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Cordierit (Mg,Fe)2 Al4Si5O18

Cordierit ist eng mit den eben besprochenen Silikaten (Sillimanit, Andalusit, Disthen) verwandt und kommt in ähnlichen oder gleichen Gesteinen vor. Auch Cordierit bildet sich metamorph aus sedimentärem Ausgangsmaterial und zwar kontaktmetamorph ebenso wie bei Regionalmetamorphosen. Deshalb kommt er ebenso in den sogenannten Knotenschiefern vor wie auch in Gneisen. Letztere sind im skandinavischen Geschiebe regelmäßig zu finden.

Cordierit ist mit einer Härte von 7 nicht ritzbar. Er bricht muschelig uneben und hat nur eine undeutliche oder gar keine erkennbare Spaltbarkeit. Cordierit neigt dazu, andere Minerale zu umwachsen und ist häufig mit Biotit vergesellschaftet, den es dann einschließt. Eingewachsener Biotit ist ein wichtiges Indiz für die makroskopische Bestimmung.
Die auffälligste Eigenschaft von Cordierit aber ist sein Pleochroismus. Damit bezeichnet man Mehrfarbigkeit, die allein von der Blickrichtung, also der Orientierung des Kristallgitters abhängt. Um das zu sehen, benötigt man einen einzelnen Cordierit, der durchscheinend bis klar sein sollte. Seine Form spielt keine Rolle.
Je nach dem, wie man den Cordierit ins Licht hält, wechselt seine Farbe von Dunkelblau über Hellblau zu Blassgelb.
Cordierit mit kräftig blauer FarbecordieriteCordierit, schwache Färbung

Leider ist dieser Farbwechsel nur bei isolierten Kristallen und nicht bei den im Gestein eingebetteten Cordieriten zu beobachten. (Jedenfalls habe ich das noch nie sehen können.)
Für die makroskopische Gesteinsbestimmung sind vor allem zwei Gesichtspunkte relevant: Cordierit ist nur dann gut zu erkennen, wenn er frisch und intensiv bläulich gefärbt ist. Einbettende Gesteine sind dann mit großer Wahrscheinlichkeit Metasedimente. Allerdings kommt Cordierit auch in magmatischen Gesteinen vor.

Ein schönes und gut zugängliches Geschiebe mit Cordierit liegt in der Findlingsausstellung der ehemaligen Kalkgrube in Lieth bei Elmshorn. Der Stein stammt aus dem nördlich gelegenen Lägerdorf. Das erste Bild zeigt das ganze Geschiebe, die beiden Ausschnittbilder schönen blauen Cordierit auf der Oberfläche dieses Gneises.

Geschiebe mit Cordierit in LiethDieses Geschiebe ist ein Sörmlandgneis und ein typischer Vertreter skandinavischer Paragneise. Um die Cordierite zu sehen, empfiehlt es sich, bei Sonnenschein dort einzutreffen und Wasser zum Anfeuchten mitzubringen.


 

Einige Cordierite sind mehrere Zentimeter groß und haben unscharfe Ränder. Andere sind kleiner und scharf begrenzt.
Cordierit in Sörmlandgneis
Oben ist der Cordierit das blaue Mineral in der Bildmitte.
Unten siehe Pfeile.
Cordierit in Sörmlandgneis
(Vergrößerung ohne Beschriftung)
Die beiden Bildausschnitte befinden sich auf der Süd- und Südostseite des Steins in der oberen Hälfte und sind für Erwachsene stehend zu finden. (Die Koordinaten des Findlings sind: N 53.72145 E 9.67792. Der Stein liegt hangabwärts am unteren Ende.)
So schöne blaue Cordierite sind wirklich nicht häufig. Oft ist das Mineral nur blassgrau oder blaugrau und kann wegen seines muscheligen Bruchs mit Quarz verwechselt werden. Da Cordierit dazu neigt, andere Minerale zu umwachsen und oft zusammen mit Biotit vorkommt, sollten blaugraue oder graue Minerale mit vielen Biotiteinschlüssen genauer beachtet werden. (Quarz schließt normalerweise keine Biotitflocken ein.)
Beim Andalusit im vorigen Abschnitt hatte ich dieses Handstück hier links bereits vorgestellt. Wenn man sich nun das graue Mineral unter- und oberhalb des Andalusits ansieht, dann ist auch dies ein Kandidat für Cordierit.
cordieritführendes Metasediment
Die vielen eingewachsenen schwarzen Biotitflocken sprechen sehr dafür und ebenso die Tatsache, dass dies ein Metasediment ist. Hat man keine Möglichkeit zu einer Laboruntersuchung, so kann man zumindest Cordierit als Arbeitshypothese ins Auge fassen.

Aber Vorsicht! Nicht jedes blaugraue Mineral in einem Paragneis ist auch gleich ein Cordierit. Zur Warnung hier noch ein Gneis aus dem Südwesten Finnlands. (Für die Gegend dort verzeichnet die geologische Karte an mehreren Stellen Cordieritgneise.) Das unscharf begrenzte, bläuliche Mineral in der Mitte und im oberen Teil fiel mir schon im Steinbruch auf, denn es ist im Sonnenlicht intensiv blaugrau. Ich hoffte schon, schönen Cordierit gefunden zu haben.
Paragneis
Beim genaueren Hinsehen zeigte sich aber, dass das graublaue Mineral eine gute Spaltbarkeit hat und danach fand ich auch noch polysynthetische Verzwillingungen. Das hier ist Plagioklas.

Mit etwas Glück kann man auch im Västervik-Fleckengestein frischen, blauen Cordierit finden. In diesem geschnittenen Exemplar steckt in einigen der schwarzen Flecke auch frischer Cordierit. Vor allem oben links und rechts unterhalb der Bildmitte.
Cordierit in Västervik-Fleckengestein
Die schwarzen Flecke in den Västervik-Fleckengesteinen bestehen allesamt aus metamorph gesprossten Cordieriten, sind aber wegen der massiven Einlagerung von Biotit (+ eventuelle Alteration) ohne Hilfsmittel kaum als solche erkennbar.
Frischer, bläulicher Cordierit, so wie in diesem Handstück aus Börgö bei Västervik, ist eine Ausnahme.

Auch in kontaktmetamorph überprägten Sedimenten kommen Cordierite vor, die makroskopisch schwarz aussehen und sich durch eine getreidekornähnliche Form auszeichnen. Solche Gesteine werden deshalb auch als Fruchtschiefer oder Knotenschiefer bezeichnet.
Cordierit in Fruchtschiefer aus Theuma im Vogtland
Fruchtschiefer von Theuma im Vogtland. Blick auf die Schieferungsebene.
 

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 In Vorbereitung: Gefüge erkennen

 

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