Übersicht Südschweden Nordschweden Norwegen Finnland / Ostsee Rapakiwis
  alle Themen Süd- und Westküste Dalarna Oslogebiet Bornholm Einleitung
  Gesteinsliste Småland-Dalsland Nordschweden Finnland und Ostsee alle Rapakiwis
  Bildergalerie Stockholm-Värmland Sonstige Åland Texte
  Kontakt Metamorphite Bottensee


 

Lydit / Radiolarit / Kieselschiefer:  

 
Druckansicht
 


Diese drei Begriffe bezeichnen das gleiche Gestein, wobei die Bezeichnung
"Lydit" häufig  für paläozoische Formen und "Radiolarit" für die mesozoischen Gesteine der Alpen verwendet wird.
Der sinnvolle Oberbegriff für dieses Gestein unabhängig vom Alter ist "Radiolarit".

Es handelt sich um ein marines Sedimentgestein, das in der Tiefsee entsteht und aus den kieseligen (
SiO2) Resten einzelliger Strahlentierchen – den Radiolarien – aufgebaut ist . Diese sinken zu nach ihrem Ableben im Meer in die Tiefsee und bilden unter günstigen Bedingungen (vor allem geringe oder fehlende sonstige Einträge von Sand, Ton etc.) den Radiolarienschlamm. Dieser Schlamm ist für sein extrem langsames Anwachsen bekannt: Sedimentationsraten von wenigen Millimetern pro tausend Jahre scheinen üblich zu sein.
Aus diesem Radiolarienschlamm bildet sich durch Diagenese der Radiolarit.
Seinen Weg an Land und in die Handstücke findet das Gestein im Zuge von Subduktion und Gebirgsbildung. Dabei kommt es zur Entwässerung, Verdichtung und Kompaktierung. Die feinen Sedimentlagen bleiben nur manchmal erhalten und sind selten im Handstück zu sehen. In der Regel sind die als Lydit (oder Kieselschiefer) bezeichnet Stücke durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet:

  • Extrem hartes, splittrig oder muschelig brechendes Gestein, das immer nur in kleinen Dimensionen gefunden wird. Fundstücke erreichen selten mehr als einen Dezimeter, meist bleiben sie unter Faustgröße.

  • Meist tiefschwarz oder grau (paläozoisch), aber auch grünlich bis rot (mesozoische Radiolarite der Alpen). Feinstkörniges bis dichtes Gefüge, keine Fossilien über Radiolariengröße. Auch letztere sind nur in Ausnahmefällen erkennbar und unter einem Millimeter klein.

  • Oft ist das Gestein stark gefaltet und von vielen Brüchen durchzogen, die regelmäßig mit Quarzäderchen gefüllt sind.

  • Radiolarite sind so hart, daß sie oft eine deutlich geringere Rundung als das Umgebungssediment aufweisen. Der splittrige, kantige Bruch bleibt lange erkennbar.

Die schwarzen Radiolarite/Lydite, die in Deutschland gefunden werden, sind sichere Indikatoren für eine südliche Herkunft. Sie stammen aus dem Harz, dem Thüringer Wald oder dem Erzgebirge/Böhmen  und benachbarten Gebieten. In Skandinavien fehlen Radiolarite/Lydite fast vollständig. Ich habe noch nie einen im nordischen Geschiebe gefunden, wohl aber Mengen davon, sobald man in die Bereiche der Flußschotter unserer nach Norden bzw. Westen entwässernden Flüsse kommt.
Es soll kleine Vorkommen von Lydit im Norden geben, aber die können für die Bestimmung im Gelände ignoriert werden.
(Zur Bestimmung lesen Sie bitte ganz unten die Anmerkung)
Lydite sind daher gut geeignet, Fehlbestimmungen zu vermeiden und den Sammler zu warnen. Im Winter 2005/2006 fand sich in der Kiesgrube Vastorf  bei Lüneburg (Niedersachsen) neben Mengen an nordischen Geschieben etwas abseits ein Kieshaufen. Er enthielt ungewöhnliche Porphyre und etliche Lydite. Diese gaben den Ausschlag für die Annahme, daß es sich bei diesem Kieshaufen um einen Fremdgesteins"import“ in die Kiesgrube handeln mußte. In skandinavischem Geschiebe kommen niemals Lydite plus Zellenquarze vor. Damit war auch klar, daß die begleitenden Porphyre südlicher Herkunft sein mußten.

Es folgen einige Fotos von Lyditen, die alle durch nordwärts fließendes Wasser
 an ihre Fundstellen in Brandenburg bzw. Thüringen gelangten.

 
 
Dieses südliche Geröll stammt aus Brandenburg (Horstfelde) aus einem nicht mehr vorhandenem Elbelauf.
Die zerscherten Quarzgänge sind typisch für Lydite.
Sammlung Jan Kottner

Lydit aus Brandenburg

Die folgenden drei Lydite stammen aus einer Kiesgrube in Untschen bei Schmölln in Thüringen.
Der erste zeigt die typische Quarzdurchäderung.



Dieser hier unterhalb ist tektonisch nur mäßig beansprucht.
Die Sedimentschichtung ist erkennbar


 

Der dritte hat eine für Lydite recht beachtliche Größe. Auch hier ist der Quarz nachträglich gefaltet worden (untere Bildhälfte)



Das letzte Bild zeigt einen Lydit aus dem Anstehenden.
Die Probe stammt aus Langenstriegis bei Chemnitz, S. Adolph legit.
Sammlung Kottner

Lydit Radiolarit aus dem Anstehenden in Sachsen

 

 
Der Begriff  „Kieselschiefer“ ist falsch und sollte vermieden werden.
Das Gestein ist nicht geschiefert und bricht nicht dünnplattig - was ja gerade einen Schiefer auszeichnet.

Anmerkung zur Bestimmung dieses Gesteins:

Wenn man ein einzelnes, isoliertes Gestein im Gelände findet, das den hier abgebildeten ähnelt, so liefert der Vergleich mit den Fotos allein keine verläßliche Bestimmung. Streng genommen sind Gesteine mit einem dichten Gefüge wie Lydite „von Hand“ überhaupt nicht sicher bestimmbar, da oft auch mit der Lupe keinerlei Details erkennbar sind. Die Quarzgängchen sind zwar oft in Lyditen enthalten, sind aber nicht zwingend erforderlich.
Man kann also immer nur die mehr oder weniger gut begründete Vermutung äußern, daß ein Gestein wahrscheinlich ein Lydit sei. Dabei kommt es entscheidend auf die Begleitumstände an.
Südliche Gerölle bilden immer Gemeinschaften von typischen Gesteinen. Dazu gehören für die Herkunftsgebiete Erzgebirge/Lausitz/Böhmen insbesondere die Kasten- (bzw. Zellen) -quarze, streifig durchscheinende Quarze, gelbliche und rötliche Quarze, Achate und weitere, für die stromaufwärts gelegenen Gebiete typische Gesteine. Erst das gleichzeitige Auftreten solcher geographisch verwandter Gesteine ist ein Hinweis, daß schwarze, feinstkörnig-dichte Gesteine mit auffälliger Härte sehr wahrscheinlich Lydite sind. Wie gesagt: das ist dann eine gut begründete Vermutung.

Eine wirklich verläßliche Gesteinsbestimmung erfordert immer die sichere Identifizierung der beteiligten Minerale und eine Untersuchung des Gefüges.
Das ist bei feinkörnigen Gesteinen wie diesem hier grundsätzlich nur im Labor zu leisten.