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  Plagioklasschlieriger Granatamphibolit :
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Granatamphibolite sind metamorphe Gesteine, die in verschiedenen Gebieten Skandinaviens vorkommen. Eine allgemeine Einführung zu diesem Gestein finden Sie hier: Amphibolite und Granatamphibolite

Ein besonderer Typ, der "plagioklasschlierige Granatamphibolit", läßt sich einem genauer umrissenen Herkunftsgebiet zuordnen, nämlich dem südlichen Teil des "Südwestschwedischen Granulitgebiets". Die Karte rechts zeigt die Lage dieses Gebietes.
Dort wurden während der svekonorwegischen Gebirgsbildung vor einer Milliarde Jahre sehr hohe Drücke und Temperaturen erreicht. Die Gesteine erlitten eine Metamorphose unter Bedingungen der Amphibolit- und der Granulitfazies.

 

Werden Gesteine aus der Basalt- bzw. Gabbrogruppe hohen Drücken und Temperaturen ausgesetzt, kommt es zu einer durchgreifenden Änderung des Mineralbestandes. Als Ergebnis liegen Amphibolite oder, bei noch höherer Belastung, mafische Granulite vor.

Einige Gesteine erreichen bei solchen Metamorphosen die Grenze der Aufschmelzung. Dabei sind es immer die hellen Minerale, die zuerst flüssig werden. Der hier vorgestellte Granatamphibolit hatte diese Grenze zum Migmatit erreicht und zeigt bereits die Bildung von Leukosomen. Damit sind die hellen Partien (Schlieren) im Gestein gemeint. Die Minerale in diesen hellen Streifen waren flüssig und haben sich deswegen sammeln und absondern können.
  
Der folgende Stein zeigt das typische Gefüge:
(Geschiebe von der Ostküste der Insel Als in Dänemark)
   


Der größte Teil des Gesteins besteht aus schwarzen Amphibolen, einem typischen Resultat der Metamorphose von Basalten oder Gabbros. Dabei müssen mindestens die Drücke und Temperaturen der Amphibolitfazies erreicht werden, die ja nach genau diesem Umwandlungsprozeß benannt wurde.
Die hellen Streifen und Flecken im Gestein sind überwiegend Plagioklas und etwas Quarz.

Amphibol (Hornblende) ist meist tiefschwarz und lebhaft glänzend..
Die rotbraunen Flecken im Gestein sind Granate, die erst während der Metamorphose gebildet wurden.

Granatamphibolit

Die weißen Schlieren sind oben in der Gesamtaufnahme gut zu sehen.
Sie sind Leukosome im Frühstadium. Dieser Amphibolit ist ein migmatitisches Gestein.

Ein weiteres Beispiel für diesen Typ zeigt dieses Geschiebe von der Ostsee bei Travemünde:



Auch dieser Stein besteht überwiegend aus schwarz glänzendem Amphibol,
vielen kleinen Granaten und Plagioklas als hellem Mineral.

  


Oben sehen Sie innerhalb des weißen Streifens ein interessantes Detail.
Die kleinen Granate bilden einen Kranz um ein dunkles Mineral herum. Dieser Saum ist Abbild einer chemischen Reaktion an der Kontaktfläche des dunklen Minerals zu seiner Umgebung. Solche Kränze von Granat sind ein charakteristisches Merkmal des Granatcoronits. 
Für den Granatamphibolit ist dieses Detail nicht typisch. Es verweist nur zusätzlich auf das Herkunftsgebiet Südwestschweden. Nur dort gibt es Granatcoronite.
 
Nachstehend ein Blick ins Anstehende.
Das Bild zeigt die Steilküste am Kullaberg in West-Schonen, Südschweden.
   
 

  
An dieser Stelle sind noch die Verhältnisse vor der Metamorphose erkennbar.
Ursprünglich war ein Basalt in Form eines Ganges in ein helles Gestein von ungefähr granitischer Zusammensetzung eingedrungen. Dieses Wirtsgestein sieht man auf dem Bild oben links. Der dunkle Gang liegt rechts unterhalb. Er ist mehrere Meter dick, nur der obere Teil liegt frei.
Beide Gesteine wurden metamorph überprägt. Oben links ist das Gestein heute ein rötlicher Gneis, rechts darunter findet man jetzt einen schwarzen Granatamphibolit, der die weißen Schlieren zeigt.
Bei der Gebirgsbildung vor einer Milliarde Jahre wurde das Gestein zusätzlich tektonisch verstellt, daher die Schräglage heute.

Die nächste Aufnahme zeigt den Amphibolit dort aus der Nähe.
Die Bildbreite im Vordergrund beträgt etwa 2 m. Strandbereich auf der Kullen-Halbinsel
in Schonen. ("Wallengrens Grotta")

  

Der "weißschlierige" oder auch "plagioklasschlierige" Granatamphibolit ist nur eine von vielen Varianten der Granatamphibolite, jedoch die einzige, deren Herkunft sich gut eingrenzen läßt. Der hier fotografierte Strandbereich ist dabei nur ein Beispiel. Im Südwestschwedischen Granulitgebiet gibt es viele weitere Vorkommen.
Zusätzlich kommen solche Gesteine in Südostnorwegen im Bamble-Kongsberg-Gebiet vor.
Da Geschiebe von dort insgesamt recht selten sind, kann man bei Funden von plagioklasschlierigen Granatamphiboliten diese in der Regel ins Südwestschwedische Granulitgebiet beheimaten.
Nur bei Funden im nördlichen Dänemark sollte man eine norwegische Abstammung ins Auge fassen.
  
Mehr zu den Granatamphiboliten im allgemeinen und Amphiboliten ohne Granate finden Sie hier:
Amphibolite und Granatamphibolite.

Wenn Gesteine wie dieser Granatamphibolit trotz sehr hoher Metamorphose "nur" Amphibole enthält und kaum Pyroxene, die ja den hohen Drücken noch besser angepaßt sind, so hat das folgenden Grund: Der heutige Mineralbestand ist teilweise eine Anpassung an den niedrigeren Druck und die niedrigeren Temperaturen nach der Metamorphose. Ein ganzer Teil der Amphibole hat sich beim Abklingen der Belastungen retrograd ("rückwärts verlaufend") wieder aus den Pyroxenen gebildet.


Informationen zum Mineral "Amphibol" und wie Sie es in Gesteinen erkennen, finden Sie in der Einführung zur Gesteinsbestimmung. Mehr über Amphibol.

    
Hier noch ein Exemplar aus dem Geschiebe, in Fundsituation. Wegen seiner Größe liegt er auch
heute noch in der Kiesgrube in Damsdorf in Schleswig-Holstein.
  
plagioklasschlieriger Granatamphibolit

Nahaufnahme daraus:
    

  
Der hier erkennbar hohe Gehalt an Granat macht diese Gesteine auch auffällig schwer.
Granat hat eine hohe Dichte, die Sie solchen Gesteinen beim Aufheben sofort anmerken.