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Amphibole (Hornblenden)
(Na,K)0–1(Ca,Na)2(Mg,Fe2+,Fe3+,Al)5[(OH,F)2/(Si,Al)2Si6O22]

Amphibole bilden eine komplexe Mineralgruppe, deren einzelne Mitglieder für einen Amateur nicht zu bestimmen sind. Im Gelände genügt es völlig, Amphibole überhaupt zu erkennen.
Manchmal wird der Begriff „Hornblende“ benutzt, wenn es um Amphibole geht. Hornblende ist ein Amphibol mit definierter Zusammensetzung und die Amphibole in vielen Gesteinen sind in der Tat Hornblenden. Trotzdem gilt: Hornblende ist nur einer unter vielen Amphibolen und nicht jeder Amphibol ist eine Hornblende. Da wir die genaue Zusammensetzung der Minerale nicht kennen, ist es sinnvoll, von „Amphibol“ zu reden.

Amphibole erkennen

Alle Amphibole haben zwei sehr gute Spaltbarkeiten und eine Härte von etwa 6. Die sehr gute Spaltbarkeit zeigt sich an den glatten, spiegelnden Spaltflächen, deren Glanz mit dem frischer Feldspäte vergleichbar ist. Ebenso wie Feldspäte bilden auch Amphibole in sich gestufte Spaltflächen und ebenso wie ein Feldspat spiegeln Amphibole im Ganzen, wenn sie ins Licht gedreht werden. Das intensive Glitzern der Amphibole fällt jedem auf, der das Mineral in der Hand hält.
Ampbibol, Hornblende
(Spiegelung als Animation)

Ampbibol, Hornblende

Amphibole kommen oft zusammen mit Biotit vor, der einen ähnlich starken Glanz hat. Vergleicht man beide, zeigen sich zwei Unterschiede. Erstens sind Amphibole meist tiefschwarz, während die Biotitschuppen am Rand etwas durchscheinend sind und manchmal auch einen Braunton aufweisen. Zweitens sind die Spaltflächen der Glimmer oft etwas verbogen und wellig, während Amphibole glatte Spaltflächen haben.

Amphibole gibt es in magmatischen Gesteinen ebenso wie in metamorphen, vor allem in solchen mit höheren Metamorphosegraden (Amphibolitfazies). In magmatischen Gesteinen ist der Amphibol fast immer tiefschwarz, in metamorphen Gesteinen kommen schwarzgrüne und grüne Farben hinzu.
Die Amphibole in magmatischen Gesteinen sehen meist gedrungen aus, während man in metamorphen Gesteinen auch schlanke oder nadelförmige Amphibole findet. Diese Kristalle stecken oft in einer feinkörnigen Matrix und sind dort erst während der Metamorphose gewachsen. Sie sind dann keine Einsprenglinge, sondern Porphyroblasten.

Im Glazialgeschiebe aus Skandinavien kommen regelmäßig Amphibolite vor. Sie bestehen überwiegend aus schwarzem Amphibol und stellen metamorph umgewandelte, ehemalige Gabbros bzw. mafische Ganggesteine dar. In Amphiboliten bilden die Amphibole zusammen mit Plagioklas (und mehr oder weniger Granat) ein meist gleichkörniges Gefüge. Schlanke Kristalle gibt es in Amphiboliten nicht. Auch diese Amphibole zeichnen sich durch lebhaften Glanz auf den Spaltflächen aus. Bewegt man so einen Amphibolit in der Sonne, glitzern alle dunklen Minerale auffällig.

Ampbibol, Hornblende, Granat, Granatamphibolit
Alles Schwarze in beiden Bildern ist Amphibol, die braunrötlichen Körner sind Granate. (Animation)
Ampbibol, Hornblende, Granat, Granatamphibolit

Amphibole werden gelegentlich von anderen Mineralen durchwachsen. Unter der Lupe zeigen sich in den Spaltflächen des Amphibols kleine Einschlüsse, die Kristalle wirken „schmutzig“. (Spiegelung als Animation)
Ampbibol, Hornblende, Fremdminerale
Im Ausschnitt unten kann man winzige braune und hellgraue Einschlüsse erkennen, die aber wegen der winzigen Abmessungen nicht näher bestimmbar sind.
Ampbibol, Hornblende, Fremdminerale

 

metamorphe AmphiboleMetamorph gewachsene Amphibole bilden gern schlanke Kristalle in einer feinkörnigen Grundmasse. Diese Gesteine können hell oder dunkel sein, die Amphibole sind meist schwarz. Das erste Beispiel für so ein Gestein ist ein Geschiebe.

 

 

Das folgende Stück stammt als loser Stein aus der Nähe von Porsgrunn in Norwegen. Es enthält massenhaft schlanke Amphibolnadeln.
Amphibolkristalle in MetamorphitAmphibolkristalle in Metamorphit

Ähnliche Gesteine gibt es auch in Schweden. Bei Skyshyttan in Bergslagen stehen gedritführende Metamorphite an (unten). Gedrit ist ein Amphibol.
Gedrit aus SchwedenGedrit aus Schweden


Ein in metamorphen Gesteinen häufiger Amphibol ist Aktinolith (Strahlstein), dessen Kristalle dunkelgrün aussehen.
Aktinolith aus NorwegenAktinolith aus Norwegen

Sind solche schlanken Kristalle sehr klein, kann man sie makroskopisch nicht bestimmen, da die Spaltwinkel nicht mehr zu erkennen sind. (Zu Spaltwinkeln siehe nächster Abschnitt.) Zwar sind die meisten schwarzen und schlanken Kristalle Amphibole, aber man muss sich hüten, alle dunklen und schlanken Minerale pauschal als Amphibole anzusprechen. In Alkaligesteinen kann Ägirin vorkommen, der schlank und schwarz wie ein Amphibol aussieht, jedoch zu den Pyroxenen gehört.
Tinguait mit schwarzem Ägirin

Diese Gesteine kommen in Skandinavien im Oslograben und in Alkaliintrusionen Schwedens vor. Ein bekanntes Beispiel ist der Särna-Tinguait (oben).
Dessen schwarze Nadeln sind keine Amphibole, sondern Ägirin, ein Na-Pyroxen.
Wenn man sich merkt, dass die schwarzen Nadeln in einem grünen Porphyr Ägirin sein können, ist dieser Fallstrick - die Verwechselung mit einem Amphibol - vermeidbar. Ägirin kommt aber auch in weniger auffälligen Gesteinen vor, so dass man bei schwarzen, schlanken Kristallen generell vorsichtig sein muss. Das gilt vor allem in Gebieten mit Alkaligesteinen wie dem Oslograben in Norwegen.

Auch schwarzer Turmalin (Schörl) bildet Kristalle, die Amphibolen ähneln (unten). Sie unterscheiden sich jedoch durch fehlende Spaltbarkeit, haben also einen rauen Bruch und dazu den turmalintypischen dreieckigen Querschnitt. Außerdem ist Turmalin ähnlich hart wie Quarz, also nicht ritzbar.
In makroskopisch relevanter Größe kommen Turmaline hauptsächlich in Granitpegmatiten oder in Graniten vor, also durchweg sehr hellen Gesteinen.
Turmalin (Schörl)
Turmaline sind noch seltener als die grünen Tinguaite. Eine Verwechselung kann vermieden werden, wenn man auf die fehlende Spaltbarkeit achtet.

 

Die Spaltwinkel der Amphibole

Neben Spaltbarkeit und Härte gibt es ein weiteres Merkmal, das alle Amphibole auszeichnet: Ein Winkel von etwa 60° bzw. 120° zwischen den Spaltflächen.
Das schwarze Mineral hier ist ein Amphibol-Spaltstück, also der Rest eines ehemals größeren Kristalls. Alle seine spiegelnden Flächen sind Spaltflächen. Diese Spaltflächen haben gemeinsame Kanten, die in eine Richtung weisen. In diesem Fall steil von links unten nach rechts oben. Um die Spaltwinkel zu sehen, muss man entlang dieser Kanten schauen (Pfeil). Dann ergibt sich eine Ansicht, die als Kopfschnitt bezeichnet wird.

Spaltwinkel bei Hornblende, Amphibolen

Der Kopfschnitt (unten) ist der Blick entlang der Hauptachse des Kristalls. Diese Längsachse ist mit den langen Kanten identisch, die von den Spaltflächen gebildet werden.
Spaltwinkel bei Hornblende, Amphibolen, Kopfschnitt
Nur aus dieser Perspektive sieht man die Winkel von 60 ° bzw. 120°.Spaltwinkel bei Hornblende, Amphibolen, Kopfschnitt beschriftet

Wer die Spaltwinkel sucht, muss daher zuerst die Kanten finden, die von den Spaltflächen gebildet werden. Dann dreht man das Handstück so, dass man flach entlang dieser Kanten peilen kann und wenn die Kristalle nicht zu klein sind, zeigen sich die Winkel zwischen den Spaltflächen. Dafür muss der Amphibol eine gewisse Mindestgröße haben. Bei sehr kleinen Kristallen versagt diese Methode. So deutliche und große Spaltwinkel wie hier im Bild sind die absolute Ausnahme. Es hat lange gedauert, so ein schönes Stück zum Fotografieren zu finden.

Es kann am Anfang etwas mühsam sein, die Kanten zwischen den Spaltflächen zu finden. Deshalb noch zwei Bilder dazu. In beiden zeigen die weißen Pfeile auf die Kanten, die von den Spaltflächen gebildet werden. Diese Kanten suchen Sie und entlang derer peilen Sie, um die Winkel zu suchen. Das Handstück muss dafür jeweils gekippt werden. Aus dem Blickwinkel, aus dem die Fotos hier gemacht wurden, kann man die Winkel zwischen den Spaltflächen nicht gut erkennen.
Spaltwinkel bei Hornblende, Amphibolen
Vergrößerung ohne Beschriftung

Beim Peilen muss man aufpassen, die richtigen Kanten zu erwischen. Die im oberen Bild quer verlaufenden sind Bruchkanten und die dürfen Sie nicht benutzen (rote Pfeile). Das erkennen Sie daran, dass eine der beiden Flächen, die diese Bruchkanten bilden, eine raue (!) Bruchfläche ist. Man muss deshalb immer mit den glatten Spaltflächen anfangen und dann die Kanten suchen.
Spaltwinkel bei Hornblende, Amphibolen
 

Asbest

Amphibole kommen auch in langfaseriger Form vor, die als Asbest bezeichnet werden. Der Begriff deckt verschiedene Amphibole ab, auf deren Zusammensetzung hier nicht weiter eingegangen werden soll.
Asbest war lange Zeit ein geschätztes Mineral, da die dünnen Amphibolfasern gesponnen und zu unbrennbaren Textilien verarbeitet werden konnten. Auch feste Werkstoffe wurden durch Asbest belastbarer, da die Fasern wie eine Armierung wirken. Inzwischen ist aus dem berühmten Mineral ein eher berüchtigtes geworden, da Asbest Krebs auslösen kann. Das tut aber der Faszination, dass die Natur mineralische Fasern hervorbringt, keinen Abbruch.
Asbest, Amphibol
Das Asbeststück hier ist, mineralogisch gesprochen, sauber. Alle Fasern sind Teil des Gesteins.

Asbest, Amphibol

Zusammenfassung: Amphibole fallen vor allem durch den lebhaften Glanz ihrer Spaltflächen auf. Diese sind oft in sich gestuft und bilden kleine Treppchen, ähnlich wie die Feldspäte. Die allermeisten Amphibole sind schwarz oder dunkelgrün und so hart, dass man sie nicht oder nur mit Mühe ritzen kann.
Zwischen den Spaltflächen bilden Amphibole charakteristische Winkel von etwa 60° und 120°. Diese Winkel sieht man bei ausreichend großen Kristallen, wenn man in Längsrichtung der Kanten peilt, die von benachbarten Spaltflächen gebildet werden. Sind die Amphibole klein, kann es mühsam oder sogar vergeblich sein, die Spaltwinkel zu suchen. Deshalb spielen sie bei der Bestimmung mit der Lupe keine primäre Rolle. Im Vordergrund steht die gute Spaltbarkeit, die sich in kräftig spiegelnden, schwarzen Spaltflächen zeigt. Findet man die, muss nur geklärt werden, ob das Mineral weich ist (dann ist es Biotit) oder hart (Amphibol). Mit etwas Übung erkennt man das bereits daran, wie die Spaltflächen reflektieren.

Immer wieder findet man in Gesteinen dunkle Minerale ohne erkennbare Spaltflächen. Sind solche stumpfschwarzen Minerale ritzbar, sollte man genau prüfen, ob es sich nicht doch um Glimmer handelt. Findet man keine Glimmerschuppen, muss man von zersetzten dunklen Mineralen ausgehen, die für Amateure nicht bestimmbar sind. An dieser Stelle kommt man dann nicht weiter.
Wer gezielt Amphibole sucht, sollte im Glazialgeschiebe auf schwarze, glitzernde Steine achten. Weiterhin stecken Amphibole in manchen Gneisen, in vielen schwarz-weißen magmatischen Gesteinen, die Quarz enthalten (Granodiorite) und auch in Rapakiwi-Graniten.

 

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