Beschreibungen sind das überwiegend Mikrokline, die sehr oft perthitische Entmischungen zeigen.

Ein Groruditgang im Gelände

Bild 11: Groruditgang beim Grefsenkollen

Wenn Sie bei einem Besuch in Oslo Zeit für einen Spaziergang haben, können Sie einen Groruditgang aufsuchen. Er befindet sich nordöstlich vom Grefsenkollen bei etwa N 59.96474, E 10.81880. Dort schneidet der Wanderweg einen Groruditgang, der wegen seiner Härte ein wenig emporragt.

Bild 12: Grorudit wurde bereits in der Steinzeit benutzt

Im Jahr 2012 gab es dort eine Tafel mit folgender Erläuterung:
„Steinaxtbruch. Der Groruditgang hier ist 5 bis 12 Meter breit und kann von Stig bis Sandermosen verfolgt werden. Er bildete sich, als vor 250 Millionen Jahren Magma in einer Spalte aufstieg und erstarrte. Die Menschen der Steinzeit benutzten dieses seltene, grüngraue Gestein für Äxte. Unter anderem, weil es so zäh ist. Vielleicht gewannen sie ihr Rohmaterial hier in der Nähe. Mineralogisch-Geologisches Museum, Außenverwaltung“.

Angemerkt sei noch, dass die Strecke von Stig bis Sandermosen etwa 7 Kilometer beträgt. Für einen Gang von nur einigen Metern Breite ist das schon eine beträchtliche Entfernung.
Wenn Sie vom Gang am Wanderweg eine eigene Probe nehmen wollen, dann tun Sie das bitte abseits und nicht direkt am Weg. Man sieht die Scharten einer Beprobung viele Jahrzehnte lang.

Der Grorudit aus diesem Gang sieht so aus:

Bild 13: Grorudit beim Grefsenkollen

Das mit bloßem Auge erkennbare Gefüge zeigt all das, was wir von Bröggers Proben kennen: Eine feinkörnige grüne Grundmasse mit einzelnen, verstreut liegenden schwarzen Nadeln von Ägirin und helle Feldspäte.

Bild 14: Die nasse Oberfläche ist intensiv grün

Die Bilder 14 und 15 zeigen das Gestein unter Wasser. Das ist ziemlich genau die Ansicht, die auch ein gerundetes, nasses Geschiebe bietet.

Bild 15: Grorudit mit nasser Oberfläche

Ein zweites Handstück enthält kantige Feldspäte und die bereits erwähnten dunklen Verfärbungen gibt es hier ebenfalls.

Bild 16: Auch hier Flecken in der Grundmasse
Bild 17: Xenolith im Grorudit

In einem Handstück aus diesem Gang steckt ein körniger Einschluss, ein Xenolith. Dass die schwarzen Nadeln darin ebenfalls Ägirin sind, liegt nahe, ist aber nur eine Vermutung. Sicher ist, dass sich dieser kleine Einschluss langsamer abkühlen und deshalb ein gröberes Korn ausbilden konnte.

Geschiebe

Groruditgeschiebe sind überaus selten. Es gibt sie nur in Gegenden mit einem nicht zu kleinen Anteil norwegischer Geschiebe. Ein verlässlicher Anzeiger dafür sind regelmäßig gefundene Rhombenporphyre. Fehlen die, gibt es sehr wahrscheinlich auch keine anderen Gesteine aus Norwegen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die wenigen bekannten Groruditgeschiebe meist aus Dänemark oder Schleswig-Holstein stammen. Prinzipiell kann man einen Grorudit zwar auch in Brandenburg oder in Sachsen finden, jedoch dürfte ein Lottogewinn wahrscheinlicher sein.

Meine Anmerkungen zu den folgenden Beispielen lassen erkennen, dass ich bei der Bestimmung eher strenge Kriterien anlege. Da es noch viele andere grüne Gesteine gibt, muss man genau hinschauen.

Grorudit
Bild 18: Groruditgeschiebe (Dänemark)

Das erste Beispiel stammt vom Ringkøbingfjord in Dänemark. Die nasse Oberfläche zeigt sehr schön die intensiv grüne Farbe, ebenso die schwarzen nadeligen Kristalle. Die Feldspäte machen wiederum nur einen kleinen Teil des Gesteins aus und damit sind alle typischen Merkmale eines Grorudits vorhanden.

Grorudit
Bild 19: Perfekte schwarze Nadeln

Das gilt auch für das zweite Geschiebe, ebenfalls vom Ringkøbingfjord:

Grorudit
Bild 20: Groruditgeschiebe
Die Ägirinnadeln aus der Nähe
Bild 21: Ägirin ist vorhanden
Xenolith
Bild 22: Xenolith mit viel Feldspat

Hier gibt es einen auffälligen Einschluss. Er besteht außen aus einer dunklen Grundmasse mit winzigen Feldspäten, was auf einen Dolerit deutet. Im Inneren sind offensichtlich mehrere Feldspäte miteinander verwachsen. Dabei erinnert die linke untere Ecke an die Rhomben eines Rhombenporphyrs. Ob das wirklich ein Stück Rhombenporphyr ist, können wir nicht klären. Es würde aber zu Bröggers Beschreibungen passen, denn er erwähnt Anorthoklas als seltenen Einsprengling im Grorudit.

Das nächste Geschiebe ist problematisch.

fraglicher Grorudit
Bild 23: Geschiebe aus Dänemark

Es gleicht den bisherigen Gesteinen, enthält aber erkennbar mehr Feldspäte. Ähnliches gibt es im Gang von Grusletten.

kein deutlicher Ägirin
Bild 24: Keine eindeutigen Ägrinkristalle

Schaut man sich in Ruhe die Vergrößerung an, findet man keine wirklich nadeligen dunklen Minerale. Einige sehen etwas länglich aus, aber eindeutig ist das nicht. Weil es schon viel zu viele Geschiebe gibt, die vielleicht das sind, was sich der Finder erhofft, sollte man dieses Stück lieber nicht als Grorudit bezeichnen. Ein Leitgeschiebe muss alle nötigen Merkmale zeigen, nicht nur einige. Das ist hier nicht der Fall.

Das letzte Geschiebe kommt von Sylt:

Könnte Grorudit sein
Bild 25: Groruditgeschiebe von Sylt

Die Unterseite zeigt in die richtige Richtung, aber es gibt noch keinen Ägirin. Da muss man ein wenig suchen.

Das ist ebenfalls Grorudit
Bild 26: Ägirinnadeln sind spärlich, aber vorhanden

An der Schmalseite findet sich nur ein einziger nadeliger Kristall. Das ist zwar wenig, aber weil der ganze Stein klein ist, kann man auch nicht viel mehr erwarten. Auch das ist ein Grorudit.
(Dieses Geschiebe wurde poliert und ist ein Geschenk von Herrn Heck aus Hemer.)

 

Ähnliche Gesteine

Es gibt viele ähnlich aussehende Gesteine mit grüner Färbung und einer feinkörnigen Grundmasse. Vergrünte Basalte oder Dolerite können einem Grorudit ähnlich sehen und sind gar nicht so selten. Als Gruppe bezeichnet man solche schwach metamorphen magmatischen Gesteine als „Grünstein“. Ihnen fehlt immer der Ägirin.

Weiter besteht die Möglichkeit, Grorudit mit einem Tinguait zu verwechseln. Särna-Tinguaite enthalten aber sehr viel mehr Ägirin als die Grorudite. Dazu ist der Ägirin oft auch noch größer, gelegentlich länger als 1 cm. Außerdem enthalten Tinguaite sehr viel mehr Feldspäte. Typische Särna-Tinguaite kann man daher nicht mit einem Grorudit verwechseln.
Sollte ein Tinguait allerdings sehr wenig Ägirin enthalten und außerdem noch sehr wenige Feldspäte, dann könnten sich beide Gesteine ähneln. Ich kenne allerdings keinen solchen Tinguait, aber ausgeschlossen ist das nicht. Dann könnte immerhin noch ein Salzsäuretest auf Nephelin Klarheit bringen.

Die wenigen bekannten norwegischen Tinguaite enthalten Ägirin nur in der Grundmasse und sehen einem Grorudit nicht ähnlich.
Das gilt auch für andere ägirinführende Alkaligesteine, die es zum Beispiel in Norra Kärr (Schweden) gibt. Sie haben ein komplett anderes Aussehen und können ebenfalls nicht mit einem Grorudit verwechselt werden.

Herkunft der Proben

Alle Proben bis einschließlich Bild 17 stammen aus Originalvorkommen in Norwegen.
Die Handstücke der Bilder 1-10 sind heute Teil der Sammlung der Universität Groningen, NL.
Die Geschiebe der Bilder 18-24 gehören Elke Figaj und wurden am Ringkøbingfjord gefunden.

Literatur

BRÖGGER W.C. (Waldemar Christopher Brøgger) 1894: Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes Teil I - Die Gesteine der Grorudit-Tinguait-Serie (Faksimile als PDF)

BRÖGGER W.C. (Waldemar Christopher Brøgger) 1906: Eine Sammlung der wichtigsten Typen der Eruptivgesteine des Kristianiagebietes nach ihren geologischen Verwandtschaftsbeziehungen geordnet. (Textdatei oder Faksimile)

DONS JA & LARSEN BT 1978 The Oslo Palaeorift. A review and guide to excursions,
Norges Geologiske Undersøkelse 337 (Bulletin 45) Universitetsforlaget, Oslo

LE MAITRE RW (Hrsg.), STRECKEISEN A, ZANETTI B, LE BAS MJ, BONIN B, BATEMAN P, BELLIENI G, DUDEK A, FREMOVA S, KELLER J, LAMAYRE J, SABINE PA, SCHMID R, SØRENSEN H, & WOOLEY A 2004 Igneous rocks: a classification and glossary of terms
[1st paperback ed.] - XVI + 236 S., zahlr. Abb., Cambridge etc. (Cambridge University Press).

MARESCH, SCHERTL, MEDENBACH, 2014: Gesteine. 2. Auflage, Schweizerbart Stuttgart

RAMBERG I, BRYHNI I, NOTTVEDT A, RAGNES K, 2008. The Making of a Land - Geology of Norway, Norsk Geologisk Forening, Trondheim

TRÖGER, W. Ehrenreich 1969: Spezielle Petrographie der Eruptivgesteine
Nachdruck durch den Verlag der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, 1969

VINX: Gesteinsbestimmung im Gelände. 4. Auflage, Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg 2015
ISBN 978-3-643-55417-9

Hinweis
Brøggers Schriften enthalten viele ungewöhnliche Gesteinsnamen. Um das Verständnis ein wenig zu erleichtern, habe ich eine Liste erstellt, die auf Trögers Analysen und die aktuelle Nomenklatur Bezug nimmt. Damit sollte es einfacher sein, eine Vorstellung zu bekommen, um welche Art von Gestein es jeweils geht.
Diese Liste finden Sie hier: Bröggers Gesteinsnamen

 

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