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Varberg-Charnockit:

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Dieses ungewöhnliche Gestein gehört zu den Leitgeschieben aus dem südwestschwedischen Gneisgebiet. Es ist in Varberg und südlich davon in einigen kleineren Vorkommen zu finden, wobei in Varberg mit Abstand das meiste Gestein ansteht. Südlich der Festung besteht die Küste aus dem grünen Charnockit.
Gelegentlich finden sich auch eine gelblich-braune Variante, aber die Masse des Gesteins zeigt ein magmatisches bis gneissiges, von schwarzen Mineralen durchzogenes dunkelgrünes Gefüge.
Das Gestein wurde auch als Varberg-Granit bezeichnet. Rein äußerlich gleicht es in der Tat magmatischen Gesteinen, eine genauere Untersuchung zeigt jedoch, daß es sich um ein metamorphes Gestein handelt. Im Handstück zeigen sich hin und wieder kleine rotbraune Granate - ein erster Hinweis.
Unter dem Mikroskop erweist sich, daß das Gestein Hypersthen und Diopsid enthält. Beide Minerale entstehen nur bei sehr hohen Drücken.
Die Feldspäte im Gestein sind Orthoklas und Mikroklinperthit. Als dunkle Minerale finden sich Augit und Hornblende, wobei letztere bei der Druckentlastung des Gesteins nachträglich neu gebildet wurde. Man bezeichnet diesen Vorgang als retrograde Metamorphose.
Der Varberg-Charnockit war so hohen Druck- und Temperaturbelastungen (Granulitfazies) ausgesetzt, daß bei Anwesenheit von Wasser eine teilweise Aufschmelzung eingesetzt hätte und ein Migmatit gebildet worden wäre.
 
Im Geschiebe ist dieser Charnockit selten, da sein Herkunftsgebiet ziemlich klein ist.
Man kann aber im Straßenpflaster Norddeutschlands und Dänemarks gelegentlich die grünen Steine entdecken, da es um die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts einen regen Abbau und Export des Gesteins gab. Insbesondere als Straßenpflaster hat der Charnockit seinen Weg auch nach Deutschland gefunden. Einen Beleg dafür fand ich in einem Bauschutthaufen unweit von Schwerin, der einen Pflasterstein aus Varberg-Charnockit enthielt. Dieser hatte ziemlich lange im Straßenpflaster, vermutlich in Schwerin, verbracht und war dann „entsorgt" worden.
Die Festung im schwedischen Varberg ist ebenfalls zu einem großen Teil aus dem Charnockit erbaut.
Das erste Bild zeigt eine Probe aus Varberg. Das gestreckte Gefüge mit den grünschwarzen Mineralen ist typisch. Oben in der Probe spiegelt ein größerer Kalifeldspat.
 
Varberg-Charnockit
 
Im nächsten Bild sehen Sie die etwas bräunlichere Variante des Charnockits.
Sie nimmt im Anstehenden nur einen kleinen Teil ein. Wenn das Gestein eine Verwitterungskruste entwickelt (z.B. in einer Kiesgrube), so ist diese ebenfalls gelblich und recht hell.
Das Gneisgefüge ist im polierten Schnitt besonders gut zu erkennen.
 
gelblicher Charnockit
 
Detail Varberg Charnockit
 
Auch wenn Geschiebe nicht sehr häufig sind, so kann man Charnockite durchaus finden. Vermutlich werden aber die meisten übersehen, da das Gestein für den, der es nicht kennt, ziemlich unattraktiv aussieht.
Ich erinnere mich noch deutlich, wie befremdet ich über das Interesse an diesem "langweiligen" Stein war, als ich ganz am Anfang meiner Leidenschaft bei einem Fund daneben stand. Heute sehe ich das ganz anders.
Man kann auffälligere Gesteine als Indikator benutzen. Wenn sich norwegische oder südwestschwedische Geschiebe finden wie zum Beispiel Rhombenporhyre, Schonengranulite oder Flammenpegmatit, dann sollte man aufmerksam sein. Das Eis hat dann das Gebiet von Varberg ebenfalls überfahren und der Charnockit kann vorhanden sein.
Das Bild unterhalb zeigt einen Ausschnitt von einem Geschiebe, daß ich am Bülker Leuchtturm bei Kiel fand.
 
Charnockit aus dem Geschiebe bei Kiel
 
Die Namensgebung des Charnockits ist ein schönes Beispiel für trockenen Humor.
Die Erstbeschreibung dieses Gesteins stammt Sir T. H. Holland und wurde anhand einer Probe gemacht, die vom St.Thomas-Berg in Indien stammte. Aus dem gleichen Material ist auch das Grabmal von Job Charnock (gestorben 1693) in Kalkutta errichtet. Charnock war kein Geologe, er wird als der Gründer der Stadt Kalkutta betrachtet. Er lieferte über den Umweg seines Grabsteins nur den Namen für dieses ungewöhnliche Gestein.