Übersicht Südschweden Nordschweden Norwegen Finnland / Ostsee Rapakiwis
  alle Themen Süd- und Westküste Dalarna Oslogebiet Bornholm Einleitung
  Gesteinsliste Småland-Dalsland Nordschweden Finnland und Ostsee alle Rapakiwis
  Bildergalerie Stockholm-Värmland Sonstige Åland Texte
  Kontakt Metamorphite Bottensee


Gesteinsbildende Minerale: Feldspäte zurück nächste Seite

 

Feldspäte (Zum Beispiel Orthoklas KAlSi3O8)

Feldspäte sind die häufigsten gesteinsbildenden Minerale. Viele Gesteine bestehen überwiegend aus Feldspäten (und Quarz) und genau deshalb hat man diese Minerale in den Mittelpunkt der Gesteinsbestimmung gerückt.
Steinstrand in DänemarkRamberg-Granit im Tal der Bode bei Thale

Steinstrand und anstehender Granit - all das besteht überwiegend aus Feldspäten.

Feldspäte bestimmen

Es gibt zwei verschiedene Feldspäte: Alkalifeldspat und Plagioklas.
Beide haben eine Härte von etwa 6, sind also kaum oder nur mit Anstrengung zu ritzen. Ihre namensgebende Eigenschaft ist die Spaltbarkeit. Zerbricht man einen Feldspat, entstehen spiegelnde, ebene Spaltflächen, die einen rechten Winkel bilden (beim Alkalifeldspat) bzw. einen beinahe rechten Winkel beim Plagioklas. Wie das praktisch aussieht, zeigt das Bild eines Spaltstücks (hier Alkalifeldspat) auf der folgenden Seite. So ein Spaltstück entsteht, wenn ein Feldspat zerbrochen wird.
Orthoklas, SpaltstückSpaltstück Alkalifeldspat
Im linken Bild zeigen die glatten Spaltflächen nach links und nach oben. Die unebene Bruchfläche liegt vorn. Das Bild daneben zeigt den Blick genau auf die Bruchfläche, wobei der rechte Winkel zwischen den Spaltflächen schön erkennbar ist. Feldspäte haben zwei Spaltbarkeiten, deshalb gibt es Spaltflächen in zwei Richtungen. Die dritte ist immer rau. Erst bei drei Spaltbarkeiten würden alle Flächen auch Spaltflächen sein. Die Anzahl der Spaltbarkeiten ist typisch für die einzelnen Minerale.
Während das Bild oben ein Spaltstück zeigt, ist im nächsten Bild (unten links) ein unbeschädigter, vollständiger Feldspatkristall zu sehen. Solche Kristalle sind selten, da die Feldspäte beim Zerteilen der Gesteine meist zerbrechen.
idiomorpher Kalifeldspatkristall

idiomorphe (eigengestaltige) Feldspäte in einem porphyrischen Granit (Glazialgeschiebe, ursprünglich aus dem südöstlichen Aland)
Vergrößerung ohne Beschriftung
Meist sehen wir die Feldspäte in den Gesteinen nur im Querschnitt, wobei die Form von der zufälligen Richtung abhängt, in der sie im Gestein liegen.
Eigengestaltige („idiomorphe“) Kristalle erkennt man dann nur an ihren geraden Außenkanten und den symmetrischen Umrissen. Im Bild oberhalb sind die hell fleischfarbenen und die kleinen dunkelbraunen Feldspäte idiomorph (Pfeile). Von beiden gibt es Kristalle mit geraden Außenkanten und auch solche, die unregelmäßig aussehen. Die fleischfarbenen Kristalle sind Alkalifeldspäte, die dunklen Plagioklase. Das graue ist Quarz. In vielen Gesteinen überwiegt Alkalifeldspat, vor allem in bunten Graniten. Schwarz-weiße Gesteine dagegen enthalten mehr Plagioklas, oft ist er sogar einziger Feldspat.

Die Zusammensetzung der Feldspäte

Alle Feldspäte bestehen aus Aluminium, Silizium und Sauerstoff. Dazu kommen noch die Metalle Kalium, Natrium und Kalzium, die für die unterschiedlichen Eigenschaften der Feldspäte sorgen. Dargestellt wird die Zusammensetzung der Feldspäte in einem Dreieck.

Feldspatdreieck

An der linken Seite stehen die Alkalifeldspäte. Oben (hier blau) der reine Kalifeldspat, unten links der Natriumfeldspat Albit. Beide zusammen bilden die Alkalifeldspäte.
Die Plagioklase liegen unten an der Basis des Dreiecks. Plagioklase sind Mischkristalle aus Natriumfeldspat (Albit) und Kalziumfeldspat (Anorthit). Albit gehört also zu den Alkalifeldspäten und zu den Plagioklasen.
Es gibt in der Natur nur Feldspäte mit einer Zusammensetzung innerhalb der farbigen Felder. Feldspäte, deren Zusammensetzung innerhalb der schraffierten Zone liegen würde, kommen nicht vor, da solche Mischungen keine stabilen Kristalle bilden können. Die schraffierte Fläche ist die Mischungslücke der Feldspäte. Wie groß diese Lücke ist, hängt von der Temperatur ab.

Im ersten Diagramm (oben) ist die Mischungslücke für Normaltemperatur skizziert, das zweite hier unterhalb zeigt die Verhältnisse bei hoher Temperatur.

Feldspatdreieck

Die Mischungslücke betrifft vor allem die Alkalifeldspäte an der linken Flanke. Bei hoher Temperatur sind alle Mischungen möglich, während bei niedriger Temperatur die Mischbarkeit stark abnimmt.
Das bedeutet: Ein Feldspat, der zur Hälfte aus beiden Anteilen bestehen würde (gelber Pfeil), kann nur bei hohen Temperaturen einen einzigen, homogenen Kristall bilden.

Feldspat, Entmischungslücke

Bei sinkender Temperatur gerät er in die Mischungslücke und zerfällt in zwei Komponenten (Pfeile).

Feldspatdreieck, Entmischung

Bei dieser Entmischung bleibt der Feldspatkristall erhalten, aber die Trennung von Kalifeldspat und Albit wird sichtbar. Die Natriumkomponente (Albit) scheidet sich in Form heller Streifen im Kalifeldspat ab. Diese Streifen nennt man perthitische Entmischungen.
perthitische Entmischungenperthitische Entmischungen
Die hellen Streifen in diesem braunen Feldspat sind die perthitischen Entmischungen. Sie sind ein sicheres Erkennungsmerkmal für Alkalifeldspäte. Diese Entmischungen erscheinen als helle Streifen bzw. schlanke Spindeln, die nicht sehr lang sind. Sie sind immer leicht unregelmäßig und manchmal auch etwas knotig.

Man findet diese Entmischungen nur in Gesteinen, die ausreichend langsam abkühlen konnten, denn sie brauchen viel Zeit zu ihrer Bildung. Dazu noch weitere Beispiele:
perthitische Entmischungenperthitische Entmischungen
Links: Der Alkalifeldspatkristall in der Mitte hat die perthitischen Entmischungen nur in den gelbfleckigen Teilen. Das umgebende hellrötliche Mineral ist zwar ebenfalls Alkalifeldspat, hier aber ohne perthitische Entmischungen. Rechts: Die Entmischungen sehen etwas knotig aus. Im unteren Teil des Kristalls zeichnet der entmischte Albit die äußere Kontur des Kristalls nach.

Unten links: Die beiden braun-fleckigen Kristalle im Bild sind die Alkalifeldspäte. Sie stecken voller perthitischer Entmischungen, die zum Teil sehr klein sind (Pfeile). Das kräftig blaue Mineral ist Quarz.
Im Bild rechts ist ein Alkalifeldspat zu sehen, in dem die perthitischen Entmischungen die Umrisse früherer Wachstumsperioden nachzeichnen. Das ist aber keine echte Zonierung, bei der sich die chemische Zusammensetzung des Minerals von innen nach außen langsam geändert hat, denn die gibt es nur bei Plagioklasen. Hier hat sich der entmischte Albit so abgeschieden, dass er das Kristallwachstum nachzeichnet.
perthitische Entmischungen im Kalifeldspatzoniert eingelagerte perthitische Entmischungen in Kalifeldspat

Unten: Senkrecht verlaufende perthitische Entmischungen. Die rötlichen Linien sind Risse im Feldspat.
perthitische Entmischungen

Wenn Sie Ihre ersten Entmischungen suchen, empfehlen sich grobkörnige und bunte Gesteine. Konzentrieren Sie sich auf die großen, kräftig gefärbten Einsprenglinge, denn das sind die Alkalifeldspäte. Je größer die Feldspäte, desto leichter finden Sie die Entmischungslamellen. Allerdings ist nicht jeder Alkalifeldspat entmischt, denn die Bildung der perthitischen Entmischungen hängt von der Zusammensetzung und der Abkühlungsgeschichte des Gesteins ab.

Zwillingsbildungen bei Feldspäten

Alle Feldspäte bilden Zwillinge. Skizze Karlsbader Zwilling (Nach: Okrusch, Matthes - Mineralogie)Damit ist gemeint, dass sich zwei oder mehr Kristalle zu einem größeren verbinden. Diese Zwillinge sehen je nach Feldspat verschieden aus und sind eine wichtige Hilfe bei der Bestimmung der Gesteine.

Karlsbader Zwillinge beim Alkalifeldspat 

Dieser Zwilling besteht aus zwei Kristallen, die wie zwei Hände miteinander verschränkt sind und wird „Karlsbader Zwilling“ genannt. Die Erstbeschreibung wurde an Feldspäten aus der Gegend um Karlsbad gemacht, daher der Name. Die Skizze zeigt das Prinzip.
Die Fotos zeigen ein sehr großes Exemplar aus Karlsbad.
Karlsbader ZwillingKarlsbader Zwilling, Carlsbad Twinning, felspar twinning
So ein von der Verwitterung freigelegter, isolierter Zwilling ist selten und soll hier nur helfen, das Aussehen dieser Doppelkristalle zu verstehen. In Gesteinen erkennt man sie daran, dass nur ein Teil des Feldspatkristalls spiegelt. Da jeder Zwilling ein eigenes Kristallgitter hat, reflektiert immer nur eine der beiden Hälften. Im linken Bild ist das die linke Teilfläche. Rechts ist der komplette Kristall markiert.
Karlsbader ZwillingCarlsbad Twinning, felspar twinning
Die rechte Teilfläche spiegelt erst dann, wenn das Licht aus ganz anderer Richtung einfällt. Solche teilweise spiegelnden Feldspäte suchen Sie bei der Gesteinsbestimmung.
Ostsee-Rapakiwi mit Karlsbader Zwillingen, Carlsbad Twinning, felspar twinning
(Reflexe als Animation zeigen.)
Das obere Bild zeigt einen porphyrischen Granit mit mehreren Karlsbader Zwillingen. Unten spiegelt ein einzelner gerundeter Feldspat, der aus einem Karlsbader Zwilling besteht. Für beide Bilder gibt es eine Animation. 
(Ovoid als Animation zeigen)
Zwilling in Ovoid, twinning in rapakivi

So ein Karlsbader Zwilling muss weder genau in der Mitte noch exakt in Längsrichtung geteilt sein. Die Naht zwischen beiden Hälften kann geknickt sein oder schräg verlaufen. Manchmal spiegelt nur ein kleines oder besonders großes Stück, immer aber gibt es einen nicht reflektierenden Anteil am Kristall.
Ava-Granit mit Karlsbader Zwilling, Carlsbad Twinning, felspar twinning
Hier ist die obere, nicht spiegelnde Hälfte kleiner als der reflektierende Teil. Der ganze Feldspat reicht bis zum hellblauen Quarz oben.
Wie groß die jeweiligen Hälften erscheinen, hängt allein von der Richtung ab, in der der Zwilling zerteilt wurde und die ist völlig zufällig.

Für die Bestimmung als Alkalifeldspat genügt es, wenn Sie Karlsbader Zwillinge oder perthitische Entmischungen oder beides bei einigen Feldspäten finden. Sie können dann davon ausgehen, dass in diesem Gestein auch alle anderen Feldspäte mit gleicher Farbe Alkalifeldspäte sind. Das Fehlen von perthitischen Entmischungen oder Karlsbader Zwillingen erlaubt jedoch nicht den Umkehrschluss, dass dieses Mineral kein Alkalifeldspat sei. Viele Alkalifeldspäte haben weder erkennbare Zwillinge noch perthitische Entmischungen.

Orthoklas und Mikroklin

In Gesteinsbeschreibungen findet man die Begriffe „Orthoklas“ und „Mikroklin“. Beide beziehen sich auf das Kristallgitter der Kalifeldspäte, das je nach Abkühlungsgeschwindigkeit unterschiedlich symmetrisch ist. Ob ein Kalifeldspat als Orthoklas oder als Mikroklin vorliegt, ist nur mit einem Mikroskop zu klären und für die Bestimmung von Hand ohne Belang. Die meisten Kalifeldspäte sind Orthoklase.
Mikroklin benötigt eine besonders langsame Abkühlung und viele Mikrokline zeigen starke perthitische Entmischungen, die ja ebenfalls nur bei langsamer Abkühlung entstehen.

Sanidin

Sanidin ist ein Alkalifeldspat, der besonders schnell abkühlte und deshalb keine perthitische Entmischung bilden konnte. Er ist neben Orthoklas und Mikroklin die dritte
kristallographische Variante von Kalifeldspat und kommt ausschließlich in Vulkaniten vor. Typische Gesteine sind Rhyolithe, Trachyte oder Phonolithe. Sanidin ist im Idealfall glasklar und idiomorph. Das Bild zeigt solche völlig klaren Sanidinkristalle in einem Phonolith aus der Eifel.
Sanidin
Unten: Zwei Vulkanite mit jeweils hellen Sanidinen als Einsprenglinge. In beiden Gesteinen sind die Sanidine rissig und deshalb trüb.
saninide

Sanidin, Hauyn

Unten: Auch der Sanidin im Trachyt vom Drachenfels ist stark rissig.Saninidine, Drachenfels
Wegen der vielen parallelen Risse könnte man hier auch perthitische Entmischungen vermuten. Das trifft aber nicht zu, denn der Feldspat ist zwischen den Rissen klar. Dazu muss man genau hinsehen. Außerdem ist das einbettende Gestein ein feinkörniger Vulkanit, in dem es grundsätzlich keine perthitischen Entmischungen gibt. Die findet man nur in den deutlich körnigeren Tiefengesteinen, weil nur diese sich ausreichend langsam abkühlen.
Sanidin, Drachenfels

Für die Bestimmung der Gesteine ist die Unterscheidung von Sanidin und Orthoklas nur eine Ergänzung, denn beide sind Alkalifeldspäte.
 

Zwillinge bei Plagioklas 

Plagioklaszwillinge bestehen aus einer Vielzahl hauchdünner Scheiben, die dicht an dicht liegen und gemeinsam einen Kristall bilden. Diese Verwachsung nennt man polysynthetische Verzwillingung. Sie sind nur mit einer Lupe zu erkennen und erscheinen als feine, streng parallele Linien, die wie mit dem Lineal gezogen sind.
polysynthetische Verwillingung, polysynthetic twinning
Diese dünnen, schnurgeraden Linien sind ein sicheres Kennzeichen für Plagioklas. Sie sind nur auf den spiegelnden Spaltflächen zu sehen. Deshalb müssen Sie zuerst die Feldspäte in Reflexionsstellung bringen und dann mit der Lupe in der glänzenden Fläche nach den feinen Linien suchen.
polysynthetische Verwillingung, polysynthetic twinning

polysynthetische Verwillingung, polysynthetic twinning
Im Gegensatz zu den bisherigen Kennzeichen der Alkalifeldspäte treten die polysynthetischen Verzwillingungen der Plagioklase verlässlich auf, sofern das Gestein nicht stark zersetzt ist. Die Zwillingsstreifen sind meistens sehr klein, Sie müssen deshalb genau hinschauen.
Viele Plagioklase bilden schlanke Tafeln im Gestein. Diese zeigen die Zwillingsstreifen nur auf der schmalen Seite.

Die polysynthetischen Verzwillingungen zu erkennen, erfordert vom Anfänger Geduld und viel Übung. Die Streifen können so winzig wie ein Haar sein. Wenn Sie Plagioklase vermuten, aber nicht voran kommen, nehmen Sie den Stein anders in die Hand und achten Sie auf ausreichendes Licht. Am besten benutzen Sie eine kräftige Lampe oder direktes Sonnenlicht.
Verzwillingungen, die perfekt vom linken bis zum rechten Rand des Feldspats reichen, sind nicht die Regel. Oft sind die Streifen nur in einem Teil des Kristalls zu erkennen, was für die Bestimmung aber völlig ausreicht. In den folgenden Beispielen sind die Plagioklaszwillinge eindeutig zu sehen, wenn auch nur in einem Teil der Feldspäte.
polysynthetische Streifung

polysynthetische Verwillingung, polysynthetic twinning

Der folgende Plagioklas ist noch kleiner:
Plagioklaszwillinge in Gabbro
Es geht um den schlanken Kristall, der oberhalb der Mitte fast senkrecht steht. Der Plagioklas ist etwa 1 mm breit und zeigt nur in der linken Hälfte die Zwillingsstreifen. Das ist nicht viel, aber völlig ausreichend. Vergrößern Sie das Bild, um Einzelheiten zu erkennen, rechts ist der ganze Kristall markiert. Auch allen anderen weißen Minerale hier sind Plagioklase. Um ihre Spaltflächen zu sehen, muss man den Stein bewegen.

Spätestens hier wird klar, warum man mit einer normalen Leselupe scheitert. Ohne die polysynthetischen Zwillingsstreifen können Sie keine Plagioklase erkennen und ohne Plagioklase gibt es keine Gesteinsbestimmung.

An dieser Stelle ein Blick zurück zu den Alkalifeldspäten. Bei deren halbseitig spiegelnden Karlsbader Zwillingen lauert nämlich eine Falle. Manchmal sind bei den Plagioklasen die Zwillingsstreifen zu größeren Gruppen verbunden. Dann spiegelt der Kristall zur Hälfte und es sieht aus, als hätten Sie einen Karlsbader Zwilling vor sich. Im linken Bild ist es der Kristall oben rechts. Rechts die Vergrößerung.
polysynthetische Verwillingung, Unterschied zum Karlsbader Zwillingpolysynthetische Verwillingung, Unterschied zum Karlsbader Zwilling
Nur wenn Sie hier mit der Lupe genau hinsehen, sehen Sie in der spiegelnden Hälfte die Plagioklaszwillinge. Das ist etwas gemein, zugegeben. So lange Sie aber alle Feldspäte mit der Lupe kontrollieren, kann Ihnen nichts passieren. Solche (seltenen) Fälle entdecken Sie dann rechtzeitig.
Der zweite Hinweis auf Plagioklas steckt übrigens in der Farbe des Kristalls. Grünliche Feldspäte sind ein starkes Indiz für Plagioklas, bei dem eine chemische Zersetzung („Alteration“) begonnen hat. Dazu gleich mehr.

Verwechselungen
Es gibt Strukturen, die den polysynthetischen Verzwillingungen ähnlich sehen. So finden Sie ohne Mühe parallele Linien in den schillernden Feldspatkristallen im Larvikit (nächstes Bild). Das sind keine polysynthetischen Verzwillingungen, sondern (vermutlich) Spaltbarkeiten, zum Teil auch Risse. Der entscheidende Unterschied ist, dass diese Strukturen immer erkennbar sind, egal wie das Licht einfällt. Genau das gilt aber nicht für polysynthetische Verzwillingung, denn die sind immer nur auf reflektierenden Spaltflächen zu sehen.
Larvikite, keine Plagioklase, no polysynthetic twinning
Das folgende Bild zeigt die Oberfläche eines Kalzitkristalls. In Kalzit kommen ebenfalls Zwillinge vor, die denen der Plagioklase ähneln. Kalzit ist aber erheblich weicher als Plagioklas. Hier hilft es also bereits, auf die Härte des Minerals zu achten. (Es gibt weitere Unterschiede, die beim Kalzit besprochen werden.)
Kalzit - Zwillingsstreifung

Zuletzt noch einmal besonders kräftige perthitische Entmischungen. Das Mineral ist natürlich ein Kalifeldspat, denn seine perthitischen Entmischungen sind immer sichtbar und nicht an Spaltflächen gebunden. Außerdem sind diese Entmischungen niemals so gerade und dünn wie die Zwillinge der Plagioklase. Sie zu verwechseln, wäre nur bei sehr oberflächlicher Betrachtung möglich.
Alkalifeldspat mit perthitischen Entmischungen (Windkanter)

 

Alteration von Plagioklas

Alteration ist die Zersetzung bzw. der Umbau von Mineralen bei hohem Druck und Temperaturen von mehreren hundert Grad. Verantwortlich sind vor allem Wasser und CO2 im überkritischen Zustand, die man dann als Fluide bezeichnet. Diese Fluide greifen unter anderem Plagioklas an, der chemisch weniger stabil ist als Alkalifeldspat. Manchmal beginnt diese Zersetzung schon bei der Abkühlung des noch heißen, eben erstarrten Gesteins. Die Alteration der Plagioklase beginnt mit einer schwachen Grünfärbung im Inneren der Kristalle. Mit zunehmender Zersetzung vergrünen die Plagioklase komplett und verlieren dann meist auch ihre polysynthetischen Verzwillingungen. Vergrünte Feldspäte sind deshalb immer ein starkes Indiz für Plagioklas. Ursache für die Verfärbung ist die Neubildung des Minerals Epidot.
Manche Plagioklase werden durch Alteration so stark zersetzt, dass sie kaum noch zu erkennen sind. Im folgenden Bild ist der Kristall oben links ein Plagioklas bzw. das, was davon noch übrig ist. Die Zersetzung fand bereits innerhalb des Gesteins statt, der Plagioklas kam beim Zerteilen so zum Vorschein.
Im Gesteine alterierter Plagioklas
Oben: Zersetzter Plagioklas in Granit.
Unten: Vergrünte Plagioklase in einem Porphyr.
vergrünte Plagioklase in einem Porphyr

Alteration ist an hohe Temperatur und hohen Druck gebunden und darf nicht mit Verwitterung verwechselt werden, die bei normaler Temperatur und an der Erdoberfläche stattfindet.
Plagioklase sind generell empfindlicher als Alkalifeldspäte. Das betrifft Alteration ebenso wie Verwitterung. Plagioklase zersetzen sich auch auf der Oberfläche von Gesteinen, die Wind und Wetter ausgesetzt sind, werden weiß und können langfristig völlig verschwinden. Zurück bleiben dann nur Löcher mit ihren Umrissen.

Um Gesteinsbeschreibungen zu verstehen, sollten Sie die Gliederung der Plagioklasreihe kennen. Gemeint sind die Begriffe: Albit, Oligoklas, Andesin, Bytownit, Labradorit und Anorthit. Sie wurden in der Vergangenheit benutzt, um den Gehalt der Plagioklase an Natrium bzw. Kalzium zu beschreiben. Die Reihe beginnt mit dem Natriumplagioklas (Albit) und endet mit dem kalziumbetonten Anorthit.
Heute werden diese Angaben in der Regel in Form tief gestellter Prozentangaben zum Anorthitgehalt (An) gemacht:

  • Albit: Na[AlSi3O8] Anorthitgehalt von 0 bis 10 %. (An0-An10)

  • Oligoklas: Anorthitgehalt von 10 % bis 30 %. (An10-An30)

  • Andesin: Anorthitgehalt von 30 % bis 50 %. (An30-An50)

  • Labradorit: Anorthitgehalt von 50 % bis 70 % (An50-An70)

  • Bytownit: Anorthitgehalt von 70 % bis 90 % (An70-An90)

  • Anorthit: Ca[Al2Si2O8] Anorthitgehalt 90% bis 100 % (An90-An100)

Verwechseln Sie bitte den Plagioklas Anorthit nicht mit Anorthoklas (ein Feldspat-Mischkristall) oder Anorthosit, einem Gestein, das nur aus Plagioklas besteht.

Cleavelandit

Cleavelandit ist ein fast reiner Albit (Natriumfeldspat) mit einer blättrig-tafeligen Kristallausbildung. Ich zeige ihn hier nur der Vollständigkeit halber, denn er ist so selten, dass er bei der Gesteinsbestimmung keine Rolle spielt.

cleavelandite

cleavelandit

 

Praktische Regeln zur Unterscheidung der Feldspäte

Feldspäte sind die dominierenden Minerale in vielen Gesteinen. Fast alle hellen Minerale, sofern kein Quarz, sind Feldspäte. Zur Unterscheidung der beiden Typen helfen folgende Regeln. (Diese Regeln gelten sehr oft, aber es gibt Ausnahmen.)

  • Gibt es zwei Sorten Feldspäte und ist eine davon deutlich größer als die andere, dann sind die größeren die Alkalifeldspäte.

  • Gibt es zwei Feldspäte und ist einer davon bräunlich, rötlich oder von anderer kräftiger Farbe, dann ist das fast immer der Alkalifeldspat. Die Plagioklase in diesen Gesteinen sind meist weiß oder blass-gelblich oder transparent.

  • In seltenen Fällen kann Plagioklas rotbraun sein. Auch dann sind die Alkalifeldspäte größer und haben meist eine hell rötliche bis blass fleischfarbene Tönung. (Das gilt vor allem für Geschiebe aus Skandinavien.)

  • In Gesteinen mit nur einem Feldspat handelt es sich um Alkalifeldspat, wenn er braun, rötlich oder fleischfarben aussieht.

  • Sind die Feldspäte weiß, muss genau kontrolliert werden, ob es einen oder zwei Feldspäte gibt. Findet man zwei, kann es sich um Granit oder Granodiorit handeln, dann ist immer auch Quarz vorhanden.

  • Bei nur einem Feldspat (weiß oder transparent), wird der in einem schwarz-weißen Gestein sehr wahrscheinlich Plagioklas sein, unabhängig vom Quarzgehalt.

  • Ebenso kann man Plagioklase erwarten, wenn einheitlich weiße oder schwach grünliche Einsprenglinge in einer dunklen Grundmasse stecken.

  • Auf angewitterten Oberflächen werden die leichter verwitternden Plagioklase nach einiger Zeit weiß und fehlen später ganz. Alkalifeldspäte verwittern viel langsamer als Plagioklase.

  • Alteration färbt Plagioklase grünlich, beginnend im Inneren der Kristalle.

  • Es gibt keine lackschwarzen oder silbrig glänzenden Feldspäte.

Die folgenden Beispiele illustrieren einige dieser Regeln.
Minerale im Granit
(Vergrößerung ohne Beschriftung)

Die Bilder (oben und unten) zeigen grobkörnige Granite. In beiden ist der Alkalifeldspat braun oder rötlich, während die Plagioklase hell oder fast weiß aussehen. So sehen viele magmatische Gesteine aus: Größere Alkalifeldspäte mit kräftigen Farben, daneben kleinere Plagioklase, die blasser gefärbt sind.
(Regel 1 und 2)
Quarz ist grau oder auch blau.
Örebro-Granit, porphyrischer Granit

Im Glazialgeschiebe findet man vereinzelt Gesteine mit rotbraunem Plagioklas. Ich zeige Ihnen zwei der häufigeren Vertreter. Das ist zum einen der Kökar-Rapakiwi aus dem Südosten der Ålandinseln:
porphyrischer Granit mit braunem Plagioklas
(Vergrößerung ohne Beschriftung)

Unten ein Lemland-Granit, der ebenfalls von Åland kommt und südlich der Hauptinsel ansteht. (Afs = Alkalifeldspat, PL = Plagioklas)
porphyrischer Lemland-Granit
(Vergrößerung ohne Beschriftung)

Unten: Beispiele für Gesteine, die nur einen Feldspat enthalten.
gleichkörniger GranitGabbro
Der Granit links besteht nur aus blassrötlichem Alkalifeldspat und Quarz. Der Gabbro rechts sieht, wie alle Gabbros, schwarz-weiß aus und enthält als einzigen Feldspat hellen Plagioklas.
Gesteine, die Plagioklas als einzigen Feldspat enthalten, sind praktisch immer schwarz-weiß (Regel 5). Dazu noch zwei Beispiele:
DioritDiabas = Dolerite
Das gleichkörnige Gestein links ist ein Diorit, der im Norden der Insel Föglö (Åland) ansteht. Als loser Stein gefunden, wäre er nicht sicher von einem Gabbro zu unterscheiden, denn dazu müsste man den genauen Kalziumgehalt der Plagioklase kennen. Das geht nicht von Hand, dazu braucht man ein Labor.
Zur Unterscheidung von Gabbro und Diorit kann man sich als Hilfe merken, dass Diorite tendenziell heller als Gabbros sind. Außerdem ist das dunkle Mineral in Gabbros Pyroxen, während in Dioriten viel eher Biotit oder Amphibol vorkommen. Beides sind Indizien, nicht mehr.
Das Bild rechts oben zeigt einen der vielen Diabase (= Dolerite) aus dem nordischen Geschiebe. Das sind immer Gesteine mit Plagioklaskristallen in einer dunklen, feinkörnigen Grundmasse. Beachten Sie die schwache Grünfärbung des ganzen Steins. Das ist ein Zeichen für leichte Alteration.

Die Regel, dass plagioklasbetonte Gesteine schwarz-weiß aussehen, erlaubt nicht den Umkehrschluss, dass alles, was wie Salz und Pfeffer aussieht, automatisch nur Plagioklas enthält. Es gibt durchaus weißen Alkalifeldspat und damit auch sehr helle Granite. Der gleichkörnige Greifenstein-Granit aus Sachsen oder der grob porphyrische Falkenberg-Granit aus Oberfranken sind Beispiele dafür.
Greifenstein-Granit

Falkenberg-Granit aus Oberfranken

An der präzisen Bestimmung der Feldspäte führt deshalb kein Weg vorbei. Das kann in Einzelfällen mühsam sein und manchmal kommt man als Amateur dabei an seine Grenzen. Wenn die Feldspäte nicht sicher bestimmbar sind, ist es besser, den Namen offen zu lassen, als sich vorschnell festzulegen.
 

 

Nächste Seite: Feldspatvertreter (Foide)
 

  Druckfassung (pdf)

Die Browseransicht speichern

Bilder benutzen   -   terms of use

  nach oben

Anfang

Übersicht